Rechtsradikalismus und Rassismus bekämpfen

Handlungskonzept : Rechtsradikalismus und Rassismus bekämpfen

Rechtsextreme Gruppierungen gibt es im Kreis Düren keine mehr. Soweit die gute Nachricht von Peter Kirschbaum. Für den 32-Jährigen, der ein Konzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus verfasst hat, ist das aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen.

Rechtsextreme Gruppierungen gibt es im Kreis Düren keine mehr. Soweit die gute Nachricht von Peter Kirschbaum. Für den 32-Jährigen, der ein Konzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus verfasst hat, ist das aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Über rechte Organisationen in den Nachbarkreisen und das Internet gibt es immer noch mehr als genug Wege, wie sich rechtes Gedankengut im Kreis Düren verbreiten kann. Was Kirschbaum dagegen unternehmen möchte, hat er in einem Konzept zusammengefasst.

Angefangen hat er seine Analyse im Februar 2017. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt „NRWeltoffen“, das vor Ort mit dem Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt umgesetzt wurde, wird vom Land mit 140 000 Euro und vom Kreis mit 20 000 Euro finanziert. Nun haben beide Geldgeber großes Interesse, dass es mindestens ein Jahr weitergeht. Das Ziel: Die zunächst eher theoretischen Inhalte, sollen in der Praxis angewandt, einige Handlungsempfehlungen umgesetzt werden.

Peter Kirschbaum, der aus Kreuzau stammt und Geschichte sowie Politikwissenschaften studiert hat, befasste sich zunächst mit der Frage, welche rechtsextremen Strukturen es im Kreis gibt und wie es mit Rassismus aussieht. Seiner Einschätzung nach ist die rechtsextreme Szene im Düren seit 2010 stark rückläufig. Früher habe es einen extrem starken NPD-Kreisverband gegeben, der enge Verbindungen zur rechtsextremen „Kameradschaft Aachener Land“ hatte. Letztere sei aber 2012 verboten worden und die NPD habe sich marginalisiert. Nun gebe es hier keine rechtsextremen Gruppierungen mehr, aber die in Aachen und Heinsberg seien „Sammelbecken für ehemalige Mitglieder aus Neonazi-Kameradschaften“, sagt Kirschbaum und nennt den Kreisverband Aachen-Heinsberg der Partei „Die Rechte“. „Da gibt es natürlich Querverbindungen zu Leuten aus Düren, die gab es immer und wird es immer geben.“ Als Nachfolgeorganisation der „Kameradschaft Aachener Land“ sieht er das neonazistische „Syndikat 52“, eine Untergruppierung der Partei „Die Rechte“.

Für Anhänger dieser Gruppierungen sei immer wieder der Hürtgenwald ein Anziehungspunkt, sagt Kirschbaum. Die Kriegsgräberstätten seien Ziel von Fackelwanderungen, wo die Rechtsextremen Kerzen entzündeten und so genannte Todesrunen installierten. Kirschbaum hält das für bedenklich, hat aber das Gefühl, dass vor Ort dagegen vorgegangen wird.

„Ich glaube schon, dass das Thema Rechtsextremismus viele im Kreis auf dem Schirm haben“, sagt er. Es gebe ein starkes Engagement gegen Rechts. Allerdings sei das oft nicht präventiv angelegt, sondern reagiere situativ: „Wenn etwas passiert, dann finden sich Bündnisse. Das ist der Knackpunkt. Es gibt ein breites Engagement, das ist aber nicht einheitlich.“ Einige Kommunen seien schon seit Jahren engagiert, andere noch gar nicht. An diesem Punkt möchte Kirschbaum ansetzen, in die Orte und vor allem die Schulen gehen. Es läge im Ermessen der Lehrer, über solche Themen im Unterricht zu sprechen, Teil des Lehrplans seien sie nicht. Im Rahmen der aktiven Präventionsarbeit möchte er deshalb den Schulen kostenlose Workshops anbieten, mit Schülern, Lehrern und Eltern arbeiten. Oft sei im Kreis Düren gewünscht worden, dass es Handlungs- und Argumentationstrainings gibt. „Ich möchte die Leute im Umgang mit rechten Äußerungen bestärken“, erklärt der 32-Jährige. Gerade bei den Jugendlichen spielt bei seiner Präventionsarbeit Rassismus eine genau so große Rolle wie Rechtsradikalismus. Hier möchte er sensibilisieren: „Es ist wichtig, dass Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem, das durch alle Schichten geht, erkannt und bearbeitet wird. Das ist im Dürener Fachdiskurs noch nicht richtig angekommen.“

In Köln gebe es ein Antidiskriminierungsbüro, das so überlaufen sei, dass es keine neuen Fälle mehr annehme, berichtet Kirschbaum und kündigt an, dass man auch in Düren darüber nachdenken müsse, ob eine zentrale Anlaufstelle installiert oder Kooperationen mit bestehenden geschaffen werden sollten.

Ideen für den Kreis Düren hat Peter Kirschbaum viele. Nun freut er sich, einige davon umzusetzen, aber auch neue zu entwickeln.

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