Tollrock-Festival 2019: Eine Bühne, zehn Bands und 6200 Fans

Tollrock-Festival 2019 : Eine Bühne, zehn Bands und 6200 Fans

Schon von weit entfernt war am Wochenende in Schmidt das Wummern der Bässe zu hören. Näherte man sich dem Festplatz „Zur Schönen Aussicht“ bis auf wenige Hundert Meter, kamen schallende Gitarrenriffs und energiegeladener Gesang hinzu.

Wer sich schließlich inmitten der Menschenmenge vor der riesigen Bühne des diesjährigen „Tollrock-Festivals“ wiederfand, dem ging es durch Mark und Bein. Zum siebzehnten Mal ließen es die Schmidter gemeinsam mit mehr als 6000 Rockfans ordentlich krachen. Wie auch im vergangenen Jahr waren alle Tickets restlos ausverkauft.

Wir schreiben das Jahr 2000. Eine Schmidter Band spielte damals von einem Llw-Anhänger aus ein Konzert im Rahmen des Rurseefests. Drei Jahre später entwickelte sich aus dem kleinen Event ein Open-Air-Konzert mit regionalen Musikern. Ein großer Durchbruch für eine Gruppe von Musikliebhabern aus Schmidt, die sich 2011 zum Tollrock-Verein zusammenschlossen.

Doch damit sollte die Erfolgsgeschichte erst beginnen. „Niemandem von uns wäre damals auch nur im Traum eingefallen, dass das Projekt so groß wird“. Mario Lennartz vom Tollrock-Verein lächelt zufrieden wenn er auf die Anfangszeit zurückblickt. „Das ist eine Riesen-Bestätigung.“

Samstagmittag ausverkauft

Über die Jahre hinweg hat sich das Tollrock-Festival zur absoluten Mega-Sause entwickelt, die regelmäßig Rockfans aus ganz Deutschland anzieht. Bereits am Samstagmittag wurden die letzten hundert Karten an der Abendkasse verkauft, nach insgesamt 6200 Tickets war dann Schluss – Tollrock war erneut ausverkauft.

Ein Blick in den kleinen, schwarz-orangenen „Festival-Guide“ verriet, wieso: Die 23-köpfige Tollrock-Crew hatte wieder ein abwechslungsreiches Programm entwickelt: regionale Musiker gaben hochkarätigen Bands aus aller Welt die Klinke in die Hand.

Je fünf Acts pro Abend sorgten mit ihren mitreißenden Bühnenshows für euphorische Stimmung. Los ging es am Freitag mit dem Contest-Gewinnern des letzten Jahres, den „Holiday Hookers“ aus Aachen, gefolgt von den Punkrock-Newcomern „Kopfecho“, die bereits Vorband für die Toten Hosen waren. Wahre Rockhymnen gab es von den beiden Tribute-Bands „Bulls on Parade“ (“Rage Against The Machine“-Cover) und „Kiss Forever Band“ (“Kiss“-Cover) zu hören. Höhepunkt des Freitagabends war für viele die Düsseldorfer Band „Massendefekt“, die mit ihrem deutschem Punkrock-Sound aktuell in den Charts vertreten sind.

Diese fünf Camper mögen den „Eifel-Flair“ beim Tollrock-Festival (v.l.): Philipp, Felix, Lisa, Anouk und Annika. Foto: Markus Niederhöfer

Ein Blick in die Menge zeigte an beiden Tagen trotz bedecktem Wetter und teilweise Regen ausschließlich fröhlich feiernde Gäste, vielen sah man ihre Affinität zur Rockkultur an den Bandshirts und Festivalbändchen direkt an. So zum Beispiel Matthias aus Euskirchen, der zum ersten Mal bei Tollrock zu Gast war, sich aber entschieden hat, das Schmidter Festival von nun an zu einem festen Termin im Kalender zu machen. „Ich bin total begeistert, das Ganze hier ist deutlich familiärer als andere Festivals wie zum Beispiel Wacken. Die Leute konzentrieren sich dadurch viel mehr auf die Musik.“

Der Samstag startete mit dem „Tollrockerz-Contest“, bei dem Amateurbands je vierzig Minuten Zeit hatten, die Tollrock-Crew von ihrer Musik zu überzeugen. „Für junge Nachwuchsbands ist unser Contest eine tolle Gelegenheit, mal auf einer Bühne mit großer Anlage vor Publikum zu spielen.“, erzählte Mario Lennartz. Als Sieger gingen gegen Nachmittag die Jungs von „TalÄntfrei“ hervor, bei denen der Name eben nicht Programm ist. Sie haben 2020 die Möglichkeit, beim nächsten Festival ihren Deutschrock zu präsentierten.

Weiter ging es am Samstag mit den „Kings of Lyon“, die, wie der Name schon vermuten lässt, Songs der amerikanischen Rockband „Kings of Leon“ coverten und dabei dem Original erstaunlich nah kamen. Genauso wie „Still Counting“, die im Anschluss als wohl beste deutsche „Volbeat“-Coverband eine energische Show ablieferten, bei der er es an Pyrotechnik und ausgeklügelten Lichteffekten nicht fehlte.

Großen Applaus, schrille Pfiffe und begeisterte Zurufe gab es für den Höhepunkt des zweiten Festivaltages: „The Rumjacks“ aus Australien verbanden Irish Folk mit Rock und Punk. Zum Abschluss gab die Band „Gnadenhof“ aus der Nordeifel Rockklassiker der letzten vierzig Jahre zum Besten.

Der gewisse „Eifel-Flair“

Abseits von Bühne, Tanzfläche, Ständen und Buden ging es etwas behaglicher zu: Der Anblick des Campingbereichs, der erneut aufgrund des großen Zulaufs vergrößert worden war, vermittelte eine fast schon idyllische Atmosphäre. Zwischen Wohnmobilen, Camping-Anhängern und Zelten begegnete man freundlichen Gesichtern, die ein paar gesellige Stunden miteinander verbrachten – auch hier natürlich begleitet von rockigem Sound, der aus Bluetooth-Boxen ertönte. Felix aus Kreuzau, Philipp aus Düren und Anouk aus Nideggen, die ihre Leidenschaft für Rock teilen, hatten das gesamte Wochenende in Schmidt verbracht. „Ich bin zum ersten Mal hier“, erzählte der 19-jährige Felix, „und ich finde es super. Ein absolutes Highlight war für mich der Auftritt von ,Still Counting’, der ,Volbeat’-Coverband.“ Auch Annika und Lisa, die aus Alsdorf angereist waren und sich am Samstagabend kurzerhand den anderen angeschlossen hatten, bestätigten: „Die Stimmung hier ist super entspannt, Tollrock hat einfach diesen gewissen ‚Eifel-Flair‘.“

(nie)
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