Pfarrer fordert mehr Solidarität mit RWE-Mitarbeitern

Pfarrer Josef Wolff : „Anfeindungen gegen RWE-Mitarbeiter müssen ein Ende haben“

Der katholische Pfarrer Josef Wolff wünscht sich im Zusammenhang mit der Diskussion um den Braunkohleabbau in der Region mehr Ausgewogenheit und Fairness im Umgang mit den Mitarbeitern von RWE. Deswegen, sagt er, würde er sich trotzdem auch für den Klimaschutz einsetzen.

Josef Wolff ist ein Freund klarer und deutlicher Worte. Das war er schon, als er noch Pfarrer von St. Bonifatius in Düren war, das ist er auch jetzt als Pfarrer von Heilig Geist in Jülich. „Ich bin wahnsinnig wütend“, sagt der 49-jährige katholische Seelsorger. „Es macht etwas mit mir, wenn ich sehe, welchen Anfeindungen Mitarbeiter von RWE im Augenblick ausgesetzt sind. Das muss ein Ende haben.“

Matthias Dürbaum, Betriebsratsvorsitzender des Tagebaus Hambach, hatte erst vor zwei Tagen in einem Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, dass RWE-Mitarbeiter von Teilnehmern eines Spaziergangs im Erkelenzer Stadtteil Keyenberg (in unmittelbarer Nähe zum Tagebau Garzweiler) am Sonntag als Nazis beschimpft worden waren. „Ich bin ein großer Freund unserer Schöpfung“, betont Wolff, „ich fahre Fahrrad, versuche einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten und möglichst nachhaltig zu leben. Trotzdem kann es nicht sein, dass Menschen, die legal ihrer Arbeit nachgehen, in der Öffentlichkeit gemobbt und in sozialen Netzwerken angefeindet werden. Das finde ich unerträglich.“

In dem Zusammenhang stört Wolff vor allem die Tatsache, dass es für diese Anfeindungen aus seiner Sicht „Unterstützung von anerkannten gesellschaftlichen Trägern“ gibt. Ganz konkret mein Wolff beispielsweise den Diözesanrat des Bistums Aachen, dessen kompletten Rücktritt der Pfarrer sogar öffentlich gefordert hat.

Der Diözesanrat hatte in einer Stellungnahme die Rodung des Hambacher Forstes als „eine Maßnahme ohne Zukunftsperspektive, die zudem die Menschen vor Ort schädigt und in Gefahr bringt, aus christlicher Sicht verwerflich und menschenverachtend ist“, bezeichnet. Wolff: „Es kann nicht sein, dass ein kirchliches Gremium so einseitig urteilt und RWE-Mitarbeiter in eine menschenverachtende Ecke stellt. Das Bistum Aachen hat sich als Schwerpunkt ‚Kirche und Arbeitnehmerschaft‘ auf die Fahnen geschrieben. Das mutiert immer mehr zur Lachnummer.“

Er würde vielmehr dafür plädieren, dass Kirche sich mit denen solidarisch erklären müsse, die nicht nur um ihre Arbeitsplätze fürchten, sondern zudem noch angefeindet und bedroht werden. „Einige dieser Leute haben sich buchstäblich bescheißen lassen müssen.“ Nicht nur Polizisten, auch RWE-Mitarbeiter, erklärt Wolff diese Aussage, seien mit Fäkalien beworfen worden.

Wolff findet es gut, dass Mitarbeiter der Tagebaue und Kraftwerke jetzt ihrerseits auf die Straße gehen, um zu demonstrieren. „Es ist richtig, dass die Öffentlichkeit jetzt endlich auch auf diese Menschen guckt und sie nicht länger für Entscheidungen der Politik und eine gewinnorientierte Marktwirtschaft geprügelt werden.“ Grundsätzlich wünscht Pfarrer Josef Wolff sich eine Befriedung der Situation. „Ich habe aber kein Patentrezept, wie die herbeigeführt werden kann, sondern fürchte vielmehr, dass die Situation weiter eskaliert.“

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