Soldaten der Luftwaffe in Nörvenich proben erstmals die Übung "Snap"

Evakuierung deutscher Staatsbürger : Luftwaffe übt den Ernstfall namens „Snap“

Eine Evakuierung deutscher Staatsbürger aus einem Krisengebiet hat am Mittwoch erstmals die Luftwaffe in Nörvenich in einem spektakulären Manöver geprobt. Knapp 250 Soldaten übten auf dem Fliegerhorst die Aktion unter dem Namen „Snap“.

Krisengebiet Fliegerhorst: Zwei Eurofighter steigen mit Höchstgeschwindigkeit in den Himmel, um ein feindliches Flugzeug, simuliert vom Transportflugzeug A400M, abzufangen. Es dauert nur Sekunden, da hat sich der erste Kampfpilot mit seinem High-Tech-Jet bereits neben den Airbus gesetzt, während der zweite Pilot ihn mit ein wenig Abstand absichert. Die Eurofighter zwingen den Airbus zur Landung, um den Luftraum frei von feindlichen Fliegern zu machen. Die Übung „Snap“ hat begonnen, die erstmals von der Luftwaffe in Nörvenich durchgeführt wird.

„Snap“ ist die Abkürzung für den englischen Titel „Significance of National Air Power“, übersetzt „Bedeutung der nationalen Luftwaffe“. Durch das kombinierte Zusammenspiel aller fliegenden Waffensysteme der Luftwaffe, wie es „Boelcke“-Kommodore Oberstleutnant Danilo Schlag erklärt, soll der Ernstfall geprobt werden: die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus einem Krisengebiet. „Es ist unsere nationale Aufgabe, dies zu können“, betont der Chef des Nörvenicher Geschwaders, auch wenn deutsche Kampfflugzeuge bislang noch nie zu einer solchen Mission ins Ausland aufbrechen mussten. „Aber es kann jederzeit passieren“, betont Schlag mit Blick auf die unzähligen  Konflikte und das mit ihnen verbundene Gefahrenpotenzial.

Angriff auf feindliche Stellungen

Kaum haben die Eurofighter-Piloten ihre Überlegenheit im Luftraum des Gegners sichergestellt, beginnt eine zweite Rotte bereits mit dem Angriff auf die feindlichen Stellungen, um den eigenen Kräften den Weg ins Krisengebiet freizumachen. Natürlich werden bei dieser Übung keine Lenkflugkörper eingesetzt, Pyrotechnik aber sorgt für ein möglichst realistisches Szenario. Während die Eurofighter nach erfolgreichem Angriff den Luftraum sichern, fliegen Aufklärungstornados ein, die mit modernster Technik feststellen können, ob sich am Boden noch feindliche Flugabwehrkräfte befinden, die dann mit radargesteuerten Raketen ausgeschaltet würden.

Damit ist der Weg frei für die eigentliche Evakuierung. Zwei Hubschrauber fliegen ein, der Transporthubschrauber CH-53 mit dem Rettungsteam und sein kleinerer „Bruder“ LUH mit Scharfschützen an Bord, die das Rettungsteam sichern sollen.

Bis die Zivilisten und das Rettungsteam von einer im rasanten Tiefflug landenden Transall aus dem Krisengebiet ausgeflogen werden können, überwachen permanent Eurofighter und Tornados den Luftraum. Bei einem realen Einsatz würden sie verhindern, dass die Rettungsaktion von herannahenden feindlichen Truppen oder Jets noch verhindert wird, unter anderem auch im Kampf gegen Ziele am Boden mit dem Einsatz der Bordkanone.

Pyrotechnik simulierte einen Angriff mit Lenkflugkörpern. Foto: ZVA/Jörg Abels

Dabei demonstrieren die „Boelcke“-Piloten immer wieder gekonnt, was für ein Potenzial der Eurofighter hat. Mal nähern sie sich im Sturzflug dem Krisenszenario, um Sekundenbruchteile später nahezu senkrecht wieder in den Himmel zu steigen. „Die maximale Steigleistung beträgt 315 Meter pro Sekunde“, erklärt Oberstabsfeldwebel Thomas Hohlbein, während auf dem Vorfeld gerade der dritte und letzte Teil der Übung eingeleitet wird: Ein Hubschrauber gerät unter Beschuss feindlicher Kräfte und muss notlanden, wieder kommt Pyrotechnik zum Einsatz.

Um den „brennenden“ Hubschrauber löschen zu können, greifen Objektschützer der Luftwaffe mit Fahrzeugen vom Typ „Dingo“ ein und sichern den Havaristen, so dass auch die „verletzte“ Hubschrauberbesatzung abtransportiert werden kann.

Nach einer guten halben Stunde ist die eindrucksvolle Evakuierungsübung zu Ende und „Boelcke“-Kommodore Danilo Schlag sichtlich zufrieden und stolz: „Es hat alles einwandfrei funktioniert.“

Was für den Außenstehenden zum Teil halsbrecherisch aussieht, sei alles solide geplant und unzählige Male geübt worden, betont der Kommodore. Knapp 250 Soldaten, davon 145 von auswärtigen Verbänden, haben mit zehn Flugzeugen und Hubschraubern unter Beweis gestellt, dass man sich auf sie im hoffentlich nie eintretenden Ernstfall verlassen kann.

Weil aber nun einmal die Krisenherde dieser Welt auch in Zukunft wohl kaum in Mitteleuropa und damit weit entfernt von den Heimatstandorten der Luftwaffe zu finden sein werden, müssen die Kampflugzeuge auf dem Weg in das Einsatzgebiet und zurück auch immer wieder in der Luft betankt werden. Ein überlebenswichtiges Szenario, das die Piloten fast täglich trainieren, am Mittwoch simuliert von vier Eurofightern, die in einer Formation mit einem A400M, über den Platz flogen. Im Einsatz können zwei Kampflugzeuge gleichzeitig vom Airbus mit Kerosin versorgt werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Luftwaffe probt in Nörvenich eine Krisen-Evakuierung

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