Oskar Schulz aus Kreuzau studiert an der Elite-Universität Harvard

Kreuzauer studiert in Harvard : Im Zimmer von Präsident Roosevelt

Oskar Schulz aus Kreuzau studiert seit gut einem halben Jahr in Harvard und ist von der amerikanischen Elite-Universität total begeistert. Aber was macht den besonderen Flair dieser Universität aus?

So richtig ernst gemeint hat Oskar Schulz (19) seinen Vorschlag nicht. Bei einem der letzten Treffen seines „John-F.-Kenney-Forums“ sollte der Student Vorschläge machen, welche Redner sein Campus-Club für Vortragsabende einladen sollte. „Angela Merkel“, hat Schulz in die Runde gerufen – und nur Zustimmung geerntet. „Mit dem Bundeskanzleramt stehen wir schon in Kontakt“, hat eine Vertreterin der Universität gesagt. „Bitte macht andere Vorschläge.“

Oskar Schulz studiert an der US-amerikanischen Elite-Universität Harvard, er ist einer von drei Deutschen in seinem Semester und hat bei 21.000 ausländischen Bewerbern einen von 190 Studienplätzen bekommen (wir berichteten). Der junge Mann, der am Gymnasium Kreuzau Abitur gemacht hat, studiert Ökonomie, was eher mit dem deutschen Studiengang Volkswirtschaftslehre als Betriebswirtschaft zu vergleichen ist, Statistik und Politik. „Es ist sehr viel Arbeit. Wir leben ja auf dem Campus und sind sehr häufig in der Bibliothek. Ich bin täglich von 8.30 bis 20 Uhr mit Uni, Lernen und meinem Job beschäftigt. Trotzdem möchte ich keinen Tag missen. Es ist einfach toll.“

Das Besondere an Harvard, erklärt Schulz, der im Augenblick sein zweites Semester absolviert, ist nicht die Lehre. „Ich glaube, da unterscheiden wir uns nicht mal so sehr von anderen guten Universitäten. Es ist einfach der Name Harvard, der große Persönlichkeiten anzieht. Und die kommen dann auch zu uns auf den Campus.“

Oskar Schulz hat schon die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai  getroffen und den früheren Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. „Es ist schon spannend, diesen Menschen bei einem Vortrag zu zuhören, aber es ist richtig cool, wenn man Ischinger persönlich fragen kann, was er eigentlich das ganze Jahr über gemacht hat. Immerhin dauert die Sicherheitskonferenz ja nur ein paar Tage.“ Schulz genießt das Leben auf dem Campus, vor allem den ständigen Kontakt zu seinen Kommilitonen und die vielen Diskussionen. „Das fängt schon beim Frühstück an. Und es macht unglaublich viel Spaß.“

Im „Adams Haus“

Der Kreuzauer, der zuletzt noch einmal als Überraschungsgast für den Geburtstag seines Opas in der alten Heimat war, lebt im „Adams-Haus“, genau dort, wo auch Franklin D. Roosevelt, der 32. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, gelebt hat. „Alles in Harvard ist Geschichte, und das spürt man an jeder Ecke.“ Als Deutscher würde er von den meisten seiner Freunde als Sozialist gesehen. „Zum Geburtstag habe ich das Buch ‚Frei zu wählen’ von Milton Friedman geschenkt bekommen, ein Werk, das die Grundsätze des freien Marktes befürwortet. Als ich denjenigen, der mir das Buch geschenkt hat, beim Weihnachtswichteln gezogen habe, habe ich ihm das ‚Kommunistische Manifest’ von Karl Marx und Friedrich Engels geschenkt. Als Retourkutsche. So ticken wir in Harvard.“

Neben der ausgeprägten Debattenkultur genießt Schulz auch die Vielfalt auf dem Campus. „Mittlerweile studieren in Harvard mehr Minderheiten als weiße Amerikaner. Nach dem Attentat in Christchurch/Neuseeland haben wir uns alle versammelt. Der Campus-Rabi, ein christlicher Geistlicher und ein Vertreter der islamischen Gemeinde haben gesprochen. Das war sehr ergreifend. Und es hat mir auch gezeigt, dass unser Campus ein Abbild der Welt ist.“ Oskar Schulz sagt, dass sich sein Leben in den ersten neun Monaten Harvard komplett verändert hat. „Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass ich viel mehr weiß, zum Beispiel wirschaftspolitische Zusammenhänge viel besser verstehe. Es ist einfach unglaublich interessant.“

Klausuren und Tests hat Schulz auch schon geschrieben. „Es geht immer besser, aber ich bin schon zufrieden“, sagt er. „Alles gut.“ Wenn alles nach Plan läuft, macht Schulz in vier Jahren seinen Bachelor-Abschluss. Und vielleicht hat er bis dahin ja auch Angela Merkel in Harvard getroffen.

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