Hambacher Forst: Polizei holt Aktivisten aus besetzten Häusern

Hambacher Forst: Polizei holt Aktivisten aus besetzten Häusern

Die Konflikte zwischen Braunkohlegegnern und der Polizei am Hambacher Forst reißen nicht ab. Zum wiederholten Mal waren am Donnerstag Hundertschaften im Einsatz, um in Kerpen-Manheim Aktivisten aus besetzten leerstehenden Häusern zu holen.

Die Beamten hätten die Besetzer am Donnerstag zunächst per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, die beiden Gebäude in dem Kerpener Ortsteil in Nordrhein-Westfalen freiwillig zu verlassen, sagte ein Polizeisprecher. Dem kamen die Besetzer aber nicht nach.

In einer besetzten Doppelhaushälfte in der Forsthausstraße waren zwei Aktivisten kurzzeitig auf das Dach geklettert. Mit Hilfe eines Hubwagens holten Polizeibeamte einen Mann auf den Boden, eine Frau kletterte freiwillig ins Gebäude zurück.

Im Inneren stießen die Beamten auf drei Frauen und zwei Männer, die freiwillig das Gebäude verließen. Da bei zweien von ihnen die Identität nicht festgestellt werden konnte, nahm die Polizei sie vorübergehend in Gewahrsam. Alle sechs dürfen den Bereich nicht mehr betreten, Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs wurden eingeleitet.

Gegen Mittag war der Polizeieinsatz beendet. Mehrere Hundertschaften seien vor Ort gewesen.

Das Dorf Manheim soll dem Tagebau weichen. Die besetzten Gebäude gehören dem Energiekonzern RWE, der Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs bei der Aachener Polizei gestellt hatte.

Im Hambacher Forst, wo in den vergangenen Wochen etliche neue Baumhäuser entstanden sind, sei am Donnerstag laut einer Polizeisprecherin kein Einsatz geplant.

Immer wieder leere Häuser besetzt

Seit Ende der Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst Anfang Oktober konzentriert sich die Besetzerszene offenbar auf leerstehende Häuser in Manheim. Bereits am 25. Oktober hatte die Polizei 13 Menschen aus der anarchistischen Szene im Hambacher Forst aus besetzten Häusern geholt.

Zwischenzeitlich gab es neue Besetzungen sowohl in Manheim als auch in Merzenich-Morschenich, einem weiteren Geisterdorf am Rande des Hambacher Forsts, dessen Einwohner bereits weitgehend umgesiedelt wurden. Diese zwischenzeitlichen Besetzungen relativ bald wieder beendet wurden, doch in Manheim wurden danach erneut Häuser besetzt.

Am 25. Oktober hatten sich acht Hausbesetzer auf das Dach eines Hauses geflüchtet. Die Räumung dieses Haus war von einem Gericht gestoppt worden, woraufhin die Polizei den Einsatz abbrach. Da das Aachener Verwaltungsgericht später aber keine Einwände gegen die Räumung erhob, wurde nun auch dieses Haus am Donnerstag geräumt.

„Regierung duldet keine rechtsfreien Räume“

Binnen eines Monats seien in Manheim mehr als 20 Strafanzeigen gestellt worden - zumeist wegen Hausfriedensbruchs, aber auch wegen Diebstahls oder Bedrohung. Das geht aus einem Bericht für den Innenausschuss des Landtags hervor. 13 Tatverdächtige seien auf frischer Tat ertappt worden. Die Polizei habe ihre Präsenz in Manheim intensiviert.

„Die Landesregierung duldet keine rechtsfreien Räume, auch nicht im Hambacher Forst“, heißt es in einem Bericht von Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) für den Innenausschuss. Die Regierung werde auch „dafür Sorge tragen, dass keine Verfestigung unrechtmäßiger Zustände auf den Waldflächen eintritt“.

Die Polizei hatte bis Anfang Oktober mehr als 80 Baumhäuser im Hambacher Forst geräumt und entfernt. Schon kurz darauf begannen Aktivisten mit der Errichtung neuer Baumhäuser. Mitte Oktober seien dort zwei seit Jahren polizeibekannte Angehörige der Waldbesetzerszene aufgespürt worden, hieß es weiter.

(gego/dpa)
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