Dürener verfällt der Raumpatrouille: Originalrequisiten aus privater Sammlung im Naturzentrum Eifel

Dürener verfällt der Raumpatrouille : Originalrequisiten aus privater Sammlung im Naturzentrum Eifel

Schuld hat eigentlich Mama Leni. Es war 1966, im Fernsehen startete die erste deutsche Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion“. Und der kleine neunjährige Josef Hilger durfte die Sendung nicht sehen, da konnte er sich auf den Kopf stellen. Das war wirklich zu doof, denn am nächsten Tag redete in der Schule jeder drüber. Nur Josef nicht. „Ich war der einzige Blöde, der nicht mitreden konnte“, erzählt er.

1968, da war er elf, wurde der frühere Straßenfeger mit Dietmar Schönherr, Eva Pflug, Wolfgang Völz und Charlotte Kerr im Nachmittagsprogramm wiederholt. Josef Hilger war total begeistert, wollte mit allen drüber reden, holte sich aber eine Abfuhr: „Alles kalter Kaffee, das kennen wir schon“, hieß es damals. Diese Schmach saß tief. Mutter Leni merkte natürlich, wie fasziniert ihr Josef von der Serie war, aber ihre Einstellung war eindeutig „Wenn du verheiratet bist und Kinder hast, dann wird sich das schnell geben“, sagte sie.

In diesem Fall hat sie nicht recht behalten. Denn Josef Hilger (61) entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Trüffelsucher, was die Serie anging. Der Diplomingenieur für allgemeine Elektrotechnik aus Düren begann, beharrlich alles zu sammeln, was er über die Serie in die Finger bekommen konnte.

Und da gab es so einiges, was die Ausstatter der Serie an Krimskrams verbastelt hatten. Bügeleisen und Bleistiftanspitzer wurden zu Kontrollinstrumenten, eine gynäkologische Geburtszange verwandelte sich in ein Roboter-Greifinstrument, Garnrollen und Wasserhähne waren plötzlich fremdartig anmutende Designelemente.

Josef Hilger durfte als kleiner Junge „Raumpatrouille Orion“ nicht sehen. Heute hat er ein Museum zu der Serie aufgebaut. Foto: Wilhelm Rech

Noch heute erinnert sich Hilger lebhaft an eine Prüfung, nach deren Ende er seinen Dozenten wie elektrisiert fragte, wo er denn diesen „interessanten Schalter“ her habe. Dieser fragte erstaunt: „Welcher Schalter?“ Hilger nahm den Bleistift-Spitzer in die Hand und bekam einen roten Kopf. Danach versuchte er so viele wie möglich dieser Geräte zu ergattern. Als die Produktion eingestellt wurde, bekam er die letzten sechs Stück sogar geschenkt. Endlich hatte er genügend, um den Kommandostand der Orion und ein Beiboot, die sogenannte Lancet, nachbauen zu können.

Ganz allmählich wurde aus seiner Sammlung ein privates Orionmuseum, das in Golzheim bei Düren beheimatet ist. Heute, mehr als 50 Jahre nach dem Start der Science-Fiction-Serie, beherbergt es über 3000 Standfotos, 300 farbige Aufnahmen, Originalrequisiten und Kostüme, Produktionsunterlagen, mehr als 1000 Veröffentlichungen der Printmedien zur Serie und sämtliche Merchandise-Artikel.

Die Sonderbriefmarke, die 2016 herauskam. Foto: imago/Schöning/imago stock&people

„Die Sammelleidenschaft, das war ein schleichender Prozess“, erinnert sich Hilger. An sein erstes Originalkostüm der Serie kam er 1986. Mit einem Freund hatte er die Bavaria Filmstudios besucht und traf dort auf den Filmarchitekten Rolf Zehetbauer. „Wir müssen einen guten Eindruck hinterlassen haben, er war uns jedenfalls sehr wohlgesonnen“, erinnert sich Hilger. „Jungs, wenn Ihr jetzt schon mal hier seid – so viel ist ja nicht mehr da, wie ihr euch erträumt“, sagte er nur, und dann durften sie sich etwas aus dem Fundus aussuchen. Zwei Jahre vorher konnte er in München sogar die legendäre Strahlwaffe HM 4 und ein Armsprechgerät abstauben.

Hilger kam danach öfter zur Bavaria. Zehetbauer sei bei diesen Besuchen nie ablehnend gewesen, erinnert sich Hilger. „Ich kann über niemanden etwas Negatives sagen. Weder über die Schauspieler, noch über die Leute vom Drehstab. Alle waren außerordentlich verständnisvoll“, resümiert er. Jedes kleinste Detail, dessen er habhaft werden konnte, sammelte der Orion-Fan. Und brachte schließlich im Jahr 2000 ein Buch heraus, das eine Art Standardwerk zur Serie wurde. 2005 wurde es neu aufgelegt, heute ist es erneut vergriffen. Als er Zehetbauer 2003 bei einem Filmfest traf, habe ihm dieser gesagt, dass er „auf einem schmalen Grat zwischen hartnäckig, lästig und wirklich furchtbar“ wandele. Genau das habe sich aber ausgezahhlt.

Der Sonderstempel zum Event am Samstag im Naturzentrum Eifel. Foto: Deutsche Post

Hilgers Sammlung ist mittlerweile so einzigartig, dass er sogar Anfragen von Profis beantworten muss. So bekam er einmal einen Anruf von einem Mann, der sich als Manager von Dietmar Schönherr, in der Serie Kommandant Cliff Allister McLane, vorstellte. Der wollte von Hilger die Drehbücher haben, weil Schönherr damals selbst eine Fortsetzung der Serie schreiben wollte.

„Wenn der Schönherr was von mir will, dann soll er mich anrufen“, stellte Hilger klar. Und war dann völlig baff, als nach einer Dreiviertelstunde das Telefon klingelte und sich Vivi Bach mit lispelnder Stimme meldete: „Ich geb ihnen den Dietmar.“ Schönherr, der am 18. Juli 2014 starb, hatte dann tatsächlich die Episode „Die Rückkehr der Orion“ geschrieben. Doch die Bavaria nahm Abstand von dieser Idee.