Rurtalbahn: Beschwerden über neue Züge

Neue Züge der Rurtalbahn : Hohe Ausstiege werden zur Herausforderung für manche Fahrgäste

Die neuesten Modelle der Rurtalbahn sind höher als die alten, wodurch Haltestellen zu Herausforderungen werden. Das Unternehmen kennt die Situation, aber sie sei schließlich „regelkonform“ – auch eine vermeintliche einfache Lösung sei nicht zu realisieren.

Manchmal ist es so, dass jemand in der Zeitung von einem Problem in einer anderen Stadt liest und denkt: Moment, das Problem oder ein ähnliches gibt es bei uns auch – und nicht erst seit gestern. So rief eine Frau aus Düren in der Redaktion an, weil sie gelesen hatte, dass am neuen Bahnhof in Hückelhoven-Baal die neuen Regionalzüge aus Sicherheitsgründen nicht halten dürfen, weil der Bahnsteig um 15 Zentimeter zu kurz ist. Der Ausstieg entspricht also nicht der Norm (Ausgabe 7. Dezember, Region).

Lieber Bus fahren

Die Leserin fühlte sich direkt an die Bahnsteige der Rurtalbahnlinie erinnert. Seitdem seit Juli 2017 die neuen Züge zwischen Heimbach und Linnich verkehren, sei der Ein- und Ausstieg gerade für ältere Menschen und diejenigen mit Einschränkungen – und auch schweren Einkaufstaschen oder Kinderwagen – eine Herausforderung. Denn die neuen Züge sind höher, wie die abgedruckten Fotos zeigen. „Ich kenne einige Leute, die deswegen lieber mit dem Bus als mit der Rurtalbahn fahren. Im Alter ist das dann doch einfacher,“ sagte die Frau und nannte die Haltestelle Tuchmühle in Niederau als eine, die jene Bekannten meiden würden.

Bei einer Ortsbegehung trat just ein Mann aus einem der neuen Züge. Er hatte sichtlich körperliche Probleme, nach dem tiefen Schritt fing er sich am etwa zwei Meter entfernten Zaun auf. „Die neuen Züge sind sehr komfortabel, das Personal ist sehr hilfsbereit, aber der Ausstieg ist eine Katastrophe“, betonte der Mann und schob hinterher: „Ein Bekannter ist behindert, deswegen kann er nicht mit den neuen Zügen fahren.“

Auf einer Höhe: Bei den älteren Züge klafft nicht so ein großer Abstand zwischen Ausstieg und Bahnsteig. Foto: ZVA/Carsten Rose

Herbert Häner ist einer der Geschäftsführer der Rurtalbahn, und auf den Anruf und die beschriebene Situation angesprochen, sagt er: „Die Lage ist uns bewusst, aber sie ist nach EU-Verordnung regelkonform. Und Beschwerden in massiver Form liegen uns nicht vor. Wir können auch nicht anders bauen.“ Häner bestätigt, dass die Einstiege der neuen Zugmodell zehn Zentimeter höher als bei den älteren sei. „Deswegen erscheint der Ausstieg höher und weiter.“

Die Norm schreibe vor, erklärt Häner, dass die Bahnsteige ab Schienenkante zwischen 38 und 76 Zentimeter hoch sein müssen. „In unserem Schienennetz sind alle Haltestellen 38 Zentimeter hoch. Nur die in Huchem-Stammeln und An den Aspen in Jülich sind 55 Zentimeter hoch“, sagt der Rurtalbahn-Geschäftsführer. Häner betont, dass die Schienen an den gebogenen Haltepunkten in Zerkall und Abenden sogar leicht verlegt worden seien, damit der Ausstieg kürzer werde.

Wenn die Züge zu hoch, die Bahnsteige zu flach und nicht alle Fahrgäste von dem Problem betroffen sind, stellt sich die Frage: Wäre eine einfache (eventuell mobile) Erhöhung als Einstiegshilfe die Lösung? Häner antwortet: „Wenn man darüber nachdenkt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass das nicht möglich ist.“ Denn im Falle solcher punktuellen Erhöhungen müssten die Zugführer ja auch ebenso punktgenau halten. Ein anderes Problem seien die unterschiedlichen Türfolgen der jeweiligen Zugmodelle. „Es gibt zu viele Hemmnisse, die diese Idee schnell ad absurdum führen“, meint der Geschäftsführer.

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