Jahresprogramm auf Burg Nideggen hat begonnen

Burgenmuseums Nideggen : Auch Falke Sakira freut sich auf Gäste

Den Alltag des Mittelalters einmal hautnah erleben. Authentisch nachgestellt, zum Anfassen und Staunen. Das ist das Ziel der Leiterin des Burgenmuseums Nideggen, Luzia Schlösser, und ihres Teams. Mit der Veranstaltung „So treiben wir den Winter aus“ beginnt die Ausstellungssaison für das Burgenmuseum.

Seit Jahren beginnt das Jahresprogramm des Museums am zweiten Wochenende nach Karneval. Thematische Schwerpunkte der derzeitigen Ausstellung sind Rohstoffe und deren Verarbeitung im Mittelalter. Dazu zählen Materialien wie Salz, Holz, Leder, Metall und auch Kräuter.

„Die Fragen, die wir uns mit dieser Ausstellung gestellt haben, sind vielfältig“, so Luzia Schlösser. „Was hat die Menschen damals bewegt? Wie haben sie gelebt? Welche kulturellen Riten und Eigenheiten wurden damals zelebriert?“

Der Umfang dieses Themas ist so gewaltig, dass Luzia Schlösser sich dem natürlich nicht alleine stellen konnte. Mit einem Team von fast 20 Referenten und Experten, vier festen Mitarbeitern und studentischen Helfern, wurde das Museum vom Burgkeller bis hin zur Dachspitze mit mittelalterlichen Ständen, Replikaten und kostümierten Darstellern bedeckt. Die Burg, deren erste Mauern im Hochmittelalter des 12. Jahrhunderts errichtet wurden, ist wieder belebt, fast wie zur damaligen Zeit.

Andreas Krüger ist einer der ersten, die dem Besucher bei einem Rundgang durch das Museum begegnen. Krüger ist ein Experte, wenn es um Waffen, Rüstungen und die Verteidigung einer Burg im Mittelalter geht. An seinem Stand kann die unglaubliche Bandbreite der damaligen Schlag-, Hieb- und Stichwaffen sowie Bögen und Fernwaffen verschiedener Art bestaunt werden. Die detailgetreuen Nachbauten stimmen mit den Originalwaffen fast gänzlich überein. „Alle Replikate sind zwar stumpf, in Gewicht und Form aber absolut authentisch“, erzählt Andreas Krüger. Jeder Besucher kann eine solche Waffe ausprobieren und selber erfahren, wie es sich damals anfühlte, ein Schwert in der Hand zu halten.

Die Fragen, mit denen sich der Waffenexperte Krüger beschäftigt, sind vielseitig. „Wie wurden die Waffen angewandt? Wie effektiv sind sie im Vergleich zu heutigen Waffen?“, so Krüger. Aber nicht nur das Militärische beschäftigt ihn. Die Jagd, genauer gesagt, die Balzjagd, ist für den ausgebildeten Falkner ebenso spannend wie die Waffentechnik des Hochmittelalters. „Die Jagd war nur den Adeligen vorbehalten. Eine Art Sport der Wohlhabenden kann man sagen.“

Somit wartet die Ausstellung auch nicht nur mit Replikaten auf. Der Saka-Falke Sakira ist nicht nachgebaut, auch wenn er tiefenentspannt auf seinem Podest hockt und die faszinierte Menge in seine Nähe lässt.

Auch eine Etage für die jüngeren Fans des Mittelalters darf nicht fehlen. Im „Pädagogik-Raum“ wird gezeigt, wie man damals gefilzt, gestrickt oder auch einfach nur gespielt hat. Von Shuffle Board bis hin zu Holzkreiseln hatte auch der mittelalterliche Nachwuchs Spiele für die Freizeit zur Verfügung, die nun bei der Ausstellung im Burgenmuseum selber ausprobiert werden können.

Interessantes und spannendes Wissen wird hier überall vermittelt. So ist vielleicht nicht jedem bekannt, dass im Kerker der Burg Nideggen ein Kölner Erzbischof eingesperrt wurde. Konrad von Hochstaden war verarmt und wollte durch Territorialkriege Ländereien und neue Reichtümer anhäufen. Die wohlhabende Burg Nideggen, die zur Grafschaft Jülich gehörte, ging siegreich aus der folgenden Schlacht im Badewald, westlich von Nideggen, hervor. Für neun Monate wurde der Erzbischof in das Verlies gesperrt.

Für die studierte Theologin und Pädagogin Luzia Schlösser ist die Authentizität und das vermitteln von Wissen und Historie das Besondere an den Ausstellungen in der Burg Nideggen. „Es ist nicht zu vergleichen mit einem Mittelaltermarkt, der eine große Masse anspricht. Für uns steht der Lehrauftrag als Museum und die lebensnahe Darstellung des kulturellen Mittelalters im Vordergrund.“ Auch wenn das Verstehen und Nachvollziehen des mittelalterlichen Alltags der Kern der Ausstellung ist, so darf natürlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Mit stündlichen Vorführungen wird unter anderem auch demonstriert, wie Katapulte abgefeuert werden.

Die Darsteller und Kostümierten bei der Ausstellung sind zum großen Teil als freie Mitarbeiter beim Museum angestellt. Zudem gibt es verschiedene Seminare und Kurse , um tiefergehendes Wissen zu vermitteln. Auch wenn die meisten einem anderen Beruf nachgehen, so ist die Tätigkeit bei der Burg Nideggen mehr als nur ein Hobby für die Frauen und Männer, die mit Leidenschaft das Mittelalter wieder zum Leben erwecken.

Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, ermäßigt drei Euro und für Kinder bis zwölf Jahren zwei Euro. Für Kinder unter sechs Jahren ist der Eintritt frei.

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