Powervolleys starten am Donnerstag in die neue Saison

Vor dem Powervolleys-Saisonstart : Wie lassen sich Leistungssport und Beruf vereinbaren?

Wenn die SWD Powervolleys am Donnerstagabend ihr erstes Spiel der neuen Bundesligasaison beim Deutschen Volleyballmeister Berlin Recycling Volleys bestreiten (Anpfiff um 19.10 Uhr, Liveübertragung bei Sport 1), ist das, was in der Max-Schmeling-Halle passiert – natürlich – Leistungssport auf hohem Niveau.

Alle, die dort auf dem Spielfeld stehen, trainieren zweimal am Tag. Sie sind von Beruf Sportler. Gleichwohl brauchen sie aber auch einen zweiten Job für die Zeit nach dem Profisport. „Als Volleyballer weiß man von Anfang an“, sagt Powervolleys-Kapitän Michael Andrei (33), „dass man neben dem Sport auch eine Ausbildung oder ein Studium machen muss. Man verdient einfach nicht genug, um ein Leben lang vom Sport leben zu können.“

Andrei, dem immer klar war, dass er auch nach dem Leistungssport im Bereich Gesundheit, Ernährung und Fitness arbeiten will, hat sich zum Fitnesstrainer, Ernährungscoach und Personaltrainer ausbilden lassen. „Ausbildung und Profikarriere unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach“, sagt der Mittelblocker. „Und ich weiß auch von Kollegen, die es beim Start in den Beruf schwer haben, weil ihre Ausbildung schon zehn Jahre zurückliegt, sie also keinerlei Berufserfahrung haben.“

Viele mögliche Arbeitgeber, ergänzt Andrei, würden völlig außer Acht lassen, dass ehemalige Leistungssportler jede Menge sogenannter „Soft Skills“, also persönliche Kompetenzen, mitbringen würden, die andere sich erst mühsam erarbeiten müssten. Andrei nennt ein Beispiel: „Wir sind es gewohnt, Probleme in der Gruppe lösen zu müssen. Und wir haben den hohen persönlich Anspruch, jeden Tag besser werden zu wollen.“

Einer, der seine Profikarriere nach der vergangenen Saison ganz bewusst beendet hat, um sein Lehramts-Studium der Fächer Deutsch und Sport zu beenden, ist Jaromir Zachrich (33), langjähriger Kapitän der Powervolleys und mehr als zehn Jahr Volleyballprofi. „Ich fand es nie ungerecht, von meinem Sport nicht leben zu können. Auch, weil ich es ja nicht hätte ändern können.“

Natürlich sei es schwer gewesen, Sport und Uni zu vereinbaren. „Mir ist es vor allem deswegen schwer gefallen, weil ich beides perfekt machen wollte. Und das hat eben nicht immer funktioniert.“ Gleichwohl habe es ihm immer gefallen, in zwei Welten, eben Studium und Sport, unterwegs gewesen zu sein. „Natürlich ist Leistungssport eine tolle, eigene Welt. Aber es ist eben auch eine Blase. Da tut es gut, ab und an herauszukommen.“ Diskussionen, dass Sportler so wie er mit Mitte 30 Berufsanfänger sind, nennt der Vater eines kleinen Sohnes „eine sehr deutsche Thematik“.

„Natürlich bin ich als Lehrer Berufsanfänger, aber ich hatte vorher einen Beruf, nämlich den des Leistungssportlers. Und da habe ich Dinge gelernt, die mir keine Uni beigebracht hat.“ Zachrich spricht von der Fähigkeit, mit Druck umgehen und sich vor Leuten präsentieren zu können sowie von Menschenführung. „Das kann auch für Wirtschaftsunternehmen sehr interessant sein. Ich glaube, da muss bei Chefs auch ein Umdenken stattfinden.“

Ähnlich sieht das auch Kanu-Sportler Udo Raumann, Olympiateilnehmer von 1992 und WM-Dritter von 1995. „Es gibt nur sehr, sehr wenige Sportler, die ein Leben lang von ihrem Sport leben können. Fußballer, vielleicht Golfer und ein kleiner Teil des Motorsportes. Das war immer so, darüber habe ich mir aber nie Gedanken gemacht.“

Auch deswegen nicht, ergänzt der Ingenieur, der heute Leiter dreier Werke ist, weil der Sport ihm jede Menge Spaß gemacht hätte. „Wir haben damals 20 Stunden pro Woche trainiert. Ich hatte nicht selten die erste Trainingseinheit des Tages vor der ersten Vorlesung.“

Im Olympiajahr, sagt Raumann, habe er sich ein Urlaubssemester genommen. „Ansonsten habe ich das Studium durchgezogen.“ Für Raumann sind es Eigenschaften wie Disziplin, die Fähigkeit, klare Ziele zu formulieren, Eigenmotivation und Teamfähigkeit, die Leistungssportler auch im Berufsleben auszeichnen. „Ich habe bisher nur in Unternehmen gearbeitet“, sagt der 49-Jährige, „die erkannt haben, dass ehemalige Profisportler wertvolle Eigenschaften mitbringen.“