Rekultivierung Sophienhöhe schreitet voran

Niederzier : Rekultivierung der Sophienhöhe: Ziel ist eine möglichst große Artenvielfalt

Ihrem Namen macht die „Goldene Aue“ südlich des Wetterradars auf der Sophienhöhe noch keine Ehre. Doch das wird sich ändern, verspricht Gregor Eßer, Leiter der Forschungsstelle Rekultivierung bei RWE Power. Ende Mai werden die ersten 15 von einmal 50 Hektar des Sonderbiotops gelb-gold strahlen.

Verantwortlich dafür ist der „Klappertopf, eine Pflanze mit eben solch farbigen Blüten, die unter anderem auf den Rheinwiesen zu finden sind. Von dort haben die RWE-Biologen Wiesensamen geholt, um inmitten der zu 90 Prozent bewaldeten Sophienhöhe eine von Wiesen und Tümpeln dominierte offene Landschaft zu gestalten. Eine Tonschicht im Untergrund der 2014 verkippten Fläche soll dafür sorgen, dass die Niederschläge nicht so schnell versickern und sich in Mulden kleine Tümpel bilden, während die Randbereiche austrocknen. „So erhalten wir eine große Artenvielfalt“, ist Eßer überzeugt. Mit seltenen Amphibien, Wildbienen, Heidelerchen und vielem mehr“.

Revierförster Elmar Kampkötter blickt auf die neugestaltete Freifläche „Goldene Aue“, Tagebauleiter Thomas Körber (kl. Bild) steht am Inselsee vor der großen Graureiher-Kolonie. Foto: Abels

Die „Goldene Aue“, die 2019 an das bereits heute mehr als 110 Kilometer lange Wegenetz der Sophienhöhe angebunden werden soll, ist einer der aktuellen Schwerpunkte in der Rekultivierung, auf die Tagebaubetreiber RWE Power immer größeren Wert legt. „Sie ist das, was vom Tagebau einmal bleiben wird, unsere Visitenkarte für die Nachwelt sozusagen“, betont Thomas Körber, der Leiter des Tagebaus Hambach.

Auf der Sophienhöhe lebt eine der größten Populationen der bedrohten Haselmaus. Foto: Abels

Seit der Tagebau Hambach vor vier Jahrzehnten in Betrieb genommen wurde und die heute mehr als 200 Meter hohe Abraumhalde Gestalt annahm, haben die RWE Förster bereits 15 Millionen Bäume und Sträucher auf der Sophienhöhe gepflanzt, teilweise auf Boden aus dem abgeholzten Altwald, um die regionalen genetischen Vorkommen zu erhalten, erklärt der neue Revierförster Elmar Kampkötter, der mit seinem Team in diesem Jahr 200.000 weitere Bäume pflanzen wird. Eichen und Buchen bestimmen zu 85 Prozent das Bild, dass aber immer wieder auch aufgelockert wird mit den verschiedensten anderen Bäumen, alten Obstbaumsorten, Nadelhölzern, Birken, Nussbäumen und zum Beispiel auch der Esskastanie, dem Baum des Jahres 2018, betont der Förster.

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Die große Abwechslung sorgt gerade in diesen Frühlingstagen für ein sich ständig wechselndes Erscheinungsbild der Sophienhöhe, die nach Angaben von Gregor Eßer im Laufe der Jahre zu einem einzigartigen Lebensraum geworden ist. „Wir haben hier bereits mehr als 1000 Tier- und 800 Pflanzenarten nachgewiesen, von denen viele auf der Roten Liste stehen.“ Besonders stolz ist der Experte auf die große Graureiher-Kolonie, die am Inselsee ihre Heimat gefunden hat, und auf eine der größten Haselmaus-Populationen, die auf der Rekultivierung heimisch geworden ist.

Um die große Artenvielfalt für den Wanderer erlebbarer zu machen, legt RWE in den kommenden Wochen einen Naturerlebnispfad an, der Anfang Juli eröffnet werden soll, kündigt Thomas Körber an. Auch der in der Vergangenheit immer mal wieder zerstörte keltische Lebensbaumkreis mit Infotafeln zu 22 Bäumen ist erneuert worden. Vier Sichtachsen, unter anderem Richtung Hambach und zum Forschungszentrum Jülich, sollen Wanderern attraktive Fernblicke ermöglichen.

Neben der forstwirtschaftlichen Rekultivierung beginnt RWE in wenigen Wochen auch mit der landwirtschaftlichen. Vor allem im Raum Elsdorf werden 1000 Hektar Ackerland mit Lössboden aus dem Tagebau Garzweiler entstehen.

40 Millionen Tonnen Braunkohle

Trotz des gerichtlich verhängten Rodungsstopps im Altwald bei Morschenich im vergangenen Winter ist der Betrieb im Tagebau Hambach normal weitergelaufen.

2017 wurden rund 38 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert, 2018 sind rund 40 Millionen Tonnen geplant, wie Tagebauleiter Thomas Körber betont. „Damit sichert die Kohle aus den Tagebau Hambach rund fünf Prozent des Strombedarfs in Deutschland und etwa 15 Prozent des Bedarfs in NRW. Täglich bringen rund 90 Züge die Kohle über die RWE-eigene Hambachbahn zu den Kraftwerken und zu den drei Veredelungsfabriken.

Um an die Kohle zu gelangen, werden die Schaufelradbagger in diesem Jahr rund 230 Millionen Kubikmeter Abraum bewegen. Das Verhältnis Abraum zu Kohle liegt derzeit bei 5,2:1 — Tendenz steigend, erklärt Körber, da das Kohleflöz gen Osten abfällt. Aktuell hat der Tagebau Hambach eine Tiefe von 400 Metern erreicht.

Ab Oktober sollen die Rodungsarbeiten fortgesetzt werden. Die Klage des BUND gegen den Hauptbetriebsplan habe keine aufschiebende Wirkung, betonte Körber. Ohne die weitere Rodung würde der Tagebaubetrieb ins Stocken geraten.

Die Belegschaft im Tagebau Hambach ist auf rund 1500 gewachsen, weil neuerdings in Hambach auch 300 Bergbauingenieure für das gesamte Revier ihren Sitz haben. Dazu kommen noch rund 700 Mitarbeiter von Partnerfirmen.

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