Kreis Düren: Panoramastraße sperren? Biker machen mobil gegen Fahrverbot

Kreis Düren : Panoramastraße sperren? Biker machen mobil gegen Fahrverbot

Ob die Panoramastraße zwischen Vossenack und Schmidt wirklich für Motorradfahrer gesperrt wird, ist noch gar nicht klar. Eins aber ist gewiss: Die Bikerszene wird nicht tatenlos zusehen, sollte die beliebte Strecke tatsächlich gesperrt werden.

Bei der Online-Plattform „openPetition“ ist eine Petition gegen die Sperrung der Panoramastraße für Biker angelaufen. Die Petition richtet sich an Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU).

Detail am Rande: Die Unterschriftensammlung läuft in der Kategorie „Minderheitenschutz“. Denn die Motorradfahrer sehen sich selbst als gefährdete Art. Viele fühlen sich diskriminiert. Es stört sie, dass sie an immer mehr Orten im Land nicht gerne gesehen sind, weil andere Biker zu laut und zu schnell unterwegs sind. Sie wollen sich gegen die Bestrafung „gesetzestreuer Motorradfahrer“ wehren.

1290 Personen hatten die digitale Unterschriftensammlung bis Donnerstagnachmittag unterstützt. Auch aus Bremen, Berlin und Kassel sowie der Schweiz und Österreich sind Unterzeichner dabei. Das ist ein Zeichen für die Solidarität in der Szene, denn die Panoramastraße zwischen Schmidt und Vossenack ist zwar weit bekannt, es ist aber nicht anzunehmen, dass permanent Ost- und Süddeutsche dort ihre Runden drehen.

Aber auch in den Regionen sorgen Motorradlärm und Raser für Diskussionen. Bis Donnerstag kamen 210 Unterstützer der Aktion aus dem Kreis Düren, viele weitere stammen aus Aachen und der Städteregion. Die Petition läuft bis zum 16. Mai. Im Vergleich zu anderen Petitionen auf dem Portal erfährt das für die Panoramastraße recht großen Zuspruch. Sie kann aber allenfalls bewirken, dass Landrat Spelthahn um Stellungnahme gebeten wird.

Vor einer Woche ins Leben gerufen haben die Petition Riko Mahlmann (18, Abiturient) und Timo Rothkranz (19, Auszubildender) aus Niederzier infolge unserer Berichterstattung. Sie verstehen die Aktion als Zeichen. „Wir möchten, dass die entscheidenden Personen auch die Seite der Motorradfahrer sehen“, sagt Riko Mahlmann. Die Panoramastraße sei für Motorradfahrer aus Düren, Jülich, Köln, Düsseldorf und weiteren NRW-Kommunen die erste schöne Strecke in der Eifel und eine wichtige Verbindung zum Rursee.

Sie finden es „ungerecht“, wenn alle Motorradfahrer für das Fehlverhalten weniger bestraft werden. Und es stört sie, dass alle Motorradfahrer über einen Kamm geschoren und per se als „schlecht“ klassifiziert würden. Sie wollen sich nicht in Sippenhaft nehmen lassen. „Wir zahlen für unsere Fahrzeuge Kfz-Steuer und dann möchten wir die Infrastruktur auch nutzen können“, argumentiert Timo Rothkranz. Zumal ihre Motorräder nicht zu laut seien und sie auf der Strecke keine Rennen fahren würden.

„Die Strecke ist super“

Die jungen Männer fahren schon einige Jahre auf der Panoramastraße, erst mit dem Moped, jetzt mit richtigen Maschinen. „Die Strecke ist super, um das Kurvenfahren zu lernen“, sagen die beiden. Und der Parkplatz sei für sie im Sommer auch ein wichtiger Treffpunkt, manchmal sogar täglich. „Wir treffen andere, unterhalten uns, entspannen, gehen danach noch irgendwo in der Eifel essen“, sagt Riko Mahlmann. „Das ist ein Platz aus meiner Jugend, den ich später mal meinen Kindern zeigen würde.“ Mehr als zwei-, dreimal würden sie die Strecke nicht fahren, dann würden sie weiterziehen.

Die beiden wissen, dass es zu laute Motorräder und viel zu schnelle Fahrer gebe — die gebe es aber auch unter den Autofahrern. „Vielleicht könnte eine zeitliche Einschränkung eine Kompromisslösung sein“, schlägt Riko Mahlmann vor. Den beiden ist es wichtig, dass diejenigen, die über die Zukunft der Strecke entscheiden, neben den 20 Bürgern der Initiative gegen Raser auch die große Anzahl an ordentlich fahrenden Biker beachten.

Bei „openPetition“ haben Nutzer auch die Möglichkeit Argumente darzulegen. Viele schlagen mehr Kontrollen vor. Ein Mönchengladbacher schreibt, er habe die Liste unterschrieben, „weil dies eine der schönsten Strecken für angenehme Touren ist. Und weil die Eifel von uns Bikern lebt“. Das Argument eines anderen: „Ich bin Ganzjahresmotorradfahrer und besitze keinen Pkw. Durch eine Sperrung werde ich grundgesetzwidrig von der Teilnahme am öffentlichen Leben ausgeschlossen.“

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