Düren: Präsidentin der Kölner Stunksitzung: „Frauen kommen noch zu wenig vor“

Düren : Präsidentin der Kölner Stunksitzung: „Frauen kommen noch zu wenig vor“

Vor Führungspositionen hat Biggi Wanninger keine Angst. Seit fast 20 Jahren ist die 62-Jährige Präsidentin der Kölner Stunksitzung und findet es super, dass die zweiten größten deutschen Parteien mittlerweile von Frauen geführt werden.

Im Gespräch mit Sandra Kinkel erzählt die Kabarettistin, wie sie Stunk-Präsidentin geworden ist, warum es immer noch schwierig ist Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen und was die Dürener bei „Stunk unplugged“ erwartet.

Sie sind seit 1999 Präsidentin der Kölner Stunksitzung. Seit dem Wochenende und der Wahl von Andrea Nahles zur SPD-Parteivorsitzenden werden beide deutschen Volksparteien von Frauen geführt. Glauben Sie, dass das Auswirkungen auf die Politik hat?

Biggi Wanninger: Nein. Ich finde es grundsätzlich super, dass jetzt zwei Frauen an den Parteispitzen von SPD und CDU sind, weil Frauen grundsätzlich immer noch zu wenig vorkommen. Aber wie jemand Politik macht, hängt nicht vom Geschlecht ab, sondern von der Persönlichkeit und den Einstellungen, die er oder sie hat.

Vielleicht hat das Geschlecht aber Einfluss auf den Politikstil?

Wanninger: Sicherlich gibt es Attribute, die eher Frauen zugesprochen werden. Weil aber die Strukturen auf vielen Führungsebenen eher männlich sind, denke ich, dass es Frauen oft schwer haben, ihren Führungsstil durchzusetzen. Ich glaube aber, dass auch Männer in der Lage wären, einen weiblichen Führungsstil zu praktizieren — ob sie das wollen, ist ein andere Frage.

Gibt es überhaupt genügend Frauen in Führungspositionen?

Wanninger: Auf keinen Fall, da muss man doch nur einmal in Richtung Wirtschaft gucken. Ich glaube, dass das daran liegt, dass Frauen irgendwann aufgeben, weil eben die Strukturen sehr von Männern dominiert werden — und natürlich auch, weil es immer noch schwierig ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, zum Beispiel, weil es häufig keine Betriebskindergärten gibt. Und weil für Führungskräfte auch eher. keine flexiblen Arbeitszeiten vorgesehen sind.

Wie sind Sie Präsidentin der Stunksitzung geworden?

Wanninger: Reiner Rübhausen hat nach drei Jahren das Amt des Präsidenten abgegeben, und ich habe mich irgendwie selbst ins Spiel gebracht. Ich hatte Lust auf eine neue Aufgabe und auf neue Herausforderungen. Also habe ich eine Moderation geschrieben und die den Kollegen präsentiert.

Klingt nach einem reibungslosen Prozess?

Wanninger: Ja, das war es auch. Und es hat auch nie Diskussionen darüber gegeben, ob diese Position von einer Frau besetzt werden kann. Wir haben das gemeinsam entschieden, und es funktioniert.

Und das schon fast 20 Jahre. Wie muss die Chefin der Stunksitzung sein — außer lustig?

Wanninger: Ich bin überhaupt nicht die Chefin. Wir sind eine Gruppe ohne Chef, in der die verschiedenen Aufgaben verteilt sind. Ich moderiere den Abend und spiele auch selbst in verschiedenen Nummern mit. Außerdem versuche ich, 1100 Zuschauer im Griff zu haben (lacht). Das macht großen Spaß.

Im Schnitt gibt es in Köln rund 50 Stunksitzungen in der Session. Reicht das nicht oder warum sind Sie im Frühjahr in ganz Nordrhein-Westfalen mit „Stunk unplugged“ unterwegs?

Wanninger: „Stunk unplugged“ unterscheidet sich schon deutlich von der Stunksitzung im E-Werk. Wir sind nur zwölf Leute auf der Bühne — einschließlich einer kleinen Band — und spielen Szenen, die mit einem viel kleineren Bühnenbild auskommen. Das macht uns sehr viel Spaß, und auch den Zuschauern. Es ist für viele Menschen, die nicht in Köln wohnen, nicht so einfach an Kartenfür die Stunksitzung zu kommen. Deswegen machen wir unter anderem diese Tour.

Was erwartet die Leute bei „Stunk unplugged“?

Wanninger: Nummern aus verschiedenen „Stunk“-Jahren, die immer noch eine gewisse Aktualität haben und an denen wir Freude haben.

Und was erwarten Sie von Düren, kennen Sie unsere Stadt?

Wanninger: Ja, ich kenne Düren, weil ich schon häufiger im „Komm“-Zentrum aufgetreten bin. Aber das ist eigentlich auch schon alles.

Haben Sie denn schon einmal etwas von Dürens alternativen Karnevalisten, den „Skunks“ gehört?

Wanninger: Nein, und das ist sehr schade. Es gibt auch in Köln noch andere Gruppen, die alternativen Karneval machen. Ich komme leider nie dazu, mir die anzuschauen, weil ich selbst auf der Bühne stehe, wenn die ihre Vorstellungen haben. Das bedauere ich wirklich.

Warum sollten die Dürener „Stunk unplugged“ auf keinen Fall verpassen?

Wanninger: Weil es Spaß macht.

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