Region: Projekt der Lebenshilfe: „Normal sind wir doch alle nicht”

Region: Projekt der Lebenshilfe: „Normal sind wir doch alle nicht”

Widersprechen will keiner. Weil es ja stimmt, denn: „Normal? sind wir doch alle nicht!” Der flotte Spruch bekommt eine doppelte Bedeutung, wenn er als Titel auf einer Broschüre der Lebenshilfe in Heinsberg und Aachen prangt, die nicht nur am Aufrütteltag, am europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, in die Hand genommen werden sollte.

Aufrütteln und motivieren, genau, das soll das flott gemachte Heft, eine schön erzählte und fotografierte Sammlung mit neun unterhaltsamen, feinfühligen Kurzgeschichten von Menschen, die Wünsche und Träume haben.

Die Broschüre ist Ergebnis eines arbeits- und erlebnisreichen Wochenendes, an dem vier Journalisten, eine Fotografin und neun Erwachsene mit Behinderung, die in Einrichtungen der Lebenshilfe Heinsberg und Aachen wohnen und/oder arbeiten, miteinander ins Gespräch kamen.

„Es waren spannende Tage mit vielen Begegnungen. Ein Gedankenaustausch unter offenen Menschen - und irgendwie ganz normal”, sagt zum Beispiel Thorsten Karbach, Redakteur unserer Zeitung. Und Jürgen, der als Rentner in der Wohnstätte Birgden der Lebenshilfe Heinsberg lebt, bestärkt den Vorredner: „Wenn es dieses Angebot noch einmal gibt, bin ich sofort wieder dabei.”

Das Projekt, unterstützt von der Aktion Mensch, schafft es nach bewährtem Lebenshilfe-Motto, den anderen Blickwinkel einzunehmen, das Miteinander zu fördern, die Selbstverständlichkeit im Umgang von behinderten und nicht-behinderten Menschen zu betonen. Inklusion, so heißt der Fachbegriff, beginnt eben im Kopf.

Träume und Wünsche. Jeder hat sie, die Menschen mit und ohne Behinderung, da sind alle gleich: Jürgen sagt, dass er gesehen werden will, „ich möchte dabei sein, will etwas erleben”. Und Nina möchte, wenn sie denn in ihre neue Wohnung gezogen ist, Einrad fahren lernen. Adam träumt von einem kleinen Bistro und einem gemeinsamen Kochspektakel mit Alfons Schuhbeck, Helmut wünscht sich „ein kleines Häuschen in der Eifel, wo ich ungestört arbeiten kann”, Saskia wäre so gerne wie Ronja Räubertochter, und André würde so gerne mal mit dem Geländewagen die Wüste durchqueren. Und die Mehrwertsteuer will er senken.

„Wir alle haben unsere Lebenswirklichkeiten, unsere Lebensträume und -wünsche. Diese Wünsche und Träume sind bei jedem Menschen andere - und wiederum bei vielen ähnlich”, sagt Michael Kleinen, der für die Lebenshilfe in Heinsberg das Projekt betreut hat.

Auf dem Tisch liegt nun diese feine Broschüre, zu der Saskia Zimmer, Carsten Preis, Helmut Wichlatz und Thorsten Karbach die Texte beigesteuert haben, und der Heike Lachmann mit ihren Fotos und Martin Drescher mit seinem Layout ein unverwechselbares Profil gegeben haben.

Einfühlsam, informativ, angenehm locker sind die Porträts über Alexandra, Manfred, Nina, Pia, Jürgen, Bettina, Erika, André und Adam.

Erika sagt, sie rede gerne Klartext. Und Jürgen liebt nichts so sehr wie das Gespräch mit anderen Menschen.

An besagtem Wochenende wurde viel geredet, miteinander. Man sieht es dem lesenswerten Ergebnis an.

Die Broschüre „Normal? sind wir doch alle nicht!” steht ab heute auf der Homepage der Lebenshilfe unter http://www.lebenshilfe-heinsberg.de zum kostenlosen Download bereit.

Gedruckte Exemplare gibt es bei der Lebenshilfe in Heinsberg, Richard-Wagner-Straße 5, Telefon 02452 / 969100. Gesendet werden auch Radiospots.