Kooperationsvertrag: Pflegeheime im Kreis Düren profitieren vom Hospiz- und Palliativgesetz

Kooperationsvertrag : Pflegeheime im Kreis Düren profitieren vom Hospiz- und Palliativgesetz

Das Gesetz gibt es schon seit drei Jahren, seine Umsetzung erfolgt allerdings eher schleppend. 2015 ist das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) in Kraft getreten, das unter anderem vorsieht, dass Seniorenheime und ambulante Hospizdienste enger zusammenarbeiten und sogar einen Kooperationsvertrag eingehen.

Seniorenheime, die einen solchen Vertrag schließen oder ein Sterbekonzept vorlegen können, bekommen bessere Pflegesätze von den Krankenkassen, also mehr Geld. Erste Kooperationsverträge gibt es mittlerweile auch im Kreis Düren, aber längst haben nicht alle Seniorenheime eine Zusammenarbeit mit einem Hospizdienst offiziell besiegelt. Die Hospizbewegung Düren-Jülich beispielsweise hat drei Kooperationsverträge abgeschlossen, „Hortus Dialogus“ aus Nideggen zwei. Insgesamt gibt es im Kreis Düren 44 Pflegeeinrichtungen.

Die Dürenerin Gerda Graf ist Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, von 1997 bis 2006 war sie Vorsitzende dieser Einrichtung. Der Verband hat maßgeblich an der Entwicklung des Hospiz- und Palliativgesetzes mitgewirkt. „Eine enge Kooperation zwischen Seniorenheimen und Hospizdiensten ist deswegen sinnvoll“, sagt Graf, „weil die meisten hochbetagten Menschen, die das Pflegeheim als ihre neue Lebenswelt anerkannt haben, auch dort und eben nicht in einem Krankenhaus sterben wollen.“

Gleichzeitig, ergänzt Graf, die selbst viele Jahre als Geschäftsführerin eines Seniorenheimes gearbeitet hat, seien sowohl Senioreneinrichtungen als auch ambulante Hospizdienste völlig eigene Systeme, die bisher vollkommen getrennt voneinander arbeiten würden. Graf: „Bei einer Kooperation treffen dann plötzlich Haupt- und Ehrenamt aufeinander. Das ist nicht immer einfach, weil Ehrenamtler manchmal Organisationsstrukturen und auch die Menschen in einer Einrichtung aus einem völlig anderen Blickwinkel sehen. Das führt dazu, dass sie manchmal den Finger auch in Wunden legen.“

Gleichwohl, ist Graf überzeugt, würden die Seniorenheim aber von einer solchen Kooperation auch profitieren. „In den Pflegeheimen passiert eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema Sterbekultur. Gleichzeitig dokumentieren die Einrichtungen mit einem solchen Kooperationsvertrag natürlich auch, dass sie für ihre Bewohner bis zum Schluss da sind.“

Darüber hinaus bedeutet die Zusammenarbeit mit einem Hospizdienst für die Mitarbeiter der Seniorenheime auch eine Erleichterung bei der täglichen Arbeit. „Sowohl in der Kranken- als auch in der Altenpflege“, sagt Gerda Graf, die selbst examinierte Krankenschwester ist, „sind Mobilisierung und das Wiederherstellen der Gesundheit die obersten Maximen. Bei Patienten am Lebensende muss das Pflegepersonal komplett umdenken. Hier geht es in erster Linie darum, körperliches und seelisches Leiden zu lindern.“ Dabei sei es wichtig, den ganzen Menschen und auch sein soziales Umfeld zu sehen.

Wünsche erfüllen

Graf: „Ich kann mich an eine Aids-Patientin erinnern, die sich ein Abschiedsfest gewünscht hat. Oder einen alten Herrn, der unbedingt noch einmal in die Annakirche wollte, was aber aufgrund seines Zustandes gar nicht möglich war. In solchen Fällen ist die Kreativität der Hospizhelfer gefragt, die helfen, solche Wünsche von Sterbenden zu erfüllen.“

Grundsätzlich, ergänzt die Expertin, sei menschliche Zuwendung in der Pflege heute kein Faktor, der bezahlbar ist. „Damit will ich in keiner Weise sagen, dass es in der Pflege keine menschliche Zuwendung gibt“, sagt Graf. „Trotzdem glaube ich, dass es hilfreich ist, wenn Altenpfleger in einem Seniorenheim wissen, dass es Ehrenamtler gibt, die sie unterstützen und sehr stark auf dem Gebiet Zuwendung aktiv sind.“

Gerda Graf ist Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. Foto: Sandra Kinkel

Dass eine Kooperation zwischen Seniorenheim und Hospizdienst auch wissenschaftlich sinnvoll ist, lässt sich mit einer Studie der Universität Witten/Herdecke belegen. „Diese Untersuchung hat ergeben“, sagt Graf, „dass in Seniorenheimen, die mit Hospizdiensten kooperieren, die Zahl der Krankenhauseinweisungen am Lebensende 70 Prozent geringer ist als in Pflegeeinrichtungen ohne eine solche Kooperation. Das sind schon sehr beeindruckende Zahlen.“

Brückenbauer

Wie eine Zusammenarbeit konkret aussieht, wird individuell vereinbart. Graf: „Seniorenheim und Hospizdienst erarbeiten gemeinsam ein Konzept für die Kooperation.“ Grundsätzlich sei es so, dass der Hospizdienst sich den Mitarbeitern der Pflegeeinrichtung vorstellen würde, außerdem ist es denkbar, dass die ehrenamtlichen Hospizhelfer Fortbildungen und Gesprächsabende organisieren, an den Teamgesprächen der Mitarbeiter der Seniorenheime teilnehmen und als Brückenbauer zwischen Angehörigen der Sterbenden und den Pflegeeinrichtungen fungieren. Selbstverständlich übernehmen die Mitarbeiter des Hospizdienstes am Ende eines Lebens auch die Begleitung der Sterbenden.

„Der Tod“, sagt Graf, „ist mittlerweile schon enttabuisiert. Trotzdem wissen die meisten nicht mehr, wie man mit dem Thema umgehen sollte. Auch deswegen ist eine Betreuung von ausgebildeten Hospizhelfern so wichtig.“

Eins ist der Ehrenvorsitzenden der Deutschen Hospiz- und Palliativbewegung dabei besonders wichtig. „Natürlich kommen Hospizhelfer aller Dienste auch in Seniorenheime, die keinen oder einen Kooperationsvertrag mit einem anderen Hospizdienst abgeschlossen haben.“ Diese absolute Wahlfreiheit sei unabdingbar, so Graf. „Das Gesetz soll nicht dazu führen, dass die ambulanten Hospizdienste in Konkurrenz zueinander treten.“

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