Mord(s)vergnügen: Packende Geschichten in historischer Atmosphäre

Krimilesung : Mord(s)vergnügen: Packende Geschichten in historischer Atmosphäre

Ein mittelalterliches Gemäuer, drei Krimis, drei Autoren – sowohl die unterschiedlichen Räumlichkeiten, als auch die literarischen Werke und deren Verfasser waren auf ihre Art besonders und machten das „Mord(s)vergnügen“ auf Burg Nideggen zu einem abwechslungsreichen Abend für 180 Gäste.

Auch die siebte Ausgabe dieser Krimilesung war ausverkauft, wie Käthe Rolfink von der Kulturinitiative des Kreises und Luzia Schlösser, Leiterin des Burgenmuseums, bei ihrer Begrüßung berichteten. Nachdem das Duo Ladybird die Besucher musikalisch empfangen hatte, teilte sich das Publikum in drei Gruppen auf die drei Räume auf. Für 60 Gäste begann der Abend im höchsten Raum des Burgfriedes. Dort las – stimmungsvoll untermalt vom Rauschen des Windes um den Turm herum – Christiane Diekerhoff aus ihrem Buch „Spreewaldwölfe“. Sie stellte dem Publikum ihre Protagonistin Klaudia Wagner vor und nahm die Zuhörer mit zum Tatort des vierten Bandes ihrer Krimireihe.

Nach diesem gedanklichen Ausflug in den Spreewald stand eine Fernreise an: Zwar waren es nur 48 Stufen, die die Gruppe hinunter zum nächsten Lesungsraum nehmen musste, dort angekommen ging es aber mit Spiegelbestsellerautor Wolfgang Burger im nigerianischen Lagos weiter. Dort – und im Münsterland – spielt der Krimi „Beißender Tod“, den Burger gemeinsam mit seiner Frau Hilde Artmeier verfasst hat. Während sie krank im Bett lag, übernahm er die Lesung in Nideggen und war von deren Besucherzahlen ganz begeistert: „Es ist selten, dass man bei einer Lesung in so viele Gesichter schaut“, sagte er, während sein Blick über die vollbesetzten Stuhlreihen glitt. „Und heute darf ich das gleich dreimal hintereinander. Das hatte ich noch nie.“

Während Burger das Gelesene mit Bildern, Videosequenzen und Geräuschen untermalte, arbeitete Schauspielerin Ulrike Bliefert ausschließlich mit ihrer Stimme. Der Weg zu ihr führte die Gäste 36 Stufen hinunter, acht rauf und noch einmal 34 wieder runter. Während auf der engen Steinwendeltreppe manche laut überlegten, ob nun die Zeit reif sei, um Platzangst zu bekommen, kamen andere aus dem Staunen nicht heraus. Eine Dame meinte: „Ich wusste gar nicht wie schön es hier ist.“

Die besondere Stimmung der Burgkapelle gab Schauspielerin Bliefert und ihrem Thriller „Die Samariterin“ gleich noch mehr Wirkung. Sie sprach die ruppige, tiefe Stimme der tyrannischen Mutter genau so glaubhaft wie den schüchternen Sopran der unsicheren Protagonistin Susanne Kleinschmitt. Mühelos weckte sie bei ihrem Publikum die Neugierde auf diese Geschichte, in deren Verlauf sich Kleinschmitt in einen lebenslang Inhaftierten verliebt, wobei sich natürlich einige Abgründe auftun. „Einen Roman zu schreiben ist ein gutes Ventil für die Fragen, die man hat“, erzählte Ulrike Bliefert über ihre Motivation, ausgerechnet über dieses Thema zu schreiben. Offene Fragen dürfte nach dem „Mord(s)vergnügen“ auch das Publikum gehabt haben, schließlich griffen am Bücherstand viele direkt zu den Titeln ihrer Wahl. (asc)

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