Heike Reul präsentiert ihre Kollektion im Alten Forsthaus

Angewandte Kunst : Catwalk à la „Germanys Next Topmodel“? Nein!

Wer bei der Präsentation von Heike Reuls Kollektionen einen Catwalk à la „Germanys Next Topmodel“ erwartete, der erlebte eine Überraschung. Statt um Moves und Gamefaces ging es bei der Modenschau auf dem Heuboden des Alten Forsthauses um angewandte Kunst.

Das wurde gleich zu Beginn der Show klar, denn die Eröffnungsnummer zeigte sowohl von Reul gemalte Bilder – Acrylarbeiten auf Schalbrettern und Leinwänden – als auch Seidenkleider, die diese Werke zieren und deutlich erkennbar in Beziehung zu ihnen stehen.

Zunächst hatte Heike Reul die sechs Bilder erarbeitet, die bei der Inszenierung zu sehen waren. „Erst als sie fertig waren, habe ich angefangen, nachzudenken, wie ich die Wirkung des Bildes in die Schnittführung eines Seidengewandes wandeln kann“, sagte die Künstlerin und ergänzte: „Mit jedem Großformat stand ein Bild vor mir, und damit viele Fragen und Herausforderungen.“

Entstanden sind Kleider, die von der Faserigkeit einer Schalbrettoberfläche erzählen, die Risse und Spalten auf Seide abbilden und so das Motto der Modenschau, das „Ein Bild von einem Kleid“ lautete, auf spannende Art und Weise interpretierten. Reul benutzt bei ihrer Arbeit unter anderem die Technik des Nunofilzens, auch Monofilzen genannt. Mit ihr lassen sich verschiedene gewünschte dreidimensionale Effekte gut realisieren.

Dass Reul eine spartenübergreifende Präsentation ihrer Kleidungsstücke bevorzugt, ergibt sich eigentlich schon aus ihrer Arbeitsweise im Atelier. Denn bevor die phantasievollen Muster mit gefilzter Wolle auf die Seide aufgebracht werden, schwingt Reul den Pinsel und trägt die Muster zunächst mit Seidenfarbe auf. Dann erst werden die Muster dreidimensional, indem Filzwolle darauf oder darunter gelegt wird. Oder sie malt gleich auf die zarten Seidenstoffe, was jedes Abendkleid zum Unikat macht, das sich die Trägerin übrigens auch auf den Leib schneidern lassen kann.

Die Zuschauer erlebten eine Mischung aus Tanz und Bewegung in ausgeklügelten, gut gelaunten Choreographien zu poppigen Rhythmen.

Aus Seide, Samt und Filz sind die tragbaren Abendkleider, Jacken, Oberteile, Marlenehosen und Röcke gearbeitet, welche die sieben Performerinnen zeigten. Sehr feminin und durchaus alltagstauglich wirkten die Gewänder von Heike Reul.

Die aus Düren stammende studierte Kunst- und Textilgestalterin und Dozentin Reul kreiert alle zwei Jahre eine neue gut einstündige Laufsteg-Show, gemeinsam mit einem engagierten Team aus Akteurinnen, bestehend aus Daniela Heller-Böse, Frauke Harder, Rieke Harder, Ronja Kelzenberg, Gabriele Mermagen und Andrea Michalsky.

Heike Reul stand selbst auch auf der Bühne und präsentierte im Finale der Show ein Abendkleid, das aus Seide und Algenplatten, von feurigrot bis tiefschwartz bemalt und besprüht, gearbeitet war.

Im Anschluss an die Show hatten Interessierte Gelegenheit, die angewandte Kunst selbst an- und auszuprobieren. Schals der Künstlerin waren bereits ab circa 40 Euro zu haben, Kleider gab es, je nach Stoff und Technik, ab circa 300 Euro.