Zwischen Naturschutz und Tourismus: Buntsandsteinfelsen bei Nideggen

Zwischen Naturschutz und Tourismus : Die Buntsandsteinfelsen bei Nideggen bieten ein einzigartiges Biotop

Die Buntsandsteinfelsen im Rurtal bei Nideggen sind ein beliebtes Ausflugsziel. Die Rur hat sich bis zu 90 Meter tief in das rötliche Gestein geschnitten. Im Sommer duften die Kiefern nach Süden. Immer wieder verleitet es Wanderer und Jugendgruppen dazu, auch auf die Felsköpfe zu gehen und von dort die wunderbare Aussicht zu genießen. Das ist nachvollziehbar, für die Natur aber fatal.

„Diese Felsköpfe sind ein einzigartiges Biotop“, sagt Lothar Gerhards vom Umweltamt des Kreises Düren. Dort haben die Mauereidechsen ihren Platz zum Sonnen und dort wachsen Moose, Flechten und Pflanzengesellschaften, dessen Ursprünge erdgeschichtlich weit zurückgehen. An manchen Orten brütet zudem der Uhu.

Naturschutz und Tourismus sind zwei Dinge, die nicht immer gut zueinander passen. Die Bedürfnisse der Natur und die Wünsche von Wanderern sind oft gegensätzlich. „Es ist uns wichtig, die Natur erlebbar zu machen und sie gleichzeitig zu schützen“, sagt Lothar Gerhards.

Der Kreis Düren hat sich den Schutz der Felsköpfe seit vielen Jahren auf die Fahne geschrieben – und das Projekt schreitet Stück für Stück voran. Das wichtigste Stichwort heißt: Besucherlenkung. Denn am Beginn der Wanderwege steht zwar, dass die Wege nicht verlassen werden dürfen, aber viele Wanderer kennen die Verlockungen, doch einmal ein Stück weiter bergab durch den Wald zu stapfen und auf einem der Felsköpfe eine Rast einzulegen. Schon vor einigen Jahren hat der Kreis Düren an einem langen Abschnitt des Wanderweges ein Geländer errichten lassen, dass die Besucher leiten soll. Außerdem wurden Bäume so gefällt, dass sie in X-Form übereinander liegen und Trampelpfade zu den Felsköpfen versperren.

Lothar Gerhards vom Kreis Düren. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Zu Beginn der diesjährigen Wander- und Spaziergängersaison sind nun an weiteren Stellen Geländer errichtet worden, die die Besucher lenken und gezielt vom Betreten der schützenswerten Felsvorsprünge abhalten sollen. Gleichzeitig geht es bei den Maßnahmen um die Sicherheit der Wanderer, denn von den Felsköpfen geht es steil hinab.

Zudem stellt die Untere Landschaftsbehörde immer wieder fest, dass auch an den Felsen, wo das Klettern verboten ist, noch immer geklettert wird. Ein Kletterexperte hat die dort noch teilweise vorhandenen Klettervorrichtungen nun entfernt. Auch mit dieser Maßnahme sollen die Felsen und ihre Bewohner, zu denen zum Beispiel auch die Schlingnatter gehört, geschützt werden. Dort, wo der ursprüngliche Bewuchs der Felsköpfe noch erhalten ist, sollen die Maßnahmen helfen, dass das so bleibt.

Der schmale Wanderpfad von Nideggen nach Abenden ist nicht für Moutainbiker gedacht, die Verkehrssicherungspflicht auf dem Privatgelände kann dafür nicht gewährleistet werden. Da dennoch viele Fahrer dort fuhren, verdeutlichen nun Absperrungen an den Einstiegen das Verbot. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Wie sich die Pflanzenwelt auf den bereits beschädigten Felsköpfen entwickelt, bleibt abzuwarten. Wenn weniger Menschen dort sind, haben aber auf jeden Fall die Mauereidechsen und Schlingnattern Raum, um die Sonne zu suchen. „An Stellen, an denen mittlerweile niemand mehr klettert, konnte sich der Ameisenlöwe, eine wärmeliebende und raffiniert jagende Insektenart, wieder ausbreiten“, nennt Gerhards einen Erfolg.

Auch an der Hochkoppel in Untermaubach wurde zum Schutz eines Uhu-Paares ein Geländer zur Besucherlenkung errichtet, Totholz wurde als Absperrung liegen gelassen. Allerdings ist zu erkennen, dass Spaziergänger sich nicht immer an die Regeln halten und die Pfade weiter nutzen. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Der Kreis will die Besucher aber nicht nur lenken, sondern ihnen auch erklären, warum diese Maßnahmen wichtig sind. „Wir werden  Tafeln aufstellen, auf denen wir über die schützenswerte Natur, über Pflanzen und Tiere informieren“, erklärt Gerhards. Außerdem solle eine gezielte Zusammenarbeit mit der Jugendherberge in Nideggen auch bei jungen Menschen für ein ausgewogenes Verhältnis von Naturerkundung und Naturschutz sorgen. Dabei geht es darum, den Besuchern zu zeigen, das viele Spuren von Füßen und Reifen in der Natur zu schweren Narben führen können.

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