Düren: Physiotherapeut der Powervolleys hat ziemlich viel zu tun

Düren : Physiotherapeut der Powervolleys hat ziemlich viel zu tun

Dass das Skelett in Jonas Runges Behandlungszimmer ein Trikot von Jaromir Zachrich trägt, ist Zufall. Dass der Knochenmann überhaupt im Dress der SWD Powervolleys daherkommt, aber natürlich nicht: Jonas Runge ist neben Anja Zehbe Physiotherapeut von Dürens Volleyball-Bundesligisten — und hatte in dieser Saison ziemlich viel zu tun.

Vor allem Außenangreifer Romans Sauss hat Jonas Runge nach seinem Muskelriss beschäftigt. Insgesamt musste der Lette rund drei Wochen pausieren. Beim dritten und alles entscheidenden Play-off um den Einzug ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft will Sauss unbedingt spielen. „Ich möchte meinem Team helfen“, sagt der 28-jährige Profisportler. „Das erste Spiel nach der Verletzungspause hat sich fast so angefühlt wie das erste Spiel in der neuen Saison. Ich war total hungrig, endlich wieder angreifen zu können.“

Außenangreifer Romans Sauss (großes Foto) war in dieser Saison ziemlich verletzungsgeplagt. Physiotherapeut Jonas Runge hat alles gegeben, den Letten so schnell wie möglich wieder fit zu machen. Foto: Sandra Kinkel

Das ist auch einer der Hauptunterschiede, die Jonas Runge zwischen seinen normalen Patienten und den Profi-Volleyballern ausmacht. „Die Sportler wollen so schnell wie möglich wieder fit sein. Motivieren muss ich da eigentlich keinen, eher manchmal ein bisschen bremsen.“ Das war bei Romans Sauss auch so. „Mir ist die lange Pause sehr schwergefallen“, sagt der Angreifer. „Aber sie war notwendig, um wieder absolut fit zu werden.“ Sauss glaubt, dass die Verletzung psychisch für ihn kein Problem darstellt. „Mental war ich immer bereit, aber eben körperlich nicht. Ich denke während eines Spiels nicht dauernd an meine Wade und den verletzten Muskel. Eigentlich gar nicht.“ Jonas Runge hat da schon genauer hingeschaut. „In den ersten Partien nach der Verletzungspause hatte ich Romans schon sehr im Fokus. Ich habe genau beobachtet, wie er sich bewegt, ob er wirklich keine Probleme mehr beim Springen hat. Eine gewisse Anspannung war schon da.“

Die Kombination aus Selbstständigkeit und Arbeit mit hochmotivierten Profisportlern ist genau das, was Runge immer machen wollte. Deswegen musste er auch nicht lange überlegen, als vor vier Jahren die Anfrage der Powervolleys kam, die Mannschaft zu betreuen. „Ich habe zwar nie selbst Volleyball gespielt, aber ich bin absolut sportbegeistert.“ Die körperlichen Voraussetzungen bei Profisportlern seien völlig anders als bei seinen übrigen Patienten. „Die kommen, was ihre Fitness angeht, von einem viel höheren Level. Dementsprechend ist auch meine Arbeit mit den Athleten viel intensiver. Das macht einfach großen Spaß.“ Hinzu komme, dass die Volleyballer alle in seinem Alter seien. „Wir haben die gleichen Interessen. Da gibt es viele Gesprächsthemen.“

Man muss mit Rückschlägen leben

Wie oft die einzelnen Spieler ihre Physiotherapeuten in Anspruch nehmen, können sie selbst entscheiden. Sowohl bei den Heim- als auch bei den Auswärtsspielen sind Runge oder Zehbe dabei.
„Manche kommen sehr häufig, andere arbeiten zu Hause für sich selbst“, sagt Runge. Klar, dass Sauss in der vergangenen Saison einer war, der so oft wie möglich mit Runge zusammengearbeitet hat. „Es ist schwierig, in der laufenden Saison eine Verletzung wirklich komplett auszukurieren“, sagt Runge. Und Sauss ergänzt: „Ich glaube, dass ich auch nach der Saison noch einige Wochen hart an mir arbeiten muss, damit die Verletzung wirklich komplett wieder in Ordnung ist.“ Als Sportler, ergänzt der Lette, müsse man mit solchen Rückschlägen leben. „Dass man sich als Profi verletzt, kommt vor. Damit muss man klarkommen. Zum Glück ist Volleyball nicht so verletzungsintensiv wie beispielsweise Fußball.“

Für das dritte Play-off gegen die Hypo Tirol Alpen Volleys am Sonntag sind sowohl Sauss als auch Runge sehr zuversichtlich. „Ich tippe auf den Einzug ins Halbfinale“, sagt der Physiotherapeut, der vor zweieinhalb Wochen Vater geworden ist. „Jedes Spiel“, sagt Romans Sauss, „fängt bei 0:0 an. Auch das am Sonntag.“ Sein Team müsste alle Gedanken an den desolaten Auftritt in Innsbruck hinter sich lassen. „Das war nicht unsere erste und wird auch nicht unsere letzte Niederlage sein“, sagt Sauss. „Am Sonntag geht es um alles. Da darf das, was bis dahin passiert ist, keine Rolle spielen.“

Schafft Düren den Einzug ins Halbfinale, ist dem Team von Stefan Falter die Bronzemedaille sicher. Davon hat Jonas Runge schon eine aus der vergangenen Saison. „Wir sind Teil der Mannschaft“, sagt der 29-Jährige. „Und deswegen bekommen wir auch eine Medaille.“ Und vielleicht hängt die ja dann irgendwann am Hals des Skeletts in Jonas Runges Behandlungszimmer.