Pilotprojekt für Sinti und Roma an der MCS Birkesdorf

Pilotprojek an der MCS Birkesdorf : Auf Sinti- und Roma-Familien zugehen

Auf ein Pilotprojekt an ihrer Schule sind die Lehrer der Matthias-Claudius-Schule (MCS), ehemals GHS Birkesdorf, besonders stolz: Gemeinsam mit zwei Spezialistinnen aus Köln kümmern sich Eva Hallemann, Brunhilde Sieburg und Sozialarbeiterin Jutta Lokietek intensiv um Schüler aus Sinti- und Roma-Familien, manche von ihnen haben familiäre Wurzeln in Serbien, Rumänien, Bulgarien oder Mazedonien.

Schulleiterin Heidemarie Hardacker sagt: „Einige Sinti- und Roma-Familien haben unserer Erfahrung nach Schwellenängste gegenüber staatlichen Institutionen.“ Das erschwere häufig die Zusammenarbeit, die Schüler blieben dem Unterricht zu oft fern, hätten Schwierigkeiten, Freundschaften außerhalb ihrer Volksgruppe zu schließen. Das hat zur Folge, dass einige Schüler nach mehrmaligem Wiederholen die Schule nach der siebten oder achten Klasse als Abgänger verlassen. „Das ist bei 90 Prozent der Schüler, die wir nicht erreichen, so“, erklärt Hardacker. Umso erleichterter ist sie, dass mit dem Pilotprojekt immer mehr Kinder aus Sinti- und Roma-Familien in den Schulalltag eingebunden werden können.

Ziel des Projektes ist es, eine vertrauensvolle Kommunikation zwischen Schule und Familien aufzubauen. Unterstützt wird die MCS dabei von den „Brückenbauern“ des Vereins „Rom“ aus Köln. Der interkulturelle Verein setzt sich für die Verständigung von Roma und Nicht-Roma in ganz Deutschland ein – an der MCS in Person von Ismeta Stojkovic und Christina von Haugwitz. Die beiden lernten zunächst die Schüler kennen und begleiteten die Sozialarbeiterinnen und Lehrerinnen zu Hausbesuchen.

Anfangs hätten die Familien dabei zunächst gefremdelt. „Aber wo die Schule eine Tür geöffnet hat, haben die Leute Vertrauen gefasst, kommen zu uns und nehmen das Projekt an“, freut sich Christina von Haugwitz. Aus den ersten Gesprächsterminen entwickelte sich schnell die Idee zu einem Eltern-Café, das mittlerweile alle zwei bis drei Wochen stattfindet und auf reges Interesse stößt. Wöchentlich gibt es außerdem eine Deutschförderung für Sinti- und Roma-Schüler von Christina von Haugwitz. „Da können sich die Kinder öffnen, das hat gut funktioniert“, meint sie. 

Stabiles Verhältnis aufbauen 

Die Einführung des Projektes, das nun im zweiten Jahr vom Kreis Düren finanziert wird, habe länger gedauert, als zunächst angenommen, sagt Schulleiterin Hardacker. „Aber diese Zeit war notwendig, da uns wichtig ist, zu den Projektteilnehmern ein vertrauensvolles und stabiles Verhältnis aufzubauen.“ Bisher konnten 46 Schüler und ein Großteil ihrer Erziehungsberechtigten erreicht werden.

Nun soll die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern und Eltern intensiviert und ausgeweitet werden. Mit Blick über den Tellerrand ergänzt Christina von Haugwitz noch: „So ein Projekt mit einem multiprofessionellen Team wäre auch an anderen Schulen nicht das Schlechteste.“

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