Düren: Rurtalbahn: Der Mann der ersten Stunde steht immer vor neuen Herausforderungen

Düren : Rurtalbahn: Der Mann der ersten Stunde steht immer vor neuen Herausforderungen

Odilo Schneider als Mann der ersten Stunde zu beschreiben, ist nicht verkehrt. Als die Rurtalbahn am 23. Mai 1993 ihren Fahrbetrieb auf der Strecke zwischen Jülich und Düren aufgenommen hat, war er schon dabei — im August 1992 von der Dürener Kreisbahn als Leiter der Betriebswerkstatt für die Busse eingestellt.

Dabei sollte der Zug ursprünglich ohne ihn abfahren. „In meinem Einstellungsgespräch wurde mir gesagt ‚Mit der Eisenbahn werden Sie nie zu tun haben‘“, erinnert er sich.

Schneider war zwölf Jahre bei der Bundeswehr, ist gelernter Kfz-Mechaniker und hat in Aachen ein Studium Maschinenbau-/Fahrzeugtechnik absolviert. Die klare Aussage bei der Einstellung hielt nur wenige Wochen.

Die alten Fahrzeuge der Bahn, die eigentlich schon verschrottet werden sollten, mussten technisch wieder fitgemacht werden. Genau der richtige Job für jemanden, der schon als Kind Lokomotivführer werden wollte. Dass die Rurtalbahn in den Anfangsjahren mit uralter Technik über die Schienen tuckelte, störte Schneider nicht. Im Gegenteil: „Die Herausforderung war, mit den alten Fahrzeugen zuverlässig zu fahren.“

„Klappertechnik“ nennt Schneider die Mechanik, die ohne Elektronik auskam, wo Relais einfach nur geschaltet haben, man noch mit dem Ölkännchen in der Hand am Zug entlang lief und den dicken Schraubenschlüssel stets parat hatte. „Man musste keine Angst haben, etwas kaputt zu machen“, grinst Schneider bei der Erinnerung. Allerdings waren die Fahrzeuge störanfällig. „Wenn der Motor streikte, war‘s das.“ Und wenn‘s das war, hatte man noch das Problem, die alten Züge von der Strecke zu bekommen.

Das kann bei neuen Fahrzeugen nicht mehr passieren. Statt mit Ölkännchen und Schraubenschlüssel laufen die Werkstattmitarbeiter der Rurtalbahn heute mit Laptop und Diagnosegerät durch die Werkstatt. 1995 kamen die ersten RegioSprinter. Die nächste Herausforderung. „Damit fing ein neues Zeitalter mit hochmodernen Fahrzeugen an“, sagt Schneider. Und mit genauso viel Arbeit.

Beschleunigte Fahrzeiten

Der Bau der Fahrzeuge musste begleitet, die Triebwagenführer und die Techniker geschult werden. Gleiches galt für die Regio-Shuttles, die seit 2011 für die Rurtalbahn fahren. Moderne Technik bedeutete gleichzeitg auch beschleunigte Fahrzeiten, hinzu kam 2001 das erweiterte Netz bis Linnich.

Vielleicht ist es das, was Odilo Schneider in seinem Beruf so besonders reizt: dass er ständig vor einer neuen Aufgabe steht, die gelöst werden muss. Zumal die nächste Herausforderung absehbar ist. Zwar erfüllen die Regio-Shuttle der 2017 angeschaffte Lint 54 bereits die geltende Abgasnorm, die Zukunft aber, glaubt Schneider, wird eher in der Brennstoffzellentechnik liegen. „Die wird von den Herstellern am meisten favorisiert und steht kurz vor der Zulassung“, sagt er.

Fahren darf der Geschäftsbereichsleiter Technik die Züge, die in der Werkstatt repariert werden, selbst nicht — allenfalls auf dem Betriebsgelände, wo neben den Zügen von Rurtalbahn und der Cargo-Sparte auch die DKB-Busse gewartet werden.

Die Werkstatt ist eine Männerdomäne. „Die Frauen, die sich für Technik interessieren, studieren und werden Ingenieurin — die landen dann nicht mehr bei uns. Und Mädchen mit mittlerer Reife interessieren sich weniger für Technik“, bedauert Schneider. Die Werkstatt wird also vorerst eine Männerdomäne bleiben. Wandeln muss sich sie vermutlich dennoch. An Arbeit mangelt es nicht, sagt Schneider: „Wir sind komplett ausgelastet. Wenn neue Fahrzeuge mit neuer Technik kommen, wird es eng.“

Fünf bis sechs Jahre schätzt er, wird es noch dauern, bis die Brennstoffzellentechnik serienreif ist. Odilo Schneider wäre dann 62 und dem Funkeln in seinen Augen kann man entnehmen, dass er diese Herausforderung auch gerne noch meistern würde.

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