Menschen mit Behinderung zu Gast an der Sekundarschule

GIPS-Projekt : Woher wissen Sie, ob Sie nicht kunterbunt angezogen sind?

„Wie kommt man als Blinder in einer fremden Stadt zurecht?“ – „Sie sind verheiratet und haben Kinder?“ – Woher wissen Sie, ob Sie nicht kunterbunt angezogen sind?“ Diese und viele andere Fragen stellten die Schüler der Sekundarschule Nideggen Menschen mit Behinderung, die im Rahmen des GIPS-Projekts bereits zum fünften Mal an die Schule kamen.

Das Projekt GIPS (Gehandicapten Informatie Project Scholen) stammt aus den Niederlanden und hatte dort 2016 sein 25-jähriges Bestehen und ist seit einigen Jahren auch in Deutschland vertreten. Ziel des Projekts ist es, gute Aufklärungsarbeit im Bereich körperlicher Beeinträchtigungen zu leisten.

Die ehrenamtlichen Trainer sind Experten in eigener Sache, denen die Arbeit mit den Schulkindern Spaß macht. Es gelang ihnen spielerisch, den Schülern aus zwei sechsten Klassen (Klasse 6a aus Nideggen und 6c aus Kreuzau) mit einem speziellen Sensibilisierungstraining Berührungsängste zu nehmen und zu zeigen, wie Menschen mit Behinderung ihr Leben meistern.

Nach der Begrüßung und Einführung wurden die Schüler in Gruppen aufgeteilt. Kennzeichen der Gruppe war eine Kappe in einer bestimmten Farbe, die die Schüler zur Erinnerung mit nach Hause nehmen durften. Während eine Gruppe sich in Gebärdensprache übte, nahm die zweite Gruppe an einem „Crash-Kurs“ in Brailleschrift (Blindenschrift) teil. Die nächste Gruppe probierte aus, wie man mit dem Mund malen kann und stellte fest, dass es kaum möglich ist, mit zitternden Händen zu schreiben. Auf dem Flur war eine Slalom-Strecke aufgebaut, die die Teilnehmer der vierten Gruppe mit einem Rollstuhl bewältigen sollten. In einem Nebenraum entdeckten die Schüler auf sehr anschauliche Art und Weise spielerisch, wie es ist, blind zu sein und sich mit Hilfe eines Blindenstocks sicher zu bewegen. Nach und nach tauschten die Gruppen, so dass jeder alle Stationen ausprobieren konnte.

Alle Schüler hatten mit den Trainern viel Spaß und nahmen „nebenbei“ noch wertvolle Erfahrungen für ihr weiteres Leben mit.

Das ganze GIPS-Team bedankte sich ausdrücklich noch einmal per Mail für die hervorragende Gastfreundschaft in der Sekundarschule und Horst Boltersdorf (Leiter des Projekts) versprach, „alle Hebel in Bewegung zu setzen“, damit im nächsten Jahr alle Klassen der Jahrgangsstufe 6 am Projekt teilnehmen können.

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