Vossenack: Puppenspielerin erweckt fast vergessenes Märchen zu neuem Leben

Vossenack : Puppenspielerin erweckt fast vergessenes Märchen zu neuem Leben

Wieder einmal füllte sich der Kloster-Kultur-Keller am Franziskusgymnasium rasch mit erwartungsvollen Kindern, als am Samstagnachmittag das mobile Figurentheater „Guck mal“ aus Krunkel im Westerwald hier gastierte. Ein fast vergessenes Märchen der Gebrüder Grimm wurde aufgeführt: „Prinzessin Mäusehaut“.

Das Spiel mit Tischfiguren sei für Theaterfreunde von vier bis 94 Jahren geeignet, meint Martina Hering, die Puppenspielerin. Im Kloster-Kultur-Keller saßen nur Kinder in den ersten Reihen, dahinter nahmen die Erwachsenen Platz. Diesmal stimmte Bruder Wolfgang Mauritz, der die Besucher begrüßte, zuerst ein Geburtstagsständchen an, denn ein Geburtstagskind samt sechs Gästen war gekommen.

Das Märchenspiel zog die Zuschauer direkt in seinen Bann. Mit wandlungsfähiger Stimme, mit fantasievoll ausgestatteten Puppen, manchen kleinen Tricks auf ihrem Bühnentisch und schöner Hintergrundmusik, spielte Martina Hering sämtliche Rollen und Puppen alleine. Mucksmäuschenstill war es im Kulturkeller, als der König seine Tochter verbannte; sie hatte ihm gesagt, dass sie ihn so sehr liebe wie Salz. Darin sah der Vater eine Geringschätzung, und er wollte seine Tochter nicht mehr sehen.

Sie fand Zuflucht im Wald — im Nu zauberte Martina Hering mit wenigen Handgriffen hohe Bäume in den dunklen Wald. Und ihre Stimme ließ die Kinder die Ängstlichkeit der kleinen Prinzessin spüren: „Ist da jemand?“ hauchte diese in den dunklen, unheimlichen Raum. Doch sie fand Mäuse, die gut zu ihr waren und sie mit einem Mantel aus Mäusefell wärmten! Da sie sich gut auskannte mit Kräutern, Beeren und Pilzen, landete sie als Küchenhilfe in der Küche des Nachbarkönigs.

Hier verkörperte die gewitzte Puppenspielerin die gestresste Köchin, den kessen Königssohn und auch die schüchternen Küchenhilfe. Pilzsuppe wurde gekocht, und dabei war noch Zeit für eine wunderbare Suppenkessel-Percussion! Dass die Prinzessin, die ja keiner erkannte, dem Königssohn die Stiefel ausziehen sollte, führte zu einer witzigen Szene mit fliegenden Stiefeln, worüber die Kinder herzhaft lachten. Bald gab sich die Prinzessin zu erkennen, und sie wurde die Braut des Königssohns. Zur Hochzeit wurde auch der garstige Brautvater eingeladen; als man ihm Essen ohne Salz vorsetzte, erkannte er seinen schweren Fehler. Da seine Tochter ihm verzieh, konnte nun unbeschwert gefeiert werden.

Die kleinen und großen Gäste durften die Puppen zum Schluss noch ganz aus der Nähe betrachten. Bruder Wolfgang wies auf das „außerordentliche Figurentheaterfestival“ hin, das vom 19. bis 28. Mai mit Puppenspielern aus ganz Deutschland ein facettenreiches Programm bieten wird.