Veranstaltung in der alten Kirche in Wollersheim

Musikalischer und literarischer Nachmittag : Als der „Rote Hannes“ ein Leben rettete

Die Legende vom Raub der St.-Meinardus-Glocke aus der einstigen Stiftskirche und Musik des Streichquartetts „Hofkultur“ aus Düren bildeten einen musikalischen und literarischen Nachmittag in der alten Kirche von Wollersheim am Tag der Deutschen Einheit. Eingeladen hatte der Freundeskreis für Kultur und Geschichte.

Angeblich schon zu Zeiten des „Eifel-Missionars“ Willibrord im 9. Jahrhundert wurde die ehemalige Stiftskirche in Wollersheim gegründet, und sie hat unstreitig ja romanische Fundamente. So ist schon die Geschichte der Erbauung des 1903 zugunsten der neuen und größeren Heilig-Kreuz-Pfarrkirche nebenan aufgegebenen Gotteshauses zum Teil Wahrheit und zum Teil Legende. Das gilt auch für die Sage vom „Raub der Meinardus-Glocke“ aus dem Kirchturm der Pfarrkirche, der sich angeblich 1819 ereignet haben soll.

Versuchter Totschlag, Raub, Neid und Habgier – alle diese Zutaten, die einen Krimi ausmachen können, spielen in dieser lokalen Legende eine Rolle. Dr. Gabriele Goslich, Leiterin der Grundschule in Stockheim, hat sie aufgeschrieben. Sie fand bei ihrer Lesung mit Musik im säkularisierten Gotteshaus an die 40 aufmerksame Zuhörer.

Was damals geschah, ist natürlich auch eine Fabel: Aus Habgier wird die Glocke aus der Stiftskirche gestohlen und im nahen Badewald zwischen Wollersheim, Berg und Vlatten versteckt. Dort entdeckt sie der junge gottesfürchtige Messdiener Peter. Sein Fund bleibt nicht unbemerkt. Peter wird betäubt und in der – tatsächlich später entdeckten, aber leeren – Gruft am Hochaltar der Stiftskirche gelegt. Dort soll er einen qualvollen Erstickungstod finden.

Doch Rettung in letzter Sekunde naht: Es ist ein in Wollersheim damals ortsbekannter Stadtstreicher – ein gesellschaftlicher Paria. Der „Rote Hannes“ rettet Peter das Leben und die Meinardus-Glocke kann wenig später wieder an ihrem Platz im Geläut der Stiftskirche erklingen.

Alles das hat Gisela Goslich aufgeschrieben und in eine spannende Krimihandlung gepackt. Ihr Vortrag „Ein folgenreicher Kirchenraub – St. Meinardus hilft in der Not“ wurde von Musikeinlagen des Streichquartetts „Gruppe Hofkultur“ unterbrochen, und so die Spannung bis zur Lösung des Falls geschickt erhöht. Die vier Musiker aus Düren spielten Werke von Edgar Elgar, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn.

Für den veranstaltenden Freundeskreis für Kultur und Geschichte – hervorgegangen aus dem Wollersheimer Geschichtsverein – war der Nachmittag in der ehemaligen Stiftskirche ein Erfolg. Man sei „ein bisschen stolz darauf, dass in einem 650-Einwohner-Dorf unser Kulturangebot eine so erfreuliche Resonanz findet“, so Albert Grein vom Freundeskreis.

Das ermutigt ihn, weiteres zu planen: am 25. Oktober steht eine erneute literarische Veranstaltung auf der Agenda. Dann geht es um den einstigen Weinbau in der Region. Die Namen früherer Wingerte tauchen noch in einigen Gemarkungsnamen auf, so etwa in Embken oder Bürvenich.

(sli)
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