Freie Stellen besetzen: Rund 8000 Arbeitskräfte fehlen im Kreis Düren

Freie Stellen besetzen : Rund 8000 Arbeitskräfte fehlen im Kreis Düren

„Die Situation für Arbeitssuchende war noch nie so gut wie heute.“ Hubert Wehren, Leiter der Arbeitsagentur in Düren, und Martina Forkel, Leiterin der Job-com des Kreises Düren, sind sich einig. Was die beiden meinen: Die Nachfrage nach Arbeitskräften im Kreis Düren war schon lange nicht mehr so hoch wie im Augenblick.

Und die Zahlen sprechen in der Tat für sich: Im Kreis Düren beschäftigen knapp 6000 Betriebe rund 83.000 Menschen. Derzeit sind bei der Arbeitsagentur rund 2100 offene Stellen gemeldet. Hubert Wehren: „In der Regel wird aber nur jede vierte freie Stelle der Arbeitsagentur gemeldet. Wir sprechen da von einem ‚verdeckten Arbeitsmarkt‘. Wir gehen davon aus, dass es im Kreis einen Bedarf an rund 8000 Arbeitskräften gibt.“

8000 freien Stellen stehen 9702 Arbeitslose gegenüber, rein rechnerisch müssten also alle freien Stellen auch besetzt werden können. „Das Arbeitskräfteangebot und die Nachfrage der Unternehmen passen aber nicht gut zusammen. Deswegen wird es für die Unternehmen immer schwerer, die offenen Stellen zu besetzen“, sagt Doris Schillings, Geschäftsführerin bei der Arbeitsagentur. Rund 80 Prozent der offenen Stellen sind für Fachkräfte. Immerhin 30 Prozent der Arbeitssuchenden bei der Arbeitsagentur und 70 Prozent der Menschen, die bei der Job-com gemeldet sind, haben allerdings keine Berufsausbildung. 40 Prozent der Arbeitslosen, die Grundsicherung bekommen, haben keinen Schulabschluss.

„Beide Seiten müssen sich bewegen“, sagt Martina Forkel. „Die potenziellen Arbeitnehmer müssen bereit sein, sich weiterzubilden. Und die Arbeitgeber müssen ihren Blickwinkel erweitern.“ Sehr häufig würden Unternehmen nur nach Menschen suchen, die einen bestimmten Beruf erlernt haben. Forkel: „Es ist aber durchaus möglich, dass auch ein Bewerber, der diesen Beruf nicht gelernt hat, trotzdem für das Unternehmen geeignet ist. Zum Beispiel, weil er soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit mitbringt. Oder weil er über eine grundlegende Qualifikation im Handwerk verfügt. Wir müssen Menschen und Arbeit zusammenbringen.“

Wehren formuliert das so: „Die Bewerber müssen unter dem Blickwinkel ihrer individuellen Talente und ihrer Förderfähigkeit betrachtet werden. Notwendige Qualifizierungen, die auch häufig gefördert werden können, sind vor oder während des Beschäftigungsverhältnisses möglich.“

Dass im Kreis Düren Fachkräfte gesucht werden, wissen auch Doris Schillings, Hubert Wehren, Bernhard Stier und Martina Forkel (von links). Foto: kin

Um Menschen und Arbeit zusammenzubringen, hat die Arbeitsagentur im Kreis Düren verschiedene Veranstaltungsformate geschaffen. Erst vor wenigen Tagen hat eine Art Jobbörse (siehe Themeninfo) mit 140 Teilnehmern stattgefunden. Wehren: „Die aktuelle Situation ist durchaus eine, die vielen Menschen, die Arbeit suchen, noch einmal eine Chance gibt. Die Unternehmen wissen, dass Kompromissbereitschaft gefragt ist, um offene Stellen besetzen zu können.“

Auch der Faktor Zeit, ergänzt Wehren, spiele bei der Arbeitsmarktvermittlung eine immer größere Rolle. „40 Prozent unserer Arbeitssuchenden sind nicht länger als drei Monate arbeitslos, 65 Prozent nicht länger als sechs Monate. Es muss schnell gehen.“

Die Experten von Arbeitsagentur und Job-com sind davon überzeugt, dass auch die Flüchtlinge bald eine Entlastung für den Arbeitsmarkt bedeuten werden. Bernhard Stier von der Job-com: „Es war falsch anzunehmen, dass die Flüchtlinge sofort anfangen zu können zu arbeiten.“ Viele hätten zuerst die zum Teil traumatischen Erlebnisse ihrer Flucht verarbeiten, die deutsche Sprache lernen und vielleicht auch eine Ausbildung absolvieren müssen. Stier: „Ich denke aber, dass die ersten jetzt für den deutschen Arbeitsmarkt bereit sind.“

Langzeitarbeitslose

Besonders am Herzen liegt Stier und Forkel die große Gruppe von arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen, die auch zur Klientel der Job-com gehören. Martina Forkel: „Es gibt ein neues Gesetz, das sogenannte Teilhabechancengesetz. Menschen, die länger als sieben Jahre arbeitslos waren, können an ihrem neuen Arbeitsplatz für zwei Jahre zu 100 Prozent in Höhe des gesetzlichen Mindestlohnes gefördert werden. So ein umfangreiches Förderprogramm hat es noch nie gegeben. Das kann für diese Menschen wirklich eine Chance bedeuten.“

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