Produktionsschule: Neben Schulabschluss Solarkocher bauen

Lowtec-Projekt für Schüler : Ein Solarkocher aus Düren für Menschen in Marokko

Wer die Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern nachhaltig und vor allem auch umweltschonend verbessern will, muss zu einfachen Lösungen greifen. Eine dieser einfachen Lösungen: ein Solarkocher, der flexibel eingesetzt werden kann und von Jugendlichen der Arbeitsförderungsgesellschaft Lowtec in Düren hergestellt wurde.

Die Fördermaßnahme bei Lowtec nennt sich „Produktionsschule“ und soll, wie Geschäftsführer Josef Macherey erklärt, „als niederschwellige Maßnahme Jugendliche im handwerklichen Bereich an Arbeit heranführen“. Gedacht ist die Maßnahme, um Langzeitarbeitslosigkeit vorzubeugen, deshalb setzt man parallel darauf, dass die Jugendlichen ihren Hauptschulabschluss nachholen oder ihr Abschlusszeugnis verbessern können. Eine Maßnahme, die mit EU-Geldern gefördert wird.

Und weil Macherey mit Lowtec schon immer auch im Bereich der regenerativen Energie unterwegs war, man sich in einem anderen Projekt als Zulieferer für Solardächer versteht, war es naheliegend, eine Idee von Professor Dr. Klemens Schwarzer vom Jülicher Solar Institut aufzugreifen. Schwarzer hat vor einiger Zeit in Marokko ein Projekt zur Meerwasserentsalzung betreut und dort auch von den von ihm entwickelten Solarkochern berichtet.

Das Ergebnis: Eine nicht-staatliche Hilfsorganisation hat zehn der Solarkocher bestellt. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit hat daraufhin ein Student des Solar-Instituts ein Konzept entwickelt, wie die Module möglichst günstig und effektiv produziert werden können. Mit dem Ergebnis sind sowohl Schwarzer, der das Solar Institut einst mitbegründet hat und schon vor fast drei Jahrzehnten die ersten Solarkocher für Entwicklungsländer entwickelt hat, als auch Macherey sehr zufrieden.

Das Prinzip der Kocher ist simpel: zwei zusammenklappbare Spiegel heizen eine Vakuumröhre auf, in der sich Öl oder Wasser befindet. Die Energie wird dann über Rohre zum Kochtopf oder Wok weitergeleitet. „Man kann mit diesem Solarkocher kochen, backen, frittieren oder grillen und vor allem Essen in kurzer Zeit zubereiten“, erklärt Schwarzer. Vor allem ist er klappbar und kann gerollt werden. Kochteil und Solarspiegel können zudem getrennt werden, so dass auch im Haus gekocht werden kann.

Wichtigster Vorteil aus Sicht von Klemens Schwarzer: „Er ist im Nachbau leicht anzufertigen.“ Das ist auch bei dem Projekt in Marokko das eigentliche Ziel. Schwarzer und Macherey setzen darauf, dass die Hilfsorganisation das Konzept übernimmt, um den Bedarf vor Ort abdecken zu können. Dazu wollen sie im Frühjahr nach Marokko reisen, um die Mitarbeiter der Organisation zu schulen.

Der Nachbau vor Ort ist eines der größten Probleme bei dem ehrenamtlichen Engagement von Klemens Schwarzer. Weil es sich nicht um eine Serienproduktion handelt, sind die Kocher mit reinen Materialkosten von 300 bis 400 Euro in Entwicklungsländern immer noch unerschwinglich teuer. Schwarzer: „Wir haben Projekte in Argentinien oder Bolivien realisiert, wo die Kocher monatlich mit fünf Euro abbezahlt werden können. In der Sahelzone kann sich das aber niemand leisten.“ Mit anderen Worten: Projekte können nur mit Geldgebern oder Spenden gesichert werden.

Dabei ist der Bedarf aus Sicht von Schwarzer riesig - nicht nur generell in Entwicklungsländern, wo Heizmaterial eine knappe oder teure Ressource ist, sondern speziell auch da, wo die Not besonders groß ist, beispielsweise in Flüchtlingslagern, wo es schon helfen könnte, einfach nur Wasser abzukochen.

Dass den Jugendlichen, die bei Lowtec die Kocher produziert haben, neben den handwerklichen Fähigkeiten auch der Gedanke des Umweltschutzes und der Hilfe zur Selbsthilfe vermittelt werden sollte, ist für Macherey dabei ein weiterer wichtiger Aspekt gewesen, zumal beim Förderprogramm „Produktionsschule“ auch hoch motivierte junge Flüchtlinge mitarbeiten.

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