Düren: Nicht vorstellbar: Die Pleußmühle ohne Mühlrad

Düren : Nicht vorstellbar: Die Pleußmühle ohne Mühlrad

Das Wasserrad gleich neben der Pleußmühle an der August-Klotz-Straße in Düren ist marode. So marode, dass die Statik des Rades nicht länger gewährleistet und eine Renovierung nicht möglich ist. Das Rad soll abgerissen und durch eine sogenannten „Wasserkraftschnecke“ ersetzt werden. Insgesamt sollen rund 250.000 Euro investiert werden. Aber dazu später mehr.

Für viele Dürener ist das Rad fast schon ein Wahrzeichen, unter Denkmalschutz steht es aber nicht. Eigentümer sind die Stadtwerke Düren (SWD). Deren Vertriebsleiter Ingo Vosen erklärt: „Dieses Wasserrad steht seit 1992 an der Pleußmühle und erzeugt mit Hilfe des Wassers aus dem Mühlenteich Strom für rund 50 bis 80 Haushalte.“ Eine Ertüchtigung des alten Rades, ergänzt Vosen, würde sich technisch nicht mehr lohnen.

„Anders ausgedrückt: Das Ende der Lebensdauer dieses Rades ist erreicht. Wir wollen Ersatz schaffen — auch, um an dieser Stelle weiterhin Ökostrom erzeugen zu können. Dafür müssen wir aber die Wasserrechte an der Stelle neu erwerben.“ Und zwar genau deswegen, weil die Wasserrechte an die Betriebsdauer des alten Wasserrades gebunden waren. Bereits seit drei Jahren bemühen sich die Stadtwerke intensiv um eine Erneuerung dieser Rechte, involviert sind unter anderen die Untere Wasserbehörde, verschiedene Denkmalschutzbehörden sowie die Stadt Düren.

Ingo Vosen: „Ich hätte nie gedacht, dass dieses Verfahren so langwierig ist.“ Wolle man neue Windkraftanlagen errichten, so Vosen weiter, müssten die Behörden gewisse Fristen einhalten. „Tun sie das nicht, bekommt man automatisch die Baugenehmigung für ein Windrad. Bei Wasserrädern ist das leider nicht der Fall.“

Um die Wasserrechte zu erwerben, mussten die Verantwortlichen der Stadtwerke diverse Gutachten erstellen lassen, zum Beispiel verschiedene Umweltverträglichkeits-Gutachten, um die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen sicherzustellen. Vosen: „Auch wenn das Wasserrad nicht unter Denkmalschutz steht, mussten wir trotzdem mit der Denkmalbehörde zusammenarbeiten, weil alle Dürener Mühlenteiche sowohl ein Industrie- als auch ein Landschaftsdenkmal sind.“

Mit der Denkmalbehörde konnte mittlerweile eine Einigung erzielt werden, genau wie mit dem Landesfischereiverband. Hier galt es unter anderem die Fischverträglichkeit zu prüfen. „Sie sehen“, sagt Vosen, „dass es ein wirklich komplizierter und sehr langwieriger Prozess ist.“

Leiser und effizienter

Ziel der Stadtwerke sei es, den Wasserkraftstandort an der Pleußmühle dauerhaft zu erhalten. „Wir hoffen, dass noch in diesem Jahr alle Genehmigungen vorliegen, damit wir endlich mit der Umsetzung beginnen können.“ Bei der neuen „Wasserkraftschnecke“handelt es sich um eine moderne Wasserkraftanlage, die eine Weiterentwicklung zu herkömmlichen Anlagen darstellt.

Laut Stadtwerke seien sie leiser, effizienter und Fisch verträglicher. Zudem können sie im Jahr mehr Strom produzieren, vor allem im Winter, also auch dann, wenn ein Wasserrad aufgrund der Witterungsverhältnisse stillstehen musste.

Die Stadtwerke sind zudem davon überzeugt, mit der Modernisierung der Wasserkraftanlage an der Pleußmühle einen wichtigen Beitrag zur Energiewende zu leisten und gleichzeitig den Wahrzeichencharakter der Pleußmühle zu bewahren. Ingo Vosen: „Denn was wäre die Pleußmühle ohne Mühlrad?“