Düren: Planet Jazz: Die Musik geht in Herz und Bein

Düren: Planet Jazz: Die Musik geht in Herz und Bein

Die reduzierte Schar der Jazzfreunde bei Planet Jazz im Foyer des Hauses der Evangelischen Gemeinde genoss Franz Dannerbauers „Music Liberation Unit“ aus München mit verblüffter Begeisterung. Denn was heißt schon „durcharrangierte, melodie-betonte Kompositionen“ und „häufige Tempowechsel“ im Stil „zwischen Bop und Avantgarde“?

Da erfüllten sechs versierte Musiker sofort den Raum mit Tonqualität, Energie, Akkord-Harmonien und mitreißendem Drive. Da entfalteten sie die Themenfülle der Suite „Paralyse“ über mehr als 40 Minuten im 1. Set und ähnlich nach der Pause für den 2. Teil zu einem in Herz und Beine gehenden Musikerlebnis.

Die vielfältigen Tempowechsel, mal explosiv, mal ausatmend verhalten, dann wieder urplötzlich rhythmisch treibend, überraschten und provozierten ständig neue Gefühle und Assoziationen. Man glaubte sich in der Atmosphäre eines New Yorker oder Chicago Jazzclubs.

Ganz anders als das deutsche Wort für den Titel, „Lähmung“, herrschte ständig ein pulsierender und swingender Drive, der ganz elementar empfunden wurde. Selbst kühne Enge-Harmonien des Bläsertrios wirkten natürlich als Steigerung kompositorischer Ideen, weitab von kopflastig konstruierter Musik, voll von melodischen Einfällen.

Was immer Franz Dannerbauer aus persönlichem Schicksal verarbeiten wollte, so präsentierte er sich als kompositorischer Meister, der jazz-sinfonisch und balladesk seine MLU-Band als Klangkörper wie solistisch improvisierend brillieren ließ. Die Qualität der abschließenden Einzelstücke „Posing for Nothing“ und als Zugabe „Why Not?“ rief mit ihrem ansteckenden Understatement anhaltend wiederholte und Ovationen hervor.

Mehr von Aachener Nachrichten