Projekt "Düria Kinderstadt" kommt sehr gut an

Spielestadt „Düria“ : Eine Stadt nur für die Kinder

Zum fünften Mal findet dieses Jahr das Projekt „Düria – Kinderstadt“ statt, welches es Kindern von acht bis 14 Jahren ermöglicht, den Alltag von Erwachsenen zu leben.

Ab 9.45 Uhr können die 60 angemeldeten Kinder ihren Einwohnerpass beim Einwohnermeldeamt abholen, um 10 Uhr wird zur Stadtversammlung gerufen, bei der die Bürger ihre Anliegen dem Bürgermeister Vortragen können, den sie zuvor selber gewählt haben. Danach, um circa 10.30 Uhr, geht jedes Kind zu seinem Arbeitsplatz – der Apotheke, in der Badesalz und Lippenbalsam hergestellt werden, in die Schreinerei, in die Sparkasse, wo das Spielgeld „Düri“ verwaltet wird, zur Filz- oder Bastelstation, in die Bäckerei, zum Arbeitsamt, der Polizei, dem Mülldienst oder zur projekteigenen Zeitung „Düria“. Für ihre Arbeit bekommen die Kinder Spielgeld, genannt „Düri“. Waren es Montag und Dienstag noch 10 „Düri“, sind es am Mittwoch schon 20 „Düri“ pro Stunde.

„Nach dieser Gehaltserhöhung werden auch die Produkte teurer“, erklärt Mitveranstalterin des Projekts, Sabine Wagner. Von ihrem Gehalt, das die Kinder bei der Sparkasse abholen können, kaufen sie sich neben den Produkten auch Dienstleistungen, wie ein Tatoo im Beautysalon, die Teilnahme an einem Kickerturnier oder andere Freizeitangebote, die in der Mittagspause von 12 bis 14 Uhr angeboten werden.

„Hier geht es um Arbeit, Lohn und Konsum“, sagt Wagner. „Die Kinder lernen, dass sie für ihren Verbrauch arbeiten müssen. Sie lernen aber auch, dass es ihnen nichts bringt, bis Freitag nur zu arbeiten und nur Geld zu sparen, weil sie das Spielgeld dann abgeben müssen. Es entsteht also ein Gespür für dieses Balanceverhältnis.“. „Von zehn „Düri“ kann man sich zwar schon genug kaufen, aber mehr verdienen ist natürlich auch nicht schlecht“, meint Paula, elf Jahre, Bürgerinn von „Düria“, die beim Informations-Punkt Führungen durch die Kinderstadt anbietet.

Auch die Verantwortlichen war die Zeit in der Spielestadt eine gute Erfahrung. Foto: Inga Bracker

Am dritten Tag gab es in der Spielstadt einen Diebstahl. Eine Angestellte der Bank griff wegen Geldknappheit in die Kasse, wurde aber erwischt und fristlos entlassen. „Es gab dann eine Sonderversammlung, bei der beschlossen wurde, dass wir eine Polizei brauchen“, sagt eine ehrenamtliche Helferin, die die Sparkasse betreut. „Auch solche Werte übermitteln wir hier klar, zum Glück noch im Spielerischen. Wir hoffen, es wird ihr eine Lehre für das echte Leben sein.“ Gesetze gibt es in auch Düria. „Schon vor dem Projekt haben wir uns die wichtigsten Regeln überlegt und den Kindern am ersten Tag vorgestellt. Alle anderen Regeln legen sie selber fest, aber alle Regeln gelten bis zum Ende des Projekts am Freitag“, betont Wagner. Das Projekt endete am Freitag mit einem Stadtfest für Kinder und Eltern. Die Eintrittskarten für das Fest mussten die Kinder für ihre Eltern kaufen.

Möglich ist dieses Projekt nur dank der 35 Ehrenamtler und der Sponsoren, betonen die Veranstalter. Organisiert wird „Düria“ von Sabine Wagner, die ebenfalls Leiterin des spielpädagogischen Dienstes ist, Marc Schmitz, Leiter des Kinder- und Jugendtreffs JuZeBo der Pfarre St. Lukas und Betti Lenz vom Jugendfreizeitheim AWO.

Die Resonanz ist durchweg positiv. „Viele Eltern sagen uns, dass ihre Kinder dank ‚Düria’ anfangen zu verstehen, warum ihre Eltern arbeiten müssen und Zusammenhänge zwischen Spielstadt und realem Leben knüpfen. Sie leben Demokratie im ganz Kleinen und lernen, für ihre Anliegen einzutreten, indem sie sich bei den Versammlungen an den Bürgermeister wenden. ‚Düria’ ist ein Abbild des echten Lebens, die Bürger sind ein Mix aus Kindern mit und ohne Migrationshintergrund und aus allen sozialen Schichten, alles was es im echten Leben gibt, gibt es auch hier.

Jedes Jahr fragen Kinder und Eltern nach, ob ‚Düria’ wieder stattfindet und freuen sich darauf“, äußert sich Wagner. Die Kinder seien zudem sehr neugierig auf die Berufswelt und fragen ihre Betreuer nach ihren echten Berufen, so die Rückmeldung von Ehrenamtlern und Eltern. „Deshalb ist ‚Düria’ nicht wie andere Ferienprojekte, in denen alle Kinder Ketten basteln und am Ende zehn Ketten zu Hause haben. Hier wird für den Verkauf produziert und die Produkte werden extra attraktiv für den Käufer gestaltet“, erläutert Wagner. Sie hegt die Hoffnung, dass die Kinder, die zu alt zur Teilnahme sind, später freiwillige Helfer werden und „Düria“ somit noch lange erhalten bleibt.

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