Hotelzimmer in Düren: Private Hotels spüren die Konkurrenz des Dorint-Hotels

Hotelzimmer in Düren : Private Hotels spüren die Konkurrenz des Dorint-Hotels

Mit den 120 neuen Zimmern im „Dorint“-Hotel an der Bismarckstraße haben die kleineren, privat geführten Hotels in Düren einen mächtigen Konkurrenten bekommen. Einen, der eingebettet ist, in eine große Kette mit entsprechendem Werbebudget. Und einen, der sich – so einige Privathoteliers – aufgrund „starker politischer Einflussnahme“ in Düren angesiedelt habe.

„Es läuft schlecht. Wir haben einen Rückgang um 25 Prozent. Selbst während der Süßwaren- und der Möbelmesse in Köln war das Haus nicht voll. Das ist es sonst immer gewesen“, sagt Birgit Schnitzler. Sie ist die Inhaberin von „Dürens Posthotel. Seit der Eröffnung des Hotels an der Bismarckstraße seien die Gästezahlen dramatisch zurückgegangen. Und: „Es ist keine Besserung in Sicht. Ich weiß nicht, wo die Leute herkommen sollen.“

„Das sind zu viele Zimmer für Düren“, sagen Birgit Schnitzler und ihre Kollegen Jan Mayer („Mariaweiler Hof“) und Diane Richarz („Jägerhof“). Der Bedarf sei mehr als gedeckt. Etwa 60 weitere Zimmer wären aus Sicht der Hoteliers für Düren in Ordnung und für die privaten Häuser erheblich besser verkraftbar gewesen. Aber nicht nur in Düren beobachten die Hoteliers einen Boom im Hotelbau. „Es gibt einen Verdrängungswettbewerb zugunsten der Ketten und zu Lasten der Privaten“, sagen Schnitzler und Richarz.

Auch den Bau eines Tagungszentrums des Kreises in Verbindung mit dem „Dorint“-Hotel als Betreiber sehen einige Hoteliers aus Düren und Jülich kritisch. Unter anderem deswegen haben sie sich mit einem Brief an den Landrat und den Dürener Bürgermeister gewandt. Dass das Tagungszentrum, über das nun auch Gäste für das Hotel akquiriert werden, vom Kreis finanziert wurde, bezeichnen die Hoteliers in ihrem Schreiben als „eindeutigen Marktvorteil“ zulasten der anderen Anbieter in der Stadt. Dies vor allem, weil das „Dorint“ keine Pacht bezahlen muss, sondern zehn Prozent des Umsatzes an eine Kreistochter abführt (siehe Info).

Auch der „Jägerhof“... Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Mit dem von Politik und Kreisverwaltung unterstützten Bau an der Bismarckstraße sei es zu einem Preiskampf gekommen: „Die Hotelpreise in Düren sind seit Dezember um durchschnittlich 20 Prozent eingebrochen“, erklärt Jan Mayer. „Was wir am freien Markt verlieren, müssen wir irgendwie kompensieren.“ Der Geschäftsführer hat im „Mariaweiler Hof“ Mitarbeiterverträge angepasst, um zehn Prozent einzusparen.

Dass sich auf dem Areal der alten Stadthalle etwas bewegt hat, begrüßen auch die Hoteliers. „Es ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit“, sagt Diane Richarz vom „Jägerhof“. Jan Mayer hätte an der Bismarckstraße lieber eine Kombination aus Langzeitwohnungen für Gäste von Forschungszentrum und RWTH sowie einem kleinen Hotel gesehen. „Für ein Vier-Sterne-Hotel dieser Größe gibt es in Düren gar keinen Markt“, sind er und einige seiner Hotelier-Mitstreiter überzeugt.

Neue Märkte erschließen

Wie dem auch sei: Hotel und Tagungszentrum stehen und der Wettbewerb um die Gäste und Veranstaltungen läuft. Die Hoteliers mahnen in ihrem Schreiben an, dass sie erwarten, dass sich die Politik nun auch etwas einfallen lässt, um die privaten Hoteliers zu unterstützen. Sie wollen wissen, welche Anstrengungen Stadt und Kreis unternehmen, um neue Märkte zu erschließen, damit sich die Geschäfte wieder positiv entwickeln.

Gleichzeitig stellen sich die privaten Hotels individuell den Herausforderungen: „Wir müssen mit der Situation leben, unseren Weg weitergehen und neue Ideen entwickeln“, sagt Diane Richarz vom „Jägerhof“ in Rölsdorf. Seit 50 Jahren ist ihr Haus im Familienbesitz. Mittlerweile arbeitet dort die dritte Generation. Die Betreiberfamilie merkt, dass es seit der Eröffnung des „Dorint“-Hotels ruhiger geworden ist. Als besorgniserregend empfindet die Senior-Chefin die Lage für ihr 31-Zimmer-Haus aber noch nicht. In Rölsdorf setze man auf treue Stammkundschaft aus Industrie und Sport sowie auf die „bewährte, familiäre Atmosphäre und das individuelle Einstellen auf die Bedürfnisse der Gäste“ – und auf das gut laufende Restaurant, als zweites wichtiges Standbein.

und auch das „Rote Einhorn“ haben einen großen Konkurrenten bekommen. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Richarz geht davon aus, dass gerade in den Anfangsmonaten viele Menschen das neue Hotel ausprobieren, setzt aber auch darauf, dass Kunden wieder zurück in die alten Häuser kommen. Mit neuen Ideen wie Jazz-Abenden in der Bar wolle man zudem neue Gäste erreichen.

Birgit Boddenberg hat vor zwei Jahren drei Millionen Euro in ein neues Vier-Sterne-Hotel mit 33 Zimmern in Birgel investiert. Die Eröffnung des „Dorint“-Hotels fällt somit auch in die Aufbauphase ihres neuen Hauses. „Der Kuchen wird nun anders verteilt“, sagt sie. Dramatische Einbrüche gebe es bei ihr aber nicht, die Preise wurden minimal gesenkt. Ihren Optimismus lässt Boddenberg sich aber nicht nehmen. Sie sieht ihr Haus als ganz eigenes Produkt, zumal es sich aufgrund der ländlicheren Lage, des Zimmerkonzeptes und des Wellness-Bereiches von dem anderen Vier-Sterne-Haus unterscheide. „Ich setzte darauf, dass sich gute Leistung rumspricht und Gäste, die sich wohlfühlen, wiederkommen und uns empfehlen.“

Aber auch nach der Großinvestition ist in Birgel kein Stillstand angesagt. Boddenberg plant für den alten Standort (drei Sterne), den sie seit 30 Jahren an der Monschauer Straße führt, einen Saal für private Feste. Das Restaurant sei mit 50 Prozent des Umsatzes ohnehin ein wichtiges Standbein. Außerdem arbeitet sie an einem Konzept, mit dem niederländische Touristen in das Haus zwischen Eifel und Düren gelockt werden sollen. Leihfahrräder gibt es dort längst.