Kreuzau/Vettweiß: Platt ist nicht nur was für Ältere: Mundart-AG an der Windener Grundschule

Kreuzau/Vettweiß : Platt ist nicht nur was für Ältere: Mundart-AG an der Windener Grundschule

Wer meint, „Dürener Platt“ sei nur etwas für die älteren Semester, der ist wahrscheinlich noch nie zu Besuch in der Windener Grundschule gewesen. Dort gibt es nämlich eine sehr lebendige Mundart-AG.

Jan, Nele, Max, Hannah, Pia, Jasmin, Nele-Marie, Allessandro, Lorena, Lilou, Finn, Luna, Linus und Paul begrüßen ihre Lehrerin mit den Worten: „Joode Morje, Schwatz-Trienche.“ Damit wird an ein Dürener Original erinnert. Im wahren Leben heißt die Lehrerin Resi Heinen. Sie bringt den Kindern alles rund um die Mundart bei. Dazu gehören neben interessanten Begriffen wie „Plüschpromme” (Pfirsiche) auch Lieder, Geschichten aus der Heimat und „Kölnisch Wasser”.

Das legendäre „4711” hat beim vergangenen Mal die Runde gemacht und den Schnuppertest einstimmig nicht bestanden. Warum sie sich für Platt interessieren? Neles 92-jährige Uroma spricht nur Dialekt. „Ich will mich mit ihr unterhalten können, ohne dass meine Oma immer übersetzen muss”, erklärt die Schülerin. Ähnlich geht es Alessandro: „Mein Opa spricht nur Platt, da verstehe ich kein Wort.” Und Luna will einfach noch eine andere Sprache lernen. Lorena ist bereits im zweiten Jahr in der Mundart-AG. Sie versteht schon einiges und natürlich auch das Lieblingswort von Max. „Mömmes” lautet dieses und ist, so Max, mit „Popel” zu übersetzen.

In Resi Heinens AG wird auch gesungen und getanzt. Zurzeit wird die kölsche Variante von „Bella Ciao” einstudiert. Eine Hommage an das Windener Dreigestirn. „Das sind nämlich in diesem Jahr drei Frauen”, sagt Hannah.

Und während die Kids in Winden Platt auch tanzen, widmet sich Hubert Brandenburg enenso dem hiesigen Dialekt. Der 88-Jährige lebt mit seiner Frau in Vettweiß. Mittels Zeichnung erklärt er den „Dürpel”, eine Türschwelle, die noch in vielen Fachwerkhäusern vorhanden ist. Rund ums Haus gibt es noch „de Kall” (die Dachrinne), „de Pötz” (den Brunnen) und „de Schörreskaar” (eine alte Schubkarre). Als seine Kinder noch klein waren, wurde zu Hause hochdeutsch gesprochen. „Jetzt spreche ich auch mit den Kindern Platt”, sagt Hubert Brandenburg. Neben der heimischen Sprache fasziniert ihn auch die alte Schrift. Für das Stadtmuseum übersetzt er alte, in Sütterlin geschriebene Dokumente. „Es wäre schade, wenn unser Platt aussterben würde,” sagt der Senior. Deswegen freue es ihn auch sehr, dass die Windener Kinder die Sprache lebendig hielten.