Düren: Nimmt der Grabschmuck im Gürzenicher Friedhof überhand?

Düren : Nimmt der Grabschmuck im Gürzenicher Friedhof überhand?

Es ist fünfeinhalb Jahre her, als der Mann von Margarete Müthrath gestorben ist. „Wir haben die Grabstelle damals gemeinsam ausgesucht“, erinnert sie sich. Die Grabstelle ist eine Urnenstele auf dem Gürzenicher Friedhof. Sie ist schmucklos, pflegefrei. Neben der Stele gibt es eine Abstellfläche.

Margarete Müthrath hat hier einen Gedenkstein und eine Grablampe abgelegt. Auf dem Gedenkstein war ein von einem Steinmetz eingefasstes Bild ihres verstorbenen Mannes befestigt. Das musste sie vor vier Wochen entfernen.

„Da lag ein Zettel mit der Aufschrift ‚Foto bitte entfernen‘“, sagt Frau Müthrath. „Fünfeinhalb Jahre lang war das Bild auf dem Gedenkstein, niemand hatte etwas dagegen“, sagt sie. „Ich bin zur Friedhofsverwaltung gegangen und man hat mir erklärt, dass der Grabschmuck überhand nehmen würde, deswegen müsste ich das Bild entfernen.“ Das hat sie auch gemacht — „weil ich keinen Ärger haben wollte“, wie sie sagt.

Leicht gefallen ist ihr die Entscheidung allerdings nicht. „Das schmerzt mich sehr. Ich war immer glücklich, wenn ich das Bild meines Mannes auf dem Gedenkstein gesehen habe. So konnte ich mit ihm kommunizieren.“ An einer anderen Abstellfläche auf dem Gürzenicher Friedhof findet sich ein Aushang der Friedhofsverwaltung: „Im Gegensatz zu anderen Städten und Kommunen wird das Abstellen von Kerzen und Blumen toleriert und sogar gefördert.“

Dazu habe man eigens die Abstellflächen geschaffen. Das Aufstellen von Stein-/Bronzekombinationen aus Lampen und Vasen gehe aber „weit über das tolerierbare Maß hinaus“, heißt es da weiter. Besonders in Verbindung mit Geburts- oder Sterbedaten oder Bildern der Verstorbenen. Das käme einem „Hausaltar gleich“, deswegen würde die Friedhofsverwaltung ab dem 1. Juli „unverhältnismäßig großen Grabschmuck, Bilder oder Ähnliches umgehend entfernen“.

„Uns war klar, dass es hier zu Nachfragen kommen wird“, sagt Jochen de Riese, Leiter der Dürener Friedhofsverwaltung. „Ich kann die Betroffenheit von Frau Müthrath gut verstehen, und wir versuchen, in allen Fällen mit Fingerspitzengefühl vorzugehen“, versichert de Riese. „Auslöser ist auch nicht das einzelne Bild. Wir müssen aber dafür sorgen, dass die Anlagen auf allen Friedhöfen gleich gehalten werden“, erklärt er. Gerade weil man erkannt habe, dass es ein Bedürfnis der Angehörigen gebe, Trauerarbeit zu leisten, habe man in diesem Fall für eigentlich pflegefreie Grabstellen entsprechende Ablageflächen geschaffen.

Engel und Putten

„Wir beurteilen auch nicht, ob etwas hübsch oder hässlich ist“, sagt de Riese. Aber: „Wir stehen da vor dem Spagat, dass viele Angehörige, die einen pflegefreien Stelenplatz suchen, sich erschrecken, wenn sie die vielen Engel und Putten sehen, die dort teilweise abgestellt werden, es aber gleichzeitig auch ein entsprechendes Bedürfnis der Angehörigen gibt.“

Eine Lehre, die die Friedhofsverwaltung daraus gezogen hat, war neben der Bereitstellung der zusätzlichen Ablageflächen auch die Ausweitung bei den Bestattungsformen. „Manchmal stellt man sich die Frage, ob die Betroffenen die richtige Bestattungsform gewählt haben“, sagt de Riese. Anders herum formuliert: Wer Wert auf eine persönliche Ausgestaltung legt, darf vielleicht nicht eine pflegefreie Variante wählen.

Die Friedhofverwaltung will deshalb mehr als bisher bei der Auswahl der Grabstellen umfassend informieren. So wurde eine neue Broschüre aufgelegt, die über die Möglichkeiten und etwaigen Einschränkungen informiert. Ab Herbst werden auch wieder Führungen auf den Friedhöfen angeboten.Trotz aller Regeln sagt de Riese auch, dass man nicht alles reglementieren und kontrollieren wolle: „Uns ist bewusst, dass es hier um sehr viele Emotionen geht.“

Deshalb hat Jochen de Riese das Gespräch gesucht und sich noch am gleichen Tag mit Margarete Müthrath getroffen. „Ich verstehe, dass sie verletzt ist. Deswegen war mir wichtig, das noch einmal persönlich zu erklären.“