Kreis Düren: Notruf im Wald: Regionalforstamt installiert Rettungspunkte

Kreis Düren: Notruf im Wald: Regionalforstamt installiert Rettungspunkte

Im Notfall zählt jede Minute, das ist bekannt. Doch anders als in der Stadt stehen bei Unfällen im Wald die Rettungskräfte vor dem Problem, zwischen den Bäumen die Orientierung zu behalten. Im Staatswald des Regionalforstamts Rureifel-Jülicher Börde gibt es noch eine ganz andere Komplikation.

Manche Areale sind in puncto Netzabdeckung schwarze Flecken auf der Landkarte. „Wer für einen Notruf mit dem Mobiltelefon erst loslaufen muss, um eine Verbindung zu bekommen, verliert wertvolle Zeit“, sagt Konrad Hecker, Leiter des Regionalforstamtes. Damit es den Rettungskräften dennoch möglich ist, Verletzten schnell zu Hilfe zu eilen, haben sich die Stolberger Firma Innodatec, der Landesbetrieb Wald und Holz, mehrere Kommunen sowie die Leitstelle der Städteregion Aachen zusammengefunden, um ein neues Rettungspunktesystem zu installieren.

Konrad Hecker (links) und Robert Jansen vom Landesbetrieb Wald und Holz stellten das neue Rettungspunktesystem vor. Foto: Johnen

Die schiere Größe des Areals war dabei eine Herausforderung, zumal Grenzen von Landkreisen und damit der Zuständigkeiten bei Rettungseinsätzen überschritten werden. Der Staatswald liegt im Kreis Düren und der Städteregion, dazwischen gibt es kommunale Waldbesitzer mit eigenem Forstpersonal und private Wälder, die zum Teil vom Regionalforstamt betreut werden. Die Behörde mit Sitz in Hürtgen in der Gemeinde Hürtgenwald ist als Aufsichtsbehörde für rund 45.000 Hektar Wald zuständig. „Umso erfreulicher ist es für uns, dass sich Waldbesitzer wie Simmerath, Roetgen, Monschau, Stolberg, Eschweiler und Würselen am Projekt beteiligen“, sagt Robert Jansen, beim Regionalforstamt zuständig für den landeseigenen Forstbetrieb.

Doch wie funktioniert das Rettungspunktesystem? Derzeit werden Hinweistafel an 200 Stellen im Waldgebiet aufgestellt, an denen garantiert Mobilfunkkontakt besteht. Diese sogenannten Rettungspunkte sind zudem strategisch an Kreuzungen platziert und so ausgewählt, dass sie zwar zum Teil tief in den Forst hineinreichen, aber trotzdem ohne Probleme von einem Rettungswagen angefahren werden können. Auf den Schildern ist eine Ziffernabfolge aufgedruckt, die es den Leitstellen der Rettungsdienste ermöglicht, den genauen Standort des Hilfesuchenden zu ermitteln.

„Die Schilder sind so platziert, dass Forstarbeiter und Spaziergänger regelmäßig auf eines stoßen“, erklärt Konrad Hecker. Ein langes Suchen falle so künftig weg. Ursprünglich stand die Idee im Vordergrund, für die eigenen Mitarbeiter und die Beschäftigten von Firmen die Arbeitssicherheit zu erhöhen. „Neben Waldarbeitern und Forstunternehmen profitieren selbstverständlich auch Besucher des Waldes davon“, sagt Konrad Hecker.

Das System ist offen, so dass sich weitere Waldbesitzer gegen eine geringe Gebühr für das Schild und die Wartung der Datenbank daran beteiligen können. Für die Rettungskräfte ist ein Zugriff auf die Datenbank kostenlos, die Leitstellen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren haben sich bereits angemeldet. Wer die Ziffernkombination eines Rettungspunktes eingibt, erhält Informationen zum Standort des Hilfebedürftigen, er erhält Lagekarten, Anfahrtsrouten und auch Hinweise, ob es Einschränkungen bei der Erreichbarkeit gibt. Für die Leitstellen sei damit ein Suchen nach den Standorten der Hilfesuchenden passé. „Diese Informationen sind rund um die Uhr abrufbar und können auch auf Smartphones der Rettungskräfte gesendet werden. Niemand muss mehr wie in der Vergangenheit Aktenordner wälzen“, erklärt Robert Jansen.

„Das System ist so einfach wie genial“, bilanziert Forstamtsleiter Konrad Hecker. Schritt für Schritt sollen immer mehr Rettungspunkte im Zuständigkeitsbereich des Forstamts aufgestellt werden — bis zum Stetternicher Forst bei Jülich. Nachfragen habe es auch bereits aus Belgien gegeben.

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