Aachen/Düren: Raub bei Möbelhändler mit Todesfolge: Gericht hebt lebenslange Haft auf

Aachen/Düren : Raub bei Möbelhändler mit Todesfolge: Gericht hebt lebenslange Haft auf

Im Fall der Tötung der damals 77-jährigen Gertrude M., Ehefrau eines Dürener Möbelhändlers, hat das Aachener Landgericht am Mittwoch die 2015 verhängte lebenslange Haft gegen Tomasz M. (39) und Marian S. (39) aufgehoben.

Richter Norbert Gatzke verurteilte Tomasz M. nun wegen Raubes mit Todesfolge zu zwölf Jahren, seinen Mittäter Marian S. wegen schweren Raubes zu sechs Jahren Haft. Die Angeklagten hatten gegen das erste Urteil also erfolgreich Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Dem reichte die damalige Begründung der 1. Schwurgerichtskammer nicht.

Die Richter hielten es 2015 in ihrem Urteil für erwiesen, dass die Angeklagten während ihres Einbruchs in das Haus der Eheleute M. die Frau des Möbelhändlers mit einer grausamen Fesselung vorsätzlich getötet hatten, weil sie verhindern wollten, dass die 77-Jährige ihre Gesichter erkennt.

Das Geschehen ereignete sich im Januar 2006: Tomasz M. und Marian S. waren mit einem dritten noch immer unbekannten Mittäter morgens in das Haus des Dürener Möbelhändlers Gisbert M. eingebrochen und wollten einen angeblich vorhandenen Tresor ausrauben. Doch dann kam die Ehefrau des Kaufmanns zur Überraschung der Einbrecher nach Hause. Die Männer fesselten sie daraufhin „wie ein Paket zusammen“, auch Mund und Nase waren verschlossen. Mindestens fünf Minuten habe einer der kräftigen Täter auf dem Rücken des auf dem Bauch liegenden Opfers gesessen, der Brustkorb sei entsprechend eingedrückt worden — Gertrude M. überlebte den Raubüberfall nicht.

DNA an einem Bügeleisen

Marian S. kam zugute, dass die Richter zu dem Schluss kamen, dass er nicht unmittelbar an der Fesselung des Opfers beteiligt gewesen sei und er auch nicht unbedingt davon ausgehen konnte. Die Kammer argumentierte, Marian S. habe nicht wissen können, dass die Frau das Ganze nicht überlebt. So blieb die Haftstrafe von sechs Jahren wegen schweren Raubes.

Anders bei Tomasz M.: Er habe unmittelbar geholfen, die 77-Jährige zu fesseln. Seine DNA fanden die Spurensicherer an einem Bügeleisen, dessen Schnur die Männer nach Angaben des Gerichtes eigentlich zur Fesselung benutzen wollten. Doch zweifelsfrei konnten die Richter einen Tötungsvorsatz nicht nachweisen, urteilte Richter Gatzke. M. wurde daher wegen Raubes mit Todesfolge zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Die tragische Geschichte des Ehepaares Gisbert und Gertrud M. ist von Überfällen gezeichnet: 2003 und 2005 waren sie bereits im Haus in Birkesdorf überfallen worden, dann der tödliche Raubversuch 2006. Gisbert M. zog nie mehr dorthin zurück. Richter Gatzke mutmaßte, dass sich „in kriminellen Kreisen das Gerücht verbreitet hat, dass dort viel Bargeld zu holen sei“. Doch einen Tresor hatte es nie gegeben. Infolge der Ermittlungen wurden einige Täter der ersten beiden Überfälle verurteilt. Die beiden jetzt verurteilten Täter waren erst mit neuen DNA-Verfahren ins Visier der Polizei geraten.

(wos)
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