Ausstellung in Schmidt macht auf Verbrechen der Wehrmacht aufmerksam

Über die Erinnerungskultur der Nordeifel : Ausstellung zeigt Verbrechen der Wehrmacht auf

In der Erinnerungskultur der Nordeifel sei „eine Neujustierung überfällig“, finden Konrad Schöller und sein Sohn Benedikt. Ihr aktuelles Projekt: die Ausstellung „Beharrliches Schweigen über die Verbrechen der Wehrmacht“ in der Pfarrkirche Schmidt.

„Es ist schwer, gegen eine Erinnerungskultur anzustinken, die sich seit 70 Jahren etabliert hat“, sagt Konrad Schöller. Der 61-Jährige und sein 34-jähriger Sohn tun genau das seit Jahren – aus Überzeugung.

Im Raum des Friedens in der Kirche sind 220 Exponate aus dem etwa zehnmal so großen Dokumentenfundus der Schöllers zu sehen: Personalkarten mit Portraitfotos von sowjetischen Kriegsgefangenen, die auf der Kriegsgräberstätte in Simmerath-Rurberg bestattet wurden. Vor ihrem Tod sind sie in Lagern in der Städteregion Aachen, den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg, im Rhein-Erft-Kreis, dem Raum Köln oder Ostbelgien gewesen. Die Gefangenen verstarben in Arbeitskommandos oder im Lazarett in Arnoldsweiler. Schöller senior: „Unser Ziel ist, das furchtbare Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in Obhut der Wehrmacht transparent und bewusst zu machen. Sie wurden gequält, erniedrigt, entmenschlicht.“

Vater und Sohn Schöller sagen, sie wollen mit der Ausstellung bewusst einen Kontrapunkt zur vorherrschenden Erinnerungskultur in der Nordeifel setzen, die ihrer Ansicht nach bestimmte Opfergruppen komplett ausblendet – eben die sowjetischen Kriegsgefangenen beispielsweise. Es sei nötig, ein Kapitel aufzuschlagen, das in der Tabuzone gelegen habe, und den öffentlichen Diskurs auf rationaler und sachlicher Ebene anzustoßen. „Da sind Dinge geschehen, die 80 Jahre später zur Sprache gebracht werden müssen, auch wegen der nationalen und europäischen politischen Entwicklungen“, meint Benedikt Schöller.

Sein Vater blättert in einem der dicken Ordner eine Personalkarte auf: Luka Ljaschenko, gefangen genommen am 4. Juli 1941. Konrad Schöller spricht von einer Lagerodyssee. Ljaschenko sei von Arbeitskommando zu Arbeitskommando weitergereicht worden, kam am 10. Juli 1944 zum Außenkommando Wittscheidt nahe Vossenack. Und dann steht dort der handschriftliche Eintrag: „Am 26.8.44 im Lagerlazarett Arnoldsweiler verstorben.“ Woran, das bleibt offen. Luka Ljaschenko wäre einige Wochen später 30 Jahre alt geworden.

Die Dokumente haben Konrad und Benedikt Schöller aus dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (CAMO), betonen aber auch, dass ihre Arbeit nur beispielhaft sei. „Wir sind Amateure. Unsere zeitlichen und finanziellen Ressourcen sind begrenzt“, erklärt Konrad Schöller. Er und sein Sohn halten eine professionelle Grundlagenforschung für notwendig und freuen sich, dass sowohl der Landschaftsverband Rheinland als auch ein Lehrstuhl der Uni Osnabrück ihre Unterstützung zugesagt haben.

So sieht die Personalkarte von Luka Ljaschenko aus. Darauf ist der handschriftliche Eintrag zu lesen: „Am 26.8.44 im Lagerlazarett Arnoldsweiler verstorben.“ Woran, das bleibt offen. Ljaschenko wäre einige Wochen später 30 Jahre alt geworden. Foto: CAMO

Dazu kam es vor wenigen Tagen bei einer internationalen Fachkonferenz in Köln zum Thema „Konfliktlandschaft Hürtgenwald“. Dort durften die Schöllers an internen Expertengesprächen teilnehmen. „Auf der Konferenz haben wir zum ersten Mal Wertschätzung für unsere Arbeit erfahren“, sagt Konrad Schöller und sein Sohn ergänzt: „Das war Balsam für die Seele“. (asc)