Düren: Papierveredler Rössler vereint Handarbeit und Industrie

Düren : Papierveredler Rössler vereint Handarbeit und Industrie

Wenn zur Langen Nacht der Industrie am 11. Oktober schon zum vierten Mal in Düren sechs Betriebe ihre Tore öffnen, dann spricht Dürens Wirtschaftsförderer und Beigeordneter Thomas Hissel davon, dass diese Betriebe die bunte Vielfalt des Industriestandortes Düren widerspiegeln würden.

„Industrie gehört zu Düren, wie der Dom zu Köln“, sagt er, weil ein Viertel der Erwerbstätigen in Düren in Industrieunternehmen für ein Drittel der Wertschöpfung sorgen würde — und das in Zeiten, in denen die Firmen vor Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, Digitalisierung, globalen Märkten und Facharbeitermangel stehen würden. Industrie, sagt Hissel, sei zudem eben nicht laut und dreckig, sondern spannend, innovativ und modern.

Weil das Unternehmen Rössler diese Produkte in unzähligen Formaten anbietet, kann diese Aufgabe nur in Handarbeit erfüllt werden. Foto: Burkhard Giesen

Spannend ist das besonders, wenn Innovation auf altes Handwerk trifft, so wie beispielsweise beim Dürener Papierveredler Rössler. „Papier inspiriert uns“, lautet der Slogan des Unternehmens an der Valencienner Straße. „Wir machen schöne Dinge aus Papier, die vielleicht nicht jeder braucht“, fasst Betriebsleiter Richard Jonas in einem Satz die Philosophie des Unternehmens zusammen. Dabei geht es selten um Massenware, wenn auch ein Produkt in erstaunlicher Menge hergestellt wird: bis zu 100 Millionen Briefumschläge — gefüttert mit Seidenpapier — in allen möglichen Größen und Farben verlassen im Jahr das Unternehmen. Bei Rössler setzt man sehr bewusst auf die alten Produktionsmaschinen, die diese Produkte noch fertigen können. „Unsere Produkte haben mit Liebe und Kreativität zu tun, nicht mit technischer Neuentwicklung“, sagt denn auch Jonas, zumal an jedem Produkt auch eine Hand angelegt werden muss.

Das gilt insbesondere für die drei Ränderinnen, die bei Rössler tätig sind. Ihre Aufgabe ist es, Briefe, Papier und Karten mit Trauerrändern zu versehen — in Handarbeit. Eine Fertigkeit, die heute selten ist und bei all den verschiedenen Formaten, die bei Rössler produziert werden, auch nicht von Maschinen erledigt werden kann. „Schon das Ausstreichen des Papiers ist eine Kunst für sich“, sagt Richard Jonas. Eine Kunstfertigkeit, die auch bei der 4. Langen Nacht der Industrie für Staunen sorgen wird. Handarbeit auf und mit alten Maschinen — das klingt auf den ersten Blick wenig innovativ.

Auf die Wünsche der Kunden eingehen

Das täuscht aber unter anderem darüber hinweg, dass Rössler mit mehr als 2000 Produkten gezielter als viele andere Unternehmen auf die speziellen Wünsche der Kunden eingehen kann. Und wem das noch nicht innovativ genug ist: Die Firma präsentiert sich auf Facebook, bei Instagram und auf Messen, zeigt dort, was man alles mit ihren Produkten machen kann — und profitiert umgekehrt von den vielen Anregungen der Nutzer. Übrigens auch von den Anregungen und Rückmeldungen bei den Führungen zur Langen Nacht der Industrie. „Das bringt uns in unserem Denken weiter“, sagt Jonas, und damit auch bei den Produkten des Unternehmens.

Richard Jonas, der ursprünglich Physik studiert hat, reizt nicht nur die Arbeit mit dem Naturprodukt Papier, sondern zusätzlich die Herausforderung, die Kunden zufriedenzustellen und parallel die Qualität der vielfältigen Produkte zu sichern. Und es reizt ihn, mit einem kreativen Team immer wieder neue Produkte zu entwickeln. Mit ein Grund, warum das Unternehmen sich an der Aktion der Win.DN beteiligt: „Erfahrung in unserem Metier ist sehr wichtig. Wir müssen aber auch junge Menschen für unser Produkt begeistern können. Bei der Langen Nacht der Industrie können wir in einen Austausch eintreten, erhalten ein direktes, ungefiltertes Feedback“, fasst Jonas zusammen. Und im Idealfall auch kreative, neue Mitarbeiter.

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