Düren: Reformationstag: „In der Innenstadt wird Ökumene gelebt“

Düren : Reformationstag: „In der Innenstadt wird Ökumene gelebt“

Als vor 13 Jahren in der Christuskirche der erste ökumenische Gottesdienst am Pfingstmontag in Düren stattfand, war das für die Rurstadt der Beginn einer neuen Tradition. Die Unterschiede zwischen den katholischen und evangelischen Christen waren damals deutlich spürbar.

Die Katholiken legten viel mehr Aktionismus an den Tag, weil sie dauernd das Bedürfnis verspürt haben, aufzustehen und sich hinzuknien. Im Gegenzug war die Predigt des katholischen Priesters den evangelischen Christen viel zu kurz.

Zwei Religionen, gemeinsame Führbitten: Bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche stehen Hans-Otto von Danwitz und Dr. Dirk Christian Siedler gemeinsam am Altar. Aber was ist grundsätzlich in Sachen Ökumene in Düren eigentlich möglich? Foto: S. Kinkel

Am vergangenen Sonntag, also kurz vor dem Reformationstag, fand in der Christuskirche wieder ein Gottesdienst statt, der ökumenisch vorbereitet wurde. Der Ökumene-Arbeitskreis beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Einheit der beiden christlichen Kirchen. Wieder war das Gotteshaus gut besucht, allerdings war auf den ersten Blick nicht mehr auszumachen, wer katholisch und wer evangelisch war.

Ökumenische Gottesdienste sind in der Innenstadt längst keine Seltenheit mehr. Ob Pfingstmontag oder während der Annaoktav — immer wieder werden Gottesdienste gemeinsam gefeiert. Aber was ist in Sachen Ökumene in Düren wirklich möglich?

„Die Dürener Innenstadt lebt die Ökumene“, sagt der evangelische Pfarrer Dr. Dirk Christian Siedler. „Es gibt viele gemeinsame Veranstaltungen wie den Weltgebetstag oder den Gottesdienst zum 16. November.“ Ökumenische Trauungen oder eine katholische und eine evangelische Taufe in einem einzigen Gottesdienst seien in Düren keine Seltenheit.

„Den Menschen im Blick“

Siedler: „Es ist auch möglich, dass katholische Christen evangelisch beerdigt werden, weil ihre ganze Familie evangelisch ist und die Angehörigen sich das wünschen. Oder umgekehrt.“ Siedlers katholischer Kollege Hans-Otto von Danwitz formuliert es so: „Beide Seiten haben immer den Menschen im Blick.“

Auch bei der Jugend- oder Sozialarbeit — beispielsweise in sozialen Brennpunkten — arbeiten die beiden Kirchen zusammen, genauso wie bei der Krankenhausseelsorge. Von Danwitz nennt ein weiteres konkretes Beispiel: „Bei der Evangelischen Gemeinde gibt es eine Beratungsstelle für Kirchenasyl. Erst vor wenigen Tagen habe ich von dort einen Anruf bekommen, ob wir Platz für eine Familie haben, die Hilfe braucht. Natürlich springen wir dann ein.“

Bei aller Zusammenarbeit gibt es aber auch noch Tabus. Eine gemeinsame Abendmahlfeier, die ein evangelischer Pfarrer und ein katholischer Priester zelebrieren, ist beispielsweise nicht erlaubt. „Grundsätzlich“, sagt Siedler, „kann ich mir das vorstellen, aber eben nur dann, wenn beide Kirchen das auch offiziell zulassen.“

Die Trennung der beiden Kirchen, so haben es die Mitglieder des Arbeitskreises während des Gottesdienstes am Sonntag formuliert, sei eine lange Geschichte von Auseinandersetzungen, Missverständnissen und Unverständnis.

„Gemeinsamkeiten betonen“

„Dabei“, sagt Katholik Peter Maaß, der sich seit vielen Jahren in dem Arbeitskreis engagiert, „gibt es mehr, was die beiden Kirchen eint, als sie trennt.“ Für Maaß und die 28-jährige Vikarin Sara Randow ist eine gut funktionierende Ökumene eine Herzensangelegenheit.

„Ich finde es schön, dass die Ökumene hier so gut funktioniert. Es ist wichtig, dass wir unsere Gemeinsamkeiten betonen und nicht das Trennende herausarbeiten.“ Ähnlich sieht das auch Peter Maaß: „Es darf keine Konkurrenz zwischen den beiden Kirchen geben. Ich wünsche mir von unserer Bistumsleitung mehr Offenheit, was die Ökumene angeht.“

Auf die Frage, wo die beiden Kirchen in 15 bis 20 Jahren stehen, finden die Christen nur schwer eine Antwort. „Es hat sich schon einiges getan“, sagt Maaß. „Und es gibt auch immer wieder positive Signale von hochrangigen Kirchenvertretern.“

Wäre mehr Ökumene nicht allein schon mit Blick auf die sinkende Zahl von Christen, evangelischen wie katholischen, sinnvoll? „Auf diesen Aspekt“, sagt Hans-Otto von Danwitz, „sollten wir so ein wichtiges Thema wie die Ökumene nicht reduzieren. Was man aber sagen kann, ist, dass in einer Welt, in der es insgesamt weniger Bewusstsein für Gott und Religion gibt, die Frage nach katholisch oder evangelisch immer mehr in den Hintergrund gerät.“

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