Düren: Repair-Café: Flicken statt wegwerfen

Düren : Repair-Café: Flicken statt wegwerfen

Schwer beladen mit einer etwas in die Jahre gekommenen Stereo-Anlage betritt eine ältere Dame das Haus der Evangelischen Gemeinde. Für das Repair-Café, das offiziell erst um 16 Uhr öffnet, ist sie noch eine halbe Stunde zu früh. Trotzdem bekommt sie am Empfangstisch schon das Zettelchen mit der Nummer fünf. Das Repair-Café erfreut sich auch bei seinem dreijährigen Bestehen großer Beliebtheit.

Iris Vasic, Fachbereichsleiterin Seniorenbildung bei der Evangelischen Gemeinde, empfängt die vielen Hilfesuchenden mit ihren kaputten Elektrogeräten und freut sich über das ungebrochene Interesse. „Als wir das Repair-Café hier gegründet haben, wollten wir zum Nachdenken anregen: Ist ein Neukauf wirklich nötig? Die Menschen sollen sich zurückbesinnen auf die Fähigkeit, zu reparieren. Und für die, die es nicht selbst können, bieten wir Hilfe an.“

In den vergangenen Jahren habe es einen regelrechten Boom bei den Repair-Cafés gegeben, meint Vasic. „Als wir anfingen gab es nocht nicht so viele wie jetzt.“ Ursprünglich komme die Idee aus den Niederlanden, aber auch in Deutschland gebe es mittlerweile Reparatur-Initiativen und zahlreiche Cafés. „Im Kreis Düren sind wir aber das einzige Repair-Café“, sagt Vasic.

Und innerhalb dieses einzigen Reparatur-Cafés ist sie die einzige Frau, die „Chefin“, wie ihre Mitstreiter sagen. Neben ihr als Kopf der Truppe, bilden nämlich acht Herren jenseits der 55 das Herz des Cafés. Die meisten von ihnen haben einen technischen Beruf gelernt und sind schon seit der Gründung vor drei Jahren im Boot.

In drei Stunden werden 25 Geräte repariert

Gemeinsam reparieren sie bei dem dreistündigen Termin am Ende jeden Monats rund 25 Geräte. „Vor der Weihnachtszeit entsprechend mehr“, fügt Vasic an. In der dunklen Jahreszeit kämen viele mit kaputten Lichterketten vorbei.

Zwei, die von Anfang an dabei sind, sind Walter Rau und Hartmut Pfeiffer. Während Rau einen alten Raumentfeuchter unter die Lupe nimmt und sich währenddessen angeregt mit dessen Besitzer Jochen Weinhold unterhält, nimmt Pfeiffer eine Kaffeemaschine auseinander.

Dem gelernten Radio- und Fernsehtechniker aus Niederzier liegen Kaffeemaschinen besonders am Herzen — „vor allem die, die auch guten Kaffee machen. Filterkaffee kann jeder“, ist er überzeugt. Festgelegt ist er aber nicht, sondern beschäftigt sich mit allem, was er in die Finger bekommt.

Zukünftig könnten Pfeiffer, Rau und ihre Mitstreiter das auch an anderen Stellen im Kreis Düren tun. Mit Blick in die Zukunft spielen Initiatorin Iris Vasic und die Herren nämlich mit dem Gedanken, das Repair Café auf Kreuzau und Birkesdorf auszuweiten.