Nideggen: Mountainbiker-Klage gegen Stadt Nideggen abgewiesen

Schwerer Unfall im Wald : Verunglückter Mountainbiker scheitert mit Klage gegen die Stadt Nideggen

Die Zivilkammer des Aachener Landgerichtes hat die Klage eines jungen Mannes abgewiesen, der im Juli 2017 auf dem Wanderweg Hasenacker gestürzt war und sich schwere Kopfverletzungen zugezogen hatte. Er forderte ein Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von mindestens 30.000 Euro.

Im Dezember wollte die Zivilkammer beide Parteien zu einem Vergleich bewegen, der weit unterhalb dieser Summe hätte liegen sollen. Das hatte die Stadt Nideggen beziehungsweise ihre Versicherung jedoch abgelehnt.

Richter Uwe Meiendresch begründet sein Urteil damit, dass Daniel K. die Gefahrenstelle im Wald, über die er gestürzt war, hätte erkennen müssen. Jene Gefahr haben Baumstämme dargestellt, die quer über den Wanderweg befestig waren, um den abschüssigen Boden abzusichern. Sie sollten außerdem für Wanderer eine Hilfe beim Auf- und Abstieg sein.

Der Mountainbiker war wegen des Gefälles nach eigener Aussage mit Schrittgeschwindigkeit auf dem Weg gefahren. Die rund einen halben Meter hohen Baumstämme hätten die Wirkung einer „Sprungschanze“ gehabt, die er nicht erkannt habe und deswegen mit dem Kopf vorweg gestürzt sei. Der Sturzhelm brach bei dem frontalen Aufprall entzwei. Mit dem Rettungshubschrauber wurde der Nideggener ins Aachener Klinikum gebracht, unter anderem hatte er sich ein offenes Schädelhirntrauma zugezogen. Nach dem Unfall lag Daniel K. zwei Wochen im Krankenhaus, danach verbrachte er rund einen Monat in der Reha und war bis Anfang Januar 2018, also fünf Monate nach dem Unfall, arbeitsunfähig.

Der entscheidende Aspekt für das Urteil ist, dass die gefährliche Stelle nach Ansicht des Gerichtes als typisch für den Wald gilt. Sie entspringe „zwar nicht der Natur des Waldes, jedoch ist sie in der Art der Bewirtschaftung als Wanderweg begründet“. Die Stadt Nideggen haftet für diese Stelle als Waldeigentümerin nicht. „Wer im Wald mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat sich auf solche plötzlich auftretenden Hindernisse einzustellen und muss jederzeit in der Lage sein, sein Fahrrad in der übersehbaren Strecke anzuhalten“, heißt es weiter in Meiendreschs Urteil. Ohnehin gilt, dass ein Wald hinsichtlich „typischer Gefahren“ auf „eigene Gefahr betreten beziehungsweise befahren“ wird. Im Gegensatz dazu sind „atypische Gefahren“ im juristischen Sinne solche, die nicht naturgegeben sind, sondern vom Waldbesitzer geschaffen werden, wie zum Beispiel Fanggruben und gefährliche Abgrabungen, Schranken oder Geländer.

Richter Meiendresch betont außerdem, dass Fotos belegen würden, dass „die Gefahrenstelle auch von der Seite zu erkennen ist, von der der Kläger den Waldweg befahren hat“. Daniel K. hätte die Stelle nach Ansicht des Richters erst gar nicht überfahren sollen.

Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Hang nun anders gesichert

Nach dem Unfall hatte die Familie von Daniel K. den Bürgermeister der Stadt Nideggen, Marco Schmunkamp (parteilos), kontaktiert. Um künftige Unfälle zu vermeiden, wurde inzwischen die „Hangsicherung durch eine treppenartige Holzbohlenkonstruktion ersetzt“. Auf dem Wanderweg Hasenacker rund um die Jugendherberge und in den Nideggener Wäldern im Allgemeinen wimmelt es von ähnlichen Stellen. Der Boden ist felsig, es gibt etliche steile Abhänge. Damit sie keine Gefahr für Wanderer sind, geht der Eifelverein die Strecken regelmäßig ab.

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