Düren: Platter Witz und durchdachter Humor: Atze Schröder füllt die Arena

Düren: Platter Witz und durchdachter Humor: Atze Schröder füllt die Arena

Ohrenbetäubender Lärm begleitet die Hubschrauberattacke. Rotoren durchschneiden die rauchgeschwängerte und von Blitzen zerrissene Luft. Auf einem Nachtsichtgerät erscheint die Arena Kreis Düren im roten Fadenkreuz als Angriffsziel. Per Funk werden die letzten Anweisungen erteilt.

Dann Probleme, die Besatzung gerät in Panik, der Helikopter schmiert ab - und landet nebst Trümmerteilen und brennenden Ölfässern als Kulisse auf der Bühne der ausverkauften Arena Arena Kreis Düren.

Unter frenetischem Jubel betritt „Il Comandante” Atze Schröder das Trümmerfeld und postiert sich in seiner Ruhrpott-Uniform samt Cowboystiefeln, Sonnenbrille, Lockenperücke, engem T-Shirt und ausgewaschener Jeans vor dem Hubschrauberwrack. Im Gepäck hat der Comedian sein neues Bühnenprogramm „Revolution”, mit dem er derzeit durchs Land tourt und die Hallen füllt.

„Wir sind ein tolles Land, aber die Revolution steht kurz bevor”, skandiert Schröder. Wo sind sie eigentlich geblieben, die wahren Kerle, die dieses Land einst geprägt haben? Echte Männer wie Franz Josef Strauß, Herbert Wehner und Wolfgang „Wolle” Petry? Heute hingegen „wird Deutschland von zwei Frauen regiert” und Spitzenpolitiker wie „unser deutscher Obama, unser Erlöser, unser Rockstar zu Guttenberg haben mehr Vornamen als es deutsche Bundesländer gibt.

Wo kann das schon hinführen, und wie kommt es wohl in arabischen Ländern an, einen schwulen Außenminister zu empfangen, fragt sich Atze. „Frauen sind mittlerweile die besseren Kerle. Wir Männer sind schon so domestiziert, da fehlt nur noch die Hundemarke.” Das bewiesen Beispiele wie der Fußballprofi, der drei Spiele wegen einer Nagelbettentzündung nach der Pediküre absagt. Im Bundestag sei „der einzige Kerl mir Eiern - um es mit Oliver Kahn zu sagen - ohnehin die Kanzlerin”, ist sich Atze sicher.

Damit war es dann aber auch schon vorbei mit der politischen Gesellschaftskritik, die der Name des Programms und auch das Bühnenbild vielleicht hatten vermuten lassen. Stattdessen begab sich der Comedian aus dem Pott wieder auf gewohntes Boulevard-Terrain. Ottfried Fischers Rotlichtskandal, Lothar Matthäus neueste Scheidung und was sonst noch wichtig war in den vergangenen Promi-Monaten.

Egal, ob Auswanderer-Sendungen im Fernsehen („Die wichtigste Voraussetzung, um gut in einem fremden Land anzukommen, ist kein Geld zu haben und die Landessprache nicht zu können”), Waldorf-Kindergärten („Öko-Guantanamo”) oder bildungsbedürftige Jugendliche mit Migrationshintergrund („Nenn mir ein Fremdwort mit sechs Buchstaben - Schule”): Schröder hat für alles einen passenden Spruch parat - und dabei kennt er keine Gürtellinien.

Ungeniert gibt er Sprüche wie „Ich wollte eine Frau, die kocht wie Mutti und habe eine bekommen, die säuft wie Papa” zum besten, um anschließend mit feinsinniger Wortakrobatik zu beeindrucken. In dieser Mischung aus platter Sprücheklopferei und wohl durchdachter, gut platzierter Wortspielkunst gepaart mit einem guten Schuss Selbstironie liegt die Stärke des Comedians, der laut fiktivem Lebenslauf 1965 als Thomas Schröder im Essener Stadtteil Kray geboren wurde. Seinen wahren Namen gibt der Künstler öffentlich nicht preis.

Als Atze Schröder überzeugte er sein Dürener Publikum von der ersten bis zur letzten Minute - auch wenn das Programm einen revolutionären roten Faden vermissen ließ und vielmehr aus einer wild zusammen gewürfelten Ansammlung skurril-witziger Anekdoten bestand.