Niederzier: Nur noch altes Wasser in die Röhre

Niederzier: Nur noch altes Wasser in die Röhre

Die Anwohner der Friedensstraße haben derzeit eines gemeinsam: Wenn sie vor ihre Haustüre treten, schauen sie in ein Loch. Fast vor jedem Haus ist der Vorgarten aufgerissen. So ziemlich alle der 50 Anschlüsse zwischen Haus und Kanal müssen saniert werden.

Gleiches gilt für die beiden großen Röhren in der Mitte der Straße - je eine für Schmutzwasser und Regenwasser. Sie werden mit einem Spezialverfahren (Inliner) abgedichtet.

„Huchem-Stammeln war in den 50er Jahren der erste Ortsteil von Niederzier, der kanalisiert wurde”, betont Bürgermeister Hermann Heuser, während er die Tiefe der ausgehobenen Grube in der Mitte der Straße begutachtet. Der Kanal verläuft nicht einmal zwei Meter tief unter der Straße. Das Gefälle der Abwasserleitungen der einzelnen Gebäude zum Hauptkanal ist gerade ausreichend.

Dass die seinerzeit unter der Straße verlegten Tonröhren nicht ewig halten, beweist ein Bruchstück, das die Arbeiter zur Demonstration beiseite gelegt haben. Nicht nur, dass man auf den ersten Blick sieht, dass der tönerne Hausanschluss ziemlich verstopft war - kaum nimmt man ihn in die Hand, bricht er auch schon in viele Einzelteile auseinander.

Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Kanal und Hausanschlüsse in der Friedensstraße so nicht mehr weiter betrieben werden können. Das hatte bereits die Untersuchung mit einer fahrbaren Kamera ergeben, die vor Wochen durch die Röhren gesteuert worden war.

Das Ergebnis: An den beiden Kanalrohren in der Mitte der Straße wurden mehr als 30 Schäden festgestellt. Und auch zahlreiche Leitungen zum Haus hätten die ab 2015 vorgeschriebene Dichtigkeitsprüfung wohl nicht überstanden.

Die Folgen für die Umwelt sind absehbar: Verschmutztes Wasser aus der Klospülung gerät statt in den Kanal ins Erdreich. Stattdessen wird sauberes Regenwasser zur Kläranlage befördert. Genau umgekehrt sollte es sein!

„Früher hat man einfach mit einer Pickhacke ein Loch in den Kanal geschlagen, das Haus daran angeschlossen und alles mit etwas Beton zugeschmiert”, weiß Hermann Heuser. Das ist heute natürlich nicht mehr Stand der Technik.

Die meisten Anwohner taten sich deshalb jetzt zusammen und beauftragten über die Gemeinde gemeinsam ein Unternehmen, das ihnen die Hausanschlüsse repariert. Die Menge machts, so wird es billiger.

Der Anschluss zwischen Kanal und Haus wird in „offener Bauweise” erledigt. Doch was ist mit den beiden, rund 950 Meter langen Kanalröhren unter der Straße? Den Asphalt komplett aufzureißen, dafür ist die Friedensstraße zu eng. Also entschied man sich für das Inliner-Verfahren.

Das bedeutet: Von Kanalschacht bis zu Kanalschacht wird ein gefalteter Schlauch durch die marode Röhre gezogen. Der wird dann so unter Luftdruck gesetzt, dass er sich entfaltet und an die Innenwand der Röhre schmiegt. Da der Schlauch vorher mit Klebemittel behandelt wurde, ist er am Ende fest mit dem Kanalrohr verbunden.

Wasser oder Abwasser fließen dann eigentlich nicht mehr durch den Kanal, sondern durch den Schlauch. Bis Ende des Jahres soll die gröbste Arbeit in der Friedensstraße erledigt sein. 450 000 Euro muss die Gemeinde insgesamt für das Projekt aufbringen. Doch damit ist das Thema Kanalsanierung in Niederzier längst noch nicht beendet. Hermann Heuser: „Wir haben noch Maßnahmen für mehr als drei Millionen Euro vor der Brust.”

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