Reise nach Düren lockt viele russische Gäste

Städtepartnerkonferenz mit 750 Teilnehmern : Reise nach Düren lockt viele russische Gäste

Auf staatlicher und wirtschaftlicher Ebene herrscht in gewisser Weise Eiszeit. Die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union samt Deutschland sind seit fünf Jahren und der Krim-Krise von Sanktionen und Restriktionen geprägt. Auf zwischenmenschlicher Ebene gilt das keinesfalls, dafür liefert die Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz in Düren kommende Woche schon jetzt klare Indizien.

750 Menschen aus beiden Ländern haben sich fest angemeldet und bescheren den Hotels in der Kreisstadt und der Region vier Tage lang eine hohe Auslastung. Das sind bei der 15. Auflage so viele wie noch nie, informierte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) nicht ohne Stolz.

„Es gab Zweifel, ob das Angebot auch in einer vergleichsweise unbekannten Umgebung angenommen wird, wenn man Berlin oder Karlsruhe zum Maßstab nimmt. Wir stellen nun fest: Bei der 15. Konferenz gibt es die bislang höchste Beteiligung“, erklärte Spelthahn und ordnete das Programm vom 25. bis 28. Juni ein: „Nicht die hohe Politik dominiert die Veranstaltung. Wir wollen Menschen zusammenbringen, deswegen steht der zivilgesellschaftliche Dialog im Mittelpunkt.“

Die feierliche Eröffnung am Dienstag nächster Woche findet bewusst im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt, weil er symbolisch für ein freies Europa stehe und zugleich auf die Verankerung Russlands in Europa anspiele. Die beiden Außenminister werden nicht dabei sein, dafür aber zum Beispiel Michelle Müntefering (SPD) als Staatsministerin im Auswärtigen Amt, der russische Sonderbeauftragte des Präsidenten für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Dr. Michail Schwydkoj, der Botschafter der russischen Föderation, Sergej J. Netschajew, und der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, das Ausrichter der Veranstaltung ist. Die Festrede in Aachen hält der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Das ist der staatstragende Teil der Veranstaltung, die ab Mittwoch in Düren – hauptsächlich in den Gebäuden der Kreisverwaltung und im Dorint-Komplex – Diskussionen und Arbeitsgruppentagungen vorsieht. Gesellschaftlicher Höhepunkt ist sicher am Mittwochabend ab 19 Uhr das Fest der Begegnung auf Schloss Burgau (Winkelsaal und Außenbereich). Mit Ausnahme der Eröffnung in Aachen, die schon nahezu ausgebucht ist, sind alle Angebote öffentlich zugänglich, erfordern aber eine Anmeldung, die über die Internetseite möglich ist (siehe Artikelende). Schließlich leben im Kreis Düren viele Menschen mit russischen oder deutschrussischen Wurzeln, für die dieser Austausch interessant sein könnte.

Die Finanzierung der durchaus aufwendigen Konferenz erfolgt in der Hauptsache über die Teilnehmer selbst und Sponsoren. 40 Prozent der 750 Angemeldeten stammen übrigens aus Russland. Einen relativ kleinen Teil der Finanzierung steuert die Kreiskasse mit 30.000 Euro zu, wenn man bedenkt, das allein über die Hotelbuchungen ein Vielfaches in die lokale Wirtschaft zurückfließt.

Neben einer Reihe von Dolmetschern für den offiziellen Teil, die aus Berlin anreisen, hat der Kreis Düren 20 Ehrenamtler gefunden, die beide Sprachen sprechen und bei Bedarf zur Verfügung stehen. Insgesamt 50 Freiwillige sind nötig, um die Gäste von der Ankunft am Flughafen bis zu Besuchen in der Stadt oder bei Ausflügen zu betreuen. Sie sind am blauen Poloshirt mit Konferenz-Logo zu erkennen.

www.staedtepartnerkonferenz-kreis-dueren.de

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