Oliver Bierhoff über die Nationalmannschaft und Düren

Oliver Bierhoff in Düren : Ein Heimspiel für den Ex-Fußballprofi

Auch wenn Oliver Bierhoff - anders als viele meinen - nicht in Düren, sondern in Essen in Ruhrgebiet aufgewachsen ist, war sein Auftritt beim Dürener Stadtgespräch mit Autor, Journalist und Kommunikationsberater Ulrich Stockheim doch irgendwie auch ein Heimspiel.

Der Abend mit Bierhoff war die fünfte Auflage der spannenden Gesprächsreihe, bei der schon Größen wie Altbundespräsident Christian Wulff, Harald Schmidt und Dressusrreiterin Isabell Werth aufgetreten sind, gekommen. In der ersten Reihe der Aula des Stiftischen Gymnasiums saßen Schwester Nicole und Vater Rolf Bierhoff. Denn auch wenn der Manager der Deutschen Fußballnationalmannschaft auf dem Papier kein Dürener ist, so hat der 50-Jährige eben doch enge Wurzeln in die Rurstadt.

Sein Opa Eduard Bierhoff war von 1952 bis 1965 Oberkreisdirektor in Düren. Vater Rolf, der übrigens 1958 am Stiftischen Gymnasium sein Abitur gemacht hat, hat lange Jahre als Torwart in der gleichen Mannschaft von Düren 99 gespielt wie Karl-Heinz Schnellinger. „Ich habe in meiner Kindheit sehr viel Zeit in Düren verbracht“, sagte Oliver Bierhoff . „Und es ist schön, noch einmal den Dürener Dialekt zu hören.“

Bierhoff plauderte in Düren – natürlich über den Deutschen Fußballbund (DFB) und die Fußballnationalmannschaft, auch die „Causa Özil“, der  sich kurz vor der Weltmeisterschaft im Sommer mit dem türkischen Staatspräsident hatte fotografieren lassen, und der Abstieg der Deutschen Elf aus der Nations League wurden thematisiert (siehe Sportseite). Er erzählte aber auch, wie sein Vater immer wieder mit ihm im heimischen Garten trainiert hat. „Und zum Schluss gab es Torschuss-Training. Wenn ich getroffen habe, habe ich zwei Mark bekommen. Hat mein Vater gehalten, musste ich eine Mark bezahlen. So habe ich mir mein erstes Auto verdient.“

Es war ein amüsanter, unterhaltsamer Abend im Stiftischen Gymnasium. Bierhoff präsentierte sich gut gelaunt und zugewandt und bot spannende Einblicke in das Leben eines Fußballprofis. Gleichsam ist es Moderator Ulrich Stockheim, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Vereins „Dürener Stadtgespräch“ ist aber auch gelungen, einige Dürener Themen anzusprechen. So hatte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) die Gelegenheit, den 1. FC Düren, der auf seine Initiative vor genau einem Jahr gegründet wurde, vorzustellen. Allein 420 Kinder und Jugendliche aus 39 Nationen, erzählte Spelthahn, würden beim 1. FC Düren Fußball spielen. „Und das funktioniert, obwohl sehr viele von ihnen große Sprachschwierigkeiten haben.“

Moderator Ulrich Stockheim, Rolf Bierhoff und Sohn Oliver im Gespräch nach der veranstaltung. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Mit dem neuen Verein, so Spelthahn, wolle man ein Fundament schaffen und jungen Menschen die Möglichkeit geben, in Düren in Sachen Fußball Karriere zu machen. Spelthahn: „Jugendarbeit ist uns extrem wichtig, aber im Sport braucht es auch Ziele. Unser Ziel ist eine erste Mannschaft, die in der Regionalmannschaft spielt.“ Klar, dass Spelthahn die Gelegenheit nicht ungenutzt ließ, um Bierhoff auch für den 1. FC Düren „einzuspannen“. Zumal der das Konzept und das „Engagement eines Politikers“ sehr begrüßte. Der langjährige Nationalspieler ist seit Mittwoch Ehrenmitglied Nummer eins vom FC Düren, hat ein Trikot mit seiner Lieblings-Rückennummer 20, und wurde vom Landrat auch kurzerhand zum Berater ernannt. „Wenn ich nicht aufpasse“, konterte Bierhoff schmunzelnd, „muss ich morgen zum Training der Alten Herren erscheinen.“

Auch Jo Ecker, der vor 17 Jahren die Initiative „Fußballvereine gegen Rechts  gegen Rassismus, Extremismus und Gewalt“ ins Leben gerufen hat, bekam Gelegenheit, seine Aktion vorzustellen. 1230 Schilder mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“ hat Ecker schon an Fußballplätzen der Nation aufgehängt. „Mein Ziel ist alle 27000 Vereine mit so einem Schild zu versorgen.“

Zum Schluss wurde es in der Aula des Stiftischen Gymnasiums dann noch einmal sehr persönlich. Rolf Bierhoff traf seinen früheren Lehrer Dr. Heinz Seeger und bekam zudem seine Abiturarbeiten aus dem Jahr 1958 überreicht. Am Ende hatte eben die komplette Familie Bierhoff in Düren ein Heimspiel.

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