Alegro: Der Bau des Konverters in Oberzier macht Fortschritte

Der Bau des Alegro-Konverters : Ein „Handy-Netzteil“ für 500.000 Haushalte

Die Ausmaße der Anlage sind gigantisch: 4500 Quadratmeter ist die Konverterhalle für die erste deutsch-belgische Strombrücke Alegro groß, die in den vergangenen elf Monaten an der Umspannanlage Oberzier aus dem Boden gestampft wurde.

18 Meter ist sie hoch. Ein überdachter Fußballplatz sozusagen, das mehr als doppelt so große Außengelände (11.000 m2) der Anlage auf dem insgesamt 235.000 m2 großen Areal nicht mitgerechnet.

Noch ist die Halle leer. Doch das wird sich ab Mitte Dezember ändern, kündigt Gesamtbaustellenleiter Thomas Teufel von der Firma Siemens an, die das 130-Millionen-Euro-Projekt im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Amprion errichtet. Dann werden täglich vier bis fünf 40-Tonner die aufwändige Konvertertechnik anliefern. Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Spulen, die Wechselstrom, wie er auch aus der Steckdose kommt, in Gleichstrom verwandeln – vergleichbar mit einem Netzteil für Smartphones oder Tablets.

Auch diese Geräte benötigen für ihre elektronischen Bauteile und Akkus Gleichstrom, der einen weiteren Vorteil hat. Er kann in großen Mengen besser über weite Strecken transportiert werden, insbesondere wenn – wie im Fall Alegro über 90 Kilometer bis ins belgische Lixhe – eine Erdkabelverbindung zum Einsatz kommt. Die wird abschnittsweise seit Monaten parallel zum Bau der Konverterhalle verlegt.

Im vorderen Bereich ist der Betonkanal für das Erdkabel zu sehen, das Oberzier mit dem belgischen Lixhe verbinden wird. Foto: ZVA/Jörg Abels

Während unmittelbar an der Umspannanlage bereits die beiden zwölf Zentimeter dicken Kabel in die Leerrohre eingezogen werden, wird an anderer Stelle noch kräftig gebuddelt. „Aktuell wird die B56 unterquert, im Winter folgt die Rur“, erklärt  Alegro-Projektleiter Ingo Sander von Amprion.

Der Beton- und Stahlbau an der Konvertenanlage ist hingegen weitgehend abgeschlossen, berichtet Thomas Teufel. Das zu Beginn der Erdarbeiten im vergangenen Herbst ein Munitionsbunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt und Kampfmittel geräumt werden mussten, hat den Zeitplan nicht durcheinander gewirbelt.

In dieser Woche wurde der dritte von vier 260 Tonnen schweren Trafos  per Schwertransport nach Oberzier gebracht. Foto: ZVA/Jörg Abels

Jetzt steht die technische Gebäudeausstattung im Mittelpunkt. Bis die ersten Konvertermodule angeliefert werden, muss zum Beispiel die Belüftungsanlage komplett stehen. Sie soll dafür sorgen, dass die sensible Technik nicht überhitzt, vor allem aber, dass kein Wasser am Metall kondensiert, erklärt Ingo Sander. Auch die ersten Schaltschränke für den computergesteuerten Betrieb der Anlage sind bereits in Oberzier eingetroffen. Der Großrechner ist im Erlangener Siemens-Werk monatelang auf Herz und Nieren geprüft worden, betont Thomas Teufel. „Jetzt wird die komplette Anlage in Erlangen ab- und bei uns wieder aufgebaut.“

Menschen wird man während des Regelbetriebs der Anlage in Oberzier im Übrigen vergeblich suchen. Überwacht wird der Alegro-Konverter nach der Inbetriebnahme Ende 2020 von den zentralen Amprion-Schaltzentralen in Rommerskirchen und Brauweiler. Dabei wird IT-Sicherheit großgeschrieben, betonen die beiden Projektverantwortlichen. „Für Hacker ist es unmöglich, von Außen das System lahmzulegen“, betont Teufel. Einen Zugang zum Internet gibt es nicht. Überhaupt wird an jeder Stelle Vorsorge getroffen, damit die Strombrücke im Betrieb nicht zusammenbrechen kann.

Die Konverteranlage wird über Transformatoren an das 380.000 Volt-Höchstspannungsnetz der Umspannanlage Oberzier angeschlossen. Der dritte der vier dafür benötigten Transformatoren (einer dient als Reserve) ist in dieser Woche mit einem Schwertransport per Bahn und die letzten Kilometer über die Straße in Oberzier eingetroffen. Der letzte soll bis Dezember folgen, kündigt Teufel an.

Die Projektverantwortlichen Ingo Sander (Amprion) und Thomas Teufel (Siemens, r.) sind zufrieden: Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan. Foto: ZVA/Jörg Abels

Jeder steht außerhalb der Halle in einer aus dicken Betonwänden errichteten Box und wird noch mit  Wärmedämmung und Schallschutz versehen, schließlich hat Amprion der Gemeinde Niederzier versprochen, dass die von der Umspannanlage Oberzier ausgehenden Geräuschemmissionen mit dem Bau des Konverters nicht ansteigen werden. „Und das werden wir einhalten“, verspricht Ingo Sander. Zu diesem Zweck wurden bereits zwei alte und lautere Trafos auf der bestehenden Alt-Anlage ausgetauscht. Aber auch im Konverter selbst wird Schallschutz installiert.

Während auf belgischer Seite die Arbeiten aufgrund einer früher vorliegenden Genehmigung wohl noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, geht Sander davon aus, dass das Erdkabel im kommenden September auch an den Konverter in Oberzier angeschlossen werden kann. Für November/Dezember 2020 ist dann der Probebetrieb geplant, Ende 2020 soll der kommerzielle Betrieb starten. Dann sollen bis zu 1000 Megawatt vor allem in Richtung Belgien fließen, um dort etwa eine halbe Million Haushalte mit Strom zu versorgen. Bei Bedarf auch umgekehrt.

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