Polizei Düren warnt vor den Tricks der Taschendiebe

Augen auf und Taschen zu : Achtsamkeit vor Trickdieben spart viel Geld

Dietmar Schorn und Markus Gerhold haben sich am Mittwochmittag auf dem Dürener Markt an einigen Damenhandtaschen zu schaffen gemacht. Weil die beiden aber keine Taschendiebe, sondern Polizisten sind, haben sie nichts herausgenommen, sondern etwas hineingesteckt.

Und so wunderten sich später im Geschäft oder Zuhause einige Damen – das sprichwörtliche blaue Wunder aber blieb ihnen erspart.

Es hätte aber genauso gut anders kommen können. Denn wenn Dietmar Schorn und Markus Gerhold Taschendiebe wären, müssten sich die Damen jetzt nicht nur ärgern, weil ihr Geld und ihre Kreditkarten und vielleicht sogar das Smartphone weg sind. Sie müssten sich jetzt auch um die Wiederbeschaffung von Personalausweis, Führerschein, Krankenversicherungskarte und vielleicht noch dem Smartphone kümmern.

Das kostet Zeit und Geld: Personalausweis 28,80 Euro, Führerschein 40 Euro, Kreditkarte 25 Euro. Von persönlichen Dingen wie Fotos ganz zu schweigen.

34 Fälle von Taschendiebstahl hat die Dürener Polizei im Kreis allein im September verzeichnet, aufgeklärt wurden nur wenige (5,88 Prozent). Im Jahr 2017 gab es 300 gemeldete Taschendiebstähle im Kreis Düren, das stellt im Vergleich zu 2016 einen Rückgang um 41 Prozent dar.

Gestohlene Handtaschen im Laden deponiert

Markus Gerold und Dietmar Schorn informierten gestern Passenten über die Tricks der Taschendiebe. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Immer wieder werden Geldbeutel aus Jacken- und Hosentaschen gestohlen, es werden Handtaschen aus Einkaufswagen geklaut und Portemonnaies aus Handtaschen oder aufgehängten Jacken. „Man kann sich gut vor Taschendiebstählen schützen“, ist Kriminalhauptkommissar Dietmar Schorn, überzeugt. Gleichwohl weiß er, wie schwer das ist, die Tipps immer in die Tat umzusetzen. „In der Straßenbahn in Lissabon war auch meine Bauchtasche auf und das Portemonnaie stand schon hervor“, gibt Schorn unumwunden zu, dass auch ein Profi im Gedränge auf Trickdiebe hereinfallen kann. Schorn hat es noch rechtzeitig bemerkt, und er hat im Nachhinein kombiniert, dass vermutlich mindestens drei Männer die Trickdiebe waren und in Etappen vorgegangen sind.

Generell seien Brustbeutel und Bauchtaschen, vor allem solche, die unter der Kleidung getragen werden können, sinnvoll. Die meisten würden diese aber allenfalls im Urlaub nutzen. Mit der Kampagne „Augen auf und Tasche zu“ möchten er und seine Kollegen in diesen Tagen auf den Taschendiebstahl aufmerksam machen, erklären die Tricks der Banden und zeigen, wie ein jeder sich schützen kann.

Am Mittwoch haben die beiden Polizisten mit Mitarbeitern der Dürener Kreisbahn aufgezeigt, welche Tricks Taschendiebe in Bussen und Bahnen – oder an allen anderen Orten mit Gedränge – anwenden. „Beim Einsteigen in den Bus bleibt eine Person vor Ihnen plötzlich stehen, eine Person hinter ihnen, läuft quasi auf sie auf – und in dem Moment greift sie in Ihre Jacken oder Hosentasche“, nennt Schorn ein Beispiel. Wer in Bus oder Bahn einschläft, laufe sogar der Gefahr, dass seine Hosentasche aufgeschnitten und der Geldbeutel dann gestohlen wird.

Geld wandert schnell weiter

Trickdiebe seien sehr geschickt, veranstalten gezielt Ablenkmanöver oder erzeugen künstliches Gedränge und nutzen Hilfsbereitschaft aus, um dann zuzugreifen. Außerdem würden sie oftmals in Teams agieren und so sei das gestohlene Geld sehr schnell nicht mehr beim eigentlichen Dieb zu finden, die Geldbörsen und Taschen wandern flugs in die nächste Mülltonne oder das Gebüsch. Und genau deswegen ist die Aufklärungsquote bei Taschendiebstählen auch so gering: Bis das Opfer bemerkt, dass es ein überhaupt ein Opfer ist, lässt sich gar nicht mehr nachvollziehen, wo die Diebe zugegriffen haben. Im Einkaufswagen abgestellte Handtaschen würden Diebe einfach herausnehmen und irgendwo im Laden verstecken. Der zweite Zugriff erfolgt dann, wenn schon längst wieder Ruhe eingekehrt ist.

Auf www.polizei.nrw.de gibt es auch Videos, in denen die Tricks der Taschendiebe dargestellt werden, etwa auch das Antanzen auf Partys. Am Freitag informiert die Polizei von 10 bis 13 Uhr auf dem Jülicher Markt, am Dienstag am Rande des Dürener Wochenmarktes.

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