Kreis Düren: „Schaden kann ins Unermessliche gehen“: Mäster rüstet sich gegen Schweinepest

Kreis Düren : „Schaden kann ins Unermessliche gehen“: Mäster rüstet sich gegen Schweinepest

„Ich habe keine Sorge, dass wir uns den Virus in den Stall holen“, sagt Tobias Loers selbstbewusst. Der Mäster leitet den größten von insgesamt noch drei schweinehaltenden Betrieben im Kreis Düren, den Margaretenhof in Nörvenich. Dort hat er umfassende Hygienemaßnahmen ergriffen, um seinen Tieren die Afrikanische Schweinepest vom Hals zu halten.

Daraus zu schließen, dass die Seuche für ihn kein Problem darstellt, ist aber weit gefehlt. „Der Schaden kann ins Unermessliche steigen“, betont Loers. Seine Hauptsorge ist, dass sobald auf deutschem Gebiet auch nur ein einziges infiziertes Schwein entdeckt wird, der Markt zusammenbricht. Die Branche ist vom Export abhängig. Loers: „Die Importeure aus China warten nur darauf, aus solchen Gründen die Preise zu drücken.“ Die Folgen der jüngsten Schweinepest aus 2008 seien noch heute zu spüren, sagt er, weil die Importeure teilweise immer noch keine Tiere aus den damals betroffenen Gebieten kaufen.

Noch sind in Deutschland weder Wild- noch Hausschweine von der Afrikanischen Schweinepest betroffen. Sobald sich das ändert, wären die Folgen für die gesamte Branche verheerend. Foto: imago/BildFunkMV

Der Unternehmer erklärt, dass gerade China eine große Rolle für die deutsche Fleischindustrie spielt. „Zu dem Preis, der hier für Filet bezahlt wird — also zwischen sechs und zehn Euro pro Kilo — verkauft man da die Schweinepfoten und Ohren. Andersherum bekommen wir von dort die Teilstücke, die hier besser verkauft werden.“ Um also diesen wichtigen Handelszweig nicht zu verlieren, gilt es, den Ausbruch der Seuche in Deutschland zu verhindern oder bestmöglich einzudämmen. Dafür sieht Tobias Loers in erster Linie zwei Parteien in der Verantwortung: die Jäger, die bei Kontakt mit den Tieren äußerste Sorgfalt walten lassen sollten, und die Landwirte, die ihre Betriebe mit Hygienemaßnahmen und der Sicherung ihres Geländes schützen sollten.

Auf den Margaretenhof kommt derzeit niemand mehr, der innerhalb der vergangenen 48 Stunden Kontakt zu anderen Schweinen hatte, außerdem ist das Gelände so abgeriegelt, dass keine Wildschweine in Kontakt mit den Zuchttieren kommen können.

Über Lebensmittel eingeschleppt

Aus Osteuropa eingeschleppt werden kann die Afrikanische Schweinepest nämlich über Lebensmittel, Teile von Schweinen — wie Häute und Jagdtrophäen —, Gegenstände, die Kontakt zu Schweinen hatten — wie Kleidung oder Jagdwaffen — und natürlich lebende Schweine. Um bei letzterem Übertragungsweg das Risiko so gering wie möglich zu halten, fordert der Bauernverband, den Bestand der Wildschweine um 70 Prozent zu senken.

Als „illusorisch“ tut Heinz Stüttgen diese Zahl ab. Der Sprecher der Kreisjägerschaft hält es für unmöglich, so viele Tiere zu schießen. Außerdem sieht er eine weitere Schwierigkeit: „Je mehr geschossen wird, desto stärker versuchen die Schweine, das wieder auszugleichen.“ So steige die Geburtenrate, und in vier bis fünf Monaten seien umso mehr Jungtiere im Wald. Aus genau diesem Grund kritisieren die Tierschützer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die stärkere Bejagung als „völlig unwirksamen und kontraproduktiven Aktionismus“. „Kein Wildschwein läuft von Polen nach NRW, sondern die bekannten Ausbreitungswege der Afrikanischen Schweinepest sind Jagdtouristen und Fleischkonsumenten, die kontaminierte Nahrungsreste in der Landschaft hinterlassen“, sagt Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND. Er fordert, Verbraucher aufzuklären und die Jagdausübung stärker zu kontrollieren.

Die Verbraucher und Jäger aufzuklären, hält auch Stüttgen von der Kreisjägerschaft für das richtige Mittel — ergänzend zur Reduzierung der Schonzeiten und damit der stärkeren Bejagung. Obwohl diese seiner Ansicht nach nicht nur einen Zweck verfolgt: „Eigentlich hatten wir eh schon zu viele Wildschweine. Die Schweinepest nimmt man jetzt als Begründung für eine stärkere Bejagung. So hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“ Stüttgen ist der Meinung: Je weniger Wildschweine es gebe, desto geringer sei auch das Risiko. Nach Ausbruch der Schweinepest in Deutschland drohen seiner Ansicht nach Milliardenschäden.

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