Benefizkonzert: Popchor singt für den guten Zweck

Benefizkonzert : Popchor singt für den guten Zweck

Der Dürener Singste?!-Popchor veranstaltet am 16. Februar ein Benefizkonzert für den Verein „Frauen helfen Frauen“. Der Verein betreibt das Dürener Frauenhaus, in dem acht Frauen und sieben Kinder aufgenommen werden können, wenn sie von häuslicher Gewalt betroffen sind.

Das Land NRW, der Kreis sowie die Stadt Düren beteiligen sich an der Finanzierung. Trotzdem entsteht jährlich eine Deckungslücke von 23.000 Euro, alleine bei den Personalkosten. Hier ist der Verein auf Spenden angewiesen. Unsere Mitarbeiterin Anke Holgersson sprach mit Elke Mertens, Vorstandsmitglied des Vereins „Frauen helfen Frauen“ und Stimmtrainerin sowie Singste?!-Chorleiterin Ina Hagenau über die Arbeit des Frauenhauses und die Bedeutung der weiblichen Stimme.

Wie ist die Idee entstanden, das Frauenhaus zu unterstützen?

Ina Hagenau: Wir merken bei unserer Arbeit im Stimmtraining ganz oft, dass es für Frauen immer noch schwierig ist, laut und autoritär zu sein. Mädchen wird häufig beigebracht, ihre Ressourcen aufs Hübsch- und Liebsein zu verwenden und nicht darauf, sich durchzusetzen. Deshalb haben sie häuslicher Gewalt oft nichts entgegenzusetzen. Da lag der Wunsch nahe, Frauen, die akut betroffen sind, zu helfen.
Elke Mertens: Frauen, die Gewalt erfahren haben, sind oft unterdrückt worden, sind traumatisiert, haben ihre Stimme und oft auch ihr Selbstbewusstsein verloren. Vielfach wurde ihnen der Kontakt zur Gesellschaft verboten.

Wie wird den Frauen geholfen, die sich über die Hotline bei Ihnen melden?

Elke Mertens: Sie erhalten bei uns einen sicheren Platz, können zur Ruhe kommen und werden erst einmal stabilisiert. Unsere Sozialpädagoginnen betreuen die Frauen bei den ersten Schritten zur Selbständigkeit, bei der Traumabewältigung und beim Auszug, eventuell in eine neue Wohnung. Diese Arbeit ist wichtig, weil viele Frauen kein eigenes Netzwerk haben, das aus Personen besteht, die sie um Hilfe bitten können. Manche gehen trotzdem zum Aggressor zurück oder brauchen zwei bis drei Anläufe, um sich los zu eisen.

Ganz allgemein betrachtet: Hat sich die Situation für Frauen in der Gesellschaft in den vergangenen 30 Jahren verbessert?

Elke Mertens: Seit den ersten Frauenbewegungen in Deutschland haben wir sicher viel erreicht. Wir sind aber noch lange nicht am Ziel. Im Gegenteil: Vielfach sehe ich heute wieder junge Frauen, die einen Schritt zurück machen und sich in die Rolle des Heimchens am Herd drängen lassen.
Ina Hagenau: Das kann ja auch eine befriedigende eigene Entscheidung sein. Aber in den Fällen, wo es einer Frau an Selbstbewusstsein fehlt, rauszugehen und sich beruflich zu entfalten, ist das schade. Und da sind wir wiederum bei der eigenen Stimme. Frauen sind nicht hysterisch, wenn sie sich deutlich für sich einsetzen. Sie müssen auch nicht hochfrequent sprechen, wenn sie sich für etwas einsetzen. Meistens ist der Grund die innere Einstellung. Und die lässt sich ändern.