Düren: New York Gospel Stars: Sänger stürzen sich in wildeste Tonfolgen

Düren: New York Gospel Stars: Sänger stürzen sich in wildeste Tonfolgen

Etwas verwirrt tasten die Hände der Silhouetten in der Dunkelheit der Kirche herum. Manche sind ein wenig voluminöser geraten, andere ganz unscheinbar. Sie bewegten sich aber alle eher hilflos die Treppenstufen abwärts zur Mitte hin. Das Ergebnis der New Yorker Gastmusiker hat jedoch das Publikum bis zum letzten Augenblick gefesselt.

Wenig Glanz gab es beim Einmarsch der „New York Gospel Stars“ unter der Leitung von Craig Wiggins in der Christuskirche am Mittwochabend. Doch der Eindruck täuscht. In dem nahezu voll besetzten Gotteshaus präsentieren sich die neun Gäste aus der Stadt an Amerikas Ostküste mit einem derart brillant polierten Programm, dass der Einzug sogar nicht in dieses Gesamtbild passen möchte.

Insgesamt sieben Sänger, vier Frauen und drei Männer und zwei Musiker, positionieren sich einem Magneten ähnlich in der Mitte der Christuskirche und ziehen alleine schon durch ihre lilafarbenen Kutten die Blicke der Zuschauer auf sich.

Das, was daraufhin die Aufmerksamkeit aller Zuhörer und Zuhörerinnen regelrecht blitzartig packt, lässt die Fähigkeit der Sprache zu beschreiben glatt an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Stimmgewaltig, man mag schon fast übermenschlich sagen, schwingen die Bänder der Sänger. Die Christuskirche ist der optimale Klangkörper für diese an Volumen kaum zu überbietenden Stimmen.

Einige Meter ragen die Pfeiler in die Höhe, an denen entlang das Gesungene hinein in den Kirchenraum transportiert wird, indem es sich dann in seiner vollen Blühte entfalten kann. Die Sänger und Musiker, die ein exzellentes Spiel aufweisen, funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk. Filigrane Zahnränder greifen ohne Stocken ineinander über, wirken als geschlossenes Gesamtes, und durch entschlossenes Drehen am Rädchen lassen sich sensibelste Nuancen einstellen.

Es ist die Perfektion des Chores auch hinsichtlich dynamischer Interpretationen, die dieses Bild adäquat erscheinen lässt. Dieser mechanische Vergleich darf allerdings von einer Tatsache nicht ablenken: die Sängerinnen und Sänger leben ihre Musik. Und dafür treten sie auch schon einmal aus diesem festen Rahmen, stürzen sich hinein in wildeste Tonfolgen, thronen sekundenlang auf einem Ton.

Dadurch geben sie ihrer statischen, kalten Umgebung Leben. Ein Aspekt, der auch das Publikum nicht unangetastet lässt. „Oh happy day“ ist eines dieser Werke, das in der Interpretation des Chores mit seinen gospeltypischen Bewegungen gar nicht die Möglichkeit lässt, das Gehörte im Sitzen zu verarbeiten, sondern dem Impuls folgend, aufzuspringen und sich zur Musik zu bewegen. Immer wieder gelingt das Wiggins und seinen Kollegen: die Zuschauer in einer Welle der Euphorie mitzureißen.

Neben diesen physisch für manch einen sehr fordernden Werken wechselt die Stimmung auch hin zu harmonisch ausdrucksstarken und daher kraftvollen Melodiestrukturen. Letzten Endes ist es aber egal, ob das Konzert durch seine Ruhe oder seinen Elan besticht.

Das, was an diesem Abend deutlich wird ist eines: verstehen einige der Zuschauer auch die Englische An- und Zwischenmoderation nicht, so scheint die Musik doch darüber zu stehen, zu verbinden, selbstredend zu sein.

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