Kreuzau: Neues Wohngebiet im Westen von Stockheim

Kreuzau: Neues Wohngebiet im Westen von Stockheim

In zwei bis drei Jahren wird Kreuzau 250 bis 300 Einwohner mehr haben. „Ja”, sagt im Rathaus Baudezernent Siegfried Schmühl und überlegt kurz, „das stimmt”. Mehr Einwohner, das bedeutet automatisch mehr Einnahmen (Schlüsselzuweisungen aus Düsseldorf sowie Steuern), und die kann Kreuzau nun wirklich gut gebrauchen.

Mit bis zu 300 zusätzlichen Bürgerinnen und Bürgern kann gerechnet werden, weil Kreuzau demnächst ein neues, großes Wohngebiet bekommt. Entstehen wird das Neubaugebiet im Westen von Stockheim.

Es handelt sich um eine alte „Konversionsfläche”. Schmühl geht das Wort problemlos über die Lippen, der Laie denkt nur „hä?”. Gemeint ist eine Fläche, die einmal den belgischen Streitkräften als Munitionslager diente. Ein Riesenareal, das immer unzugänglich, bewacht und eingezäunt war. Es umfasst über 100 Hektar.

Als die Belgier das Gelände räumten, gehörte es plötzlich dem Bund. Einige wenige Wohnhäuser standen drauf, aber auch 180 Munitionshäuschen, jedes einzelne mit Asbestplatten abgedeckt. Die wollte die Bundesbehörde nicht entsorgen. „Das wäre denen viel zu teuer geworden”, vermutet Schmühl.

Mitten durch das Areal führt die einzige fußläufige Verbindung zwischen Kreuzau und Stockheim, die jedoch in der Vergangenheit (über 60 Jahre lang) geschlossen war. Den Weg konnte die Gemeinde nach dem Ende des Kalten Krieges zurückkaufen, benutzen konnte ihn niemand, denn er führte auch zu den 180 asbestverseuchten Häuschen.

Ende 2004 kam Bewegung in die Sache, der Baukonzern Strabag AG kaufte das riesige Gelände und ging dabei die Verpflichtung ein, innerhalb von zehn Jahren die Häuschen abzubauen. Geplant war vom Investor „ein exklusives Baugebiet”.

Ein Vertrag wurde geschlossen, und prompt gab es viel Arbeit für die Behörden, also die Bezirksregierung und die Mitarbeiter im Kreuzauer Rathaus: Der so genannte Regionalplan musste geändert werden, etwa 92 000 Quadratmeter von dem Gelände waren Wald und sollten das auch bleiben.

Der Investor musste, um das neue Baugebiet gut an Stockheim anzubinden, noch etwas Gelände hinzukaufen, die Tierschützer und die Forstbehörden stellten ihre Bedingungen, die alle erfüllt wurden, und die Gemeinde fertigte sowohl einen neuen Flächennutzungsplan als auch einen neuen Bebauungsplan.

Alles finanziert vom Investor. „Die Gemeinde zahlt da keinen Cent”, so Schmühl. „Planungskosten und die komplette Erschließung finanziert der Investor”, freut sich der Beamte.

Der Wald ist längst verkauft und für jeden frei zugänglich. „Da kann man wunderbar spazieren gehen”, sagt Schmühl. Das Gelände, auf dem etwa 100 Einzelhäuser (maximale Firsthöhe: neun Meter) gebaut werden, ist mittlerweile vom Baumbestand befreit. Anfang August soll mit der Erschließung begonnen werden. Von allen 100 Grundstücken sind schon etwa 80 verkauft.

„Sehr aufwändig, sehr großzügig” werde geplant, so der Bauexperte im Rathaus. Die bebaute Fläche pro Grundstück sei extrem limitiert. Das gesamte Gelände wird über einen Kreisverkehr an die Andreasstraße in Stockheim angebunden.

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