Rettung von Burg Nörvenich kostet 1,7 Millionen Euro

Burg Nörvenich : Geschichte, die erhalten bleiben soll

Es ist ein echtes Kleinod an der Neffelbachaue, direkt am Nörvenicher Friedhof gelegen. Aber die Harff’sche Burg, die schon seit 1565 existiert, ist auch ein Sorgenkind. Die Burg ist nur noch eine Ruine, ihr Verfall an allen Ecken und Enden spürbar.

„Jeden Morgen“, sagt Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU), „muss die Eigentümerin Ziegelsteine aufsammeln, die aus dem Mauerwerk herausgebrochen sind. Das ist gefährlich, und wir müssen wirklich dringend etwas tun.“ Ein erster Schritt zur Rettung der Harff’schen Burg ist nun vollzogen: Das alte Gemäuer ist teilweise eingerüstet, erste Stützmaßnahmen zur Instandhaltung haben in enger Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) begonnen.

Im Jahr 1565 erbaut

Die Harff’sche Burg steht auf dem Privatgelände des Trompeterhofes, der noch als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt wird. Werner Vlatten-Merode erhielt im Jahr 1400 durch Erbteilung einen Hof in Nörvenich. An dieser Stelle wurde rund anderthalb Jahrhunderte später, nämlich im Jahr 1565 von Johann Harff zu Geilenkirchen die Harff’sche Burg erbaut. Die zweigeschossige Burg bestand aus einem Rechteck mit Satteldach, einem Rundturm und einem gegenüberliegenden Treppenturm.

Im 19. Jahrhundert kaufte Maximilian Graf Wolff Metternich die Burg mit den dazugehörigen Hofanlagen. Später gelangte sie in den Besitz der Vicomtes de Maistre zu Gymnasich. Seit 1880 ist die Burg unbewohnt. Die vollständige Sicherung der Anlage würde nach ersten Berechnungen von Ingenieuren rund 1,7 Millionen Euro kosten, erklärt Czech, „Es geht nicht darum, die Burg wieder bewohnbar zu machen“, sagt der Bürgermeister. „Wir wollen sie aber erhalten. Die Nörvenicher hängen an diesem Denkmal.“

Im Sommer haben Vereine aus der Neffeltalgemeinde zu einer „Sommernacht an der Harff‘schen Burg“ mit Musik und geselligem Beisammensein eingeladen. Czech: „Es waren unglaublich viele Menschen da und haben den Abend genossen. Und am Ende sind 3000 Euro für den Erhalt der Burg zusammengekommen.“ Bei erwarteten Gesamtkosten in Millionenhöhe klingt das nach dem berühmten Tropen auf den heißen Stein, dem ist aber nicht so. „Die Kosten für die Rettung der Harff‘schen Burg“, erklärt Timo Czech, „könnten mit bis zu 90 Prozent vom Land und aus Förderprogrammen bezuschusst werden. Trotzdem müssten die privaten Eigentümer immer noch eine stattliche Summe aufbringen. Damit können wir sie nicht alleine lassen.“ Erste Fördergelder für die Rettung der Burg sind schon geflossen – 12.000 Euro im Jahr 2017 und immerhin 90.000 Euro in diesem Jahr.

Im August hat die Eigentümerfamilie der Burg mit Unterstützung der Gemeinde einen weiteren Förderantrag in Höhe von 500.000 Euro gestellt. Der Bund hatte ein neues Denkmalschutzprogramm aufgelegt. Czech: „Die Antragsfrist war äußerst kurz bemessen. Die Anträge mussten zudem eine Maßnahmenbeschreibung, eine Kostenschätzung sowie eine Stellungnahme des Denkmalfachamtes vom LVR beinhalten.“ Gleichwohl sei es gelungen, in enger Absprache der Eigentümerfamilie, einem Ingenieurbüro, dem Landschaftsverband, der Bezirksregierung und der Gemeinde den Antrag auf den Weg zu bringen. „Diese Summe“, sagt Czech, „würde natürlich sehr helfen.“ Und vielleicht kann das alte Gemäuer irgendwann als Kulisse für Konzerte oder Theateraufführungen dienen.

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